Olmützer Gerichtsordnung

Olmützer Gerichtsordnung 1550 :: Transkription Speer (in Arbeit 11.10.2017)

Inhaltsverzeichnis

Zusammen getragene Artickel

in Form eines rechtlichen Proces, wie dieselben von alters her bei dieser königlichen Stadt Olomuntz hei Gerichte und auch in und vor gehegter bank in ubung gehalten, sambt andern nodturfftigen underweisungen und zutreglichen vellen.

Vorrede zum Leser.

Es ist sehre gut und nutze, das man dem leser eine ordenliche, klare unnderrichthunge thue, wie ehr dis buch desto leichter, eher und bestenndiger weise fassen, lernen und vernemen koenne, und sonderlich das ime die Summa, Hauptstucke und Artickel richtigk und ainfeltigk hierinne angeweiset werden, doraus ehr koenne merken, was in diesem buche der kern, das principal, grundt, ursprungk und die ordenung der lehre sein.

Hierumb so hot man dieses sehre nutzliche buch der Artickl und Practica der Gerichtsleuffte, wie dieselben noch alt herkommner und im brauch gehaltener ubunge und gewonheit dieser koniglichen Stadt Olomuntz jedoch laudt und Inhalt der landtleuffigen beschriebenen Sachsischen Recht alhie gehalten worden, in Form eines rechtlichen Proces mit vleiß zusammen getragen, beschrieben und in eine ordenunge der Artickell bracht, welche Artickel, ein jeder seine sonderliche underschiedt und velle noch sich, alles noch der Zal, volgennde hot, und mit viele nutzlichen Addicion und bestenndigen allegaten der beschriebenen recht bei der materien der Artickel und velle auffm Rande erkleret mit anhengunge bei etzlichen Artickln dem Texte noch viele schoener lere und undterweisungen aus beschriebenen Goetlichen Rechten, beide lateinisch und deutsch, einem ieden hern Foyte und Scheppen, Notarien,1 Advocaten, Procuratoribus und Gerichtsperßonen dieser königlichen Stadt zu Furderunge des gemeinen nutzes und der gerechtigkeit sehre nützlich zu wissen: wehr auch gerne den Rechten nochsuchen wolde, so kan sich derselbe den Allegaten noch leichte richten, und ist auch sambt einem gewissen Register der fuernemblichsten Artickl und iren vellen, an welchem bladt eine jede Materia zufinden, illustrirt und erklert. So ist auch dieses buch in zwai tail in seiner materia getailt; im ersten taile wirt gehandelt, wie sich alle sachen und hendel bei dem hern Foyte und Gerichte gemainigklich mit iren vellen begeben, und wie dorinne procedirt wirt. Und das aus dieser urßache, dieweile gar selden eine Sache vor gehegte banck komt, sie werde den zuvor bei Gerichte gehandelt, angefangen und geuebt. Im andern taile wird gehandelt von den Banrechten, Hegunge der Recht und dem gantzen [Seite: 2] volgenden proces desselben rechtens und seinen vellen etc. und anderer nodturfftiger Sachen mehr, wie den hienoch im Register noch ausweisunge der Artickl klaerlich und deutlich zu befinden.

Dann obgleich wol vermuege der beschriebenen Recht2.a zuvermutten, das alle hern Foyte und rechtsitzer, desgleichen ire Notarien derselbigen Recht zuvor genugksam gelert und verstendigkh, so bleibt aber dannoch unwidersprechlich war, das dieses buch zu einem fuerderlichen und lautern verstandt der Recht den ungeuebten besonnder hochdienstlich ist. Dan dieweil ein jeder Artickell und vahl der gemainen Regel und practica einander noch gehet, doraus volget — wie dan der hochberumbte Jason2.b offte gesagt hot —, das undterweisunge sonderlich in den Rechten richtiger und verstendtlicher nicht kan gescheen, dan durch Artickl, Regel und Fallencien, welchs dan im grunde nichts anders ist, dan alle und jede zufallende Sache noch gelegenhait irer umbstende und jedes seiner art und ursache noch rechtmessigklich urteilen und eroertern.

Derhalben so wolte ein jeder freundtlicher leßer diese vleißige und treue arbeit gutwilliger und freundtlicher mainunge zu dancke annehmen und ime diß buch mit vleiß commendirt und bevohlen sein lassen.

Zu lobe unnserem Hern Jhesu Christo. Amen.

Register.

[Register überspringen und direkt zum Text.]
Im nochfolgendem Register2.1 sein kurtzlich zu finden alle Artickel mit iren Vellen ader underschieden, so in diesem Buche begrieffen. Und ist von wegen foerderliches suchen verzeichnet: Erstlich jeder Artickel an welchem bladt, und seine velle ader underschiedt, auch noch der Zal und auff welcher saidten des bladts. a bedeut die erste saidte und b die anndere saidte des bladts.

Der erste tail.

Art. I   fol. 1 a [3]
1.1. Wie sich ein jeder Klaeger zum Rechten sal geschickt machen fol. 1 a [3]
1.2. Wie der kleger den Richter suchen sal 2 b [5]
1.3. Wie der kleger zum Richter zutrehten sal 3 a [5]
Art. II. Citation. fol. 4 a [6]
2.1. Was die Citation ist und alles was ane Citation gehandelt wirt, ist nichtigk fol. 4 a [6]
2.2. Wie die Citacion geschieht 4 b [6]
2.3. Des gerichts Diehners gerechtigkheit 4b [7]
Art. III. Von der Clage bei Gerichte. fol. 6a [7]
3.1. Beklagter bekennet sich zur schuld fol. 6a [7]
3.2. Frist bei Gerichte zur betzalunge 6 a [8]
3.3. Beklagter bekennet sich zur schuld, hot geld und will nicht betzalen 6 b [8]
3.4. Beklagter sagt, ehr habe betzalet, wehr in diesem vhalle beweisen sal 7 a [8]
3.5. Beklagter sagt, die Zeit zur betzalunge sei noch nicht komen, wehr in diesem vhal beweisen sal 7 a [9]
3.6. Beklagter sagt Nain zur klage 7 b [9]
3.7. Klaeger hot kainen beweiß 7 b [9]
3.8. Klaeger stellet beweiß für 7 b [10]
3.9. Was dem her Foyte zu schwer ist 8 a [10]
3.10. Clage auf die gewissen 8 a [10]
3.11. Die sachen auf gutte leuthe zu geben 8 b [11] [Seite: 76]
3.12. Der Zeugen aussage gibt man bei Gerichte dem Widerpart kainen austzug fol. 10 a [12]
3.13. Beklagter bekennet sich zur schuld und wil pfandt legen 10 a [12]
Nota: Beklagter wil verweisen die schuld auff liegende gruende ader auff gewisse schulden 10 a [12]
Art. IV.   fol. 12 a [12]
4.1. Wie man die Radtpersonen zu Gerichte beschicken sal fol. 12 a [12]
Art. V.   fol. 14 a [14]
5.1. Von dem ungehorsam des Clegers fol. 14 a [14]
5.2. Claeger mus den beklagten von neues beschicken 14a [14]
Art. VI.   fol. 15 a [14]
6.1. Von dem ungehorßam des beklagten fol. 15 a [14]
6.2. Underweisunge eines Erbaren Rats auf die ungehorßamen 15 a [14]
Art. VII. Von Siegelung und Sperrunge. fol. 17 a [15]
7.1. Worumb die Siegelunge und Sperrung geschieht fol. 17 a [15]
7.2. Was der dem Gerichte gibt, der do sperren lest 17 a [15]
7.3. Kombt dan der ungehorßame noch der Sperrunge zu Gerichte 17 b [16]
7.4. Bleibt der ungehorßame noch der Sperrung aussene und kombt zu Gerichte nicht 18 a [16]
7.5. Claeger kombt noch verscheinunge sechs wochen widerumb zu gerichte 18 a [16]
7.6. Ist auch beklagter enndtwichen 18 b [16]
Art. VIII.   fol. 20 a [17]
8.1. Von Inventirung und Schatzung fol. 20 a [17]
8.2. Was noch der Inventirung und Schatzung folget 20 a [17]
8.3. Das woertlen, (wehr am meisten dorumb gibt) 20 b [17]
8.4. Who kein kaufmann kweme 20 b [17]
8.5. Underweißunge der alten zwaiher raete von wegen der geschatzten farenden habe 21 a [18]
Art. IX.  fol. 23 a [18]
9.1. Clage umb Erbgelt fol. 23 a [18]
9.2. Clage umb liedlohn 23 a [18]
Art. X.   fol. 24 a [19]
10.1. Von Spaehnunge der Heuser und anderer gruende fol. 24 a [19]
10.2. Von ausruffunge der Heuser ader anderer gruende 24 a [19]
10.3. Beklagter gibt in VI wochen die erbguelde nicht, wie denne zu thuen 24 b [19]
10.4. Beklagter kombt in Jaresfrist und legt zwu erbguelden fol. 25 b [20]
10.5. Beklagter lest dem Kleger das hauß ader den grundt widerumb haim gehen 25 b [21]
Art. XI. Von Arrestiren und Auffhaltungen. fol. 28 a [21]
11.1. Arrestiren einen selbschuld um geldschuld fol. 28 a [21]
11. 2. Vertzihung der freiheit 28 b [22]
11.3. Arrestiren umb ungerichte, boese tathen als todtschlag, lemnis, Iniurien etc. 29 a [22]
11.4. Wo sich beklagter tehter nicht betrehten noch finden lossen wolle 29 a [23]
11.5. Von aufhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein 29 b [23]
11.6. Auffhaltungen sollen nicht gescheen hinder vorwissen des her Burgermeisters 30 a [24]
11.7. Wer auffhalten wil, der sal genugksam burgen setzen 30 b [24]
Art. XII.   fol. 32 a [24]
12.1. Von verpoten auf liegende gruende und farende habe fol. 32 a [24]
Art. XIII. Von Burgschaft zum Rechten. fol. 34 a [25]
13.1. Burgschaft des klegers fol. 34 a [25]
13.2. uürgschafft des beklagten 34 a [25]
Des andern teils Register.   fol. 34 b [26]
Art. XIV. Von Banrecht und anderer Recht. fol. 34 b [26]
14.1. Was banrecht aigentlich haisse fol. 34 b [26]
14.2. Wie viele Banrecht ubers yar alhie zu Olomuntz gehalten werden, und zu welcher Zeit 34 b [26]
14.3. Das erste banrecht 34 b [26]
14.4. Das ander banrecht 35 a [26]
14.5. Das dritte banrecht 35 a [27]
14.6. Der Nochtaidingkh 35 a [27]
14.7. Von Gastrecht, Nodtrecht 35 a [27]
Art. XV.  fol. 35 b [27]
15.1. Die Hegung des Stadtrechten zu Olomuntz fol. 35 b [27]
15.2. Ruffen zum Rechten 36 b [29]
Art. XVI. Von Lauperungen. fol. 36 b [29]
16.1. Lauperung und verleßunge der parten aus gehegter banck am ersten tage fol. 36 b [29]
16.2. Taegliche Lauperunge vor gehegter banck 37 a [30]
16.3. Forma und Proces der Lauperunge 37 a [30 S. 78]
Art. XVII. Erstandene Recht. fol. 38 a [30]
17.1. Wen die erstandenen Recht beschrieben werden fol. 38 a [30]
17.2. Welchem kain erstanden Recht vergunst wirt 38 a [31]
Art. XVIII. Von den Procuratoren und Rednern. fol. 38 b [31]
18.1. Der Redner ambt ist vonnoehten fol. 38 b [31]
18.2. Wie sich ein Procurator vor gehegter banck halten sol 38 b [31]
Art. XIX. Vom Andingen. fol. 39 a [31]
19.1. Ein mohl angedingt ist genugkh fol. 39 a [31]
19.2. Forma des Andingens 39 a [32]
19.3. Eine schoene lere und undterweisunge allen und jeden Procuratoribus aus beschriebenen Rechten 39 b [33]
Art. XX. Von Anwalden ader Machtleuthen. fol. 41 a [34]
20.1. Wer ein anwalt ader machtman genant wirt fol. 41 a [34]
20.2. Wie sich der machtman halten sal bei rechte 41 a [34]
20.3. Der machtman sal seine macht forlegen ader wirt sonste bei Rechte nicht gehört 41b [34]
20.4. Hot der machtman die macht im Gerichtsbuche 41 b [35]
20.5. Eine volle macht zu Rechte sal alle Clauseln haben 42 b [35]
20.6. Clausula zu einer volkommen macht 42 b [35]
20.7. Cautela Iudicis 43 a [36]
20.8. Ein machtman wirt kegenwertigk und auch abwehsens gesetzt 43 a [36]
Art. XXI. Von dem Klaeger und seiner Klage vor gehegter banckh. fol. 44 a [36]
21.1. Claeger sal seine klage formlich einbrengen fol. 44 a [36]
21.2. Clagen sein zwaierlei 44 a [36]
21.3. Was burgliche klage ist 44 a [37]
21.4. Was peinliche klage ist 44 a [37]
21.5. Von auszuegen ader abschriefften der klage 44 b [37]
21.6. Replica: Einrede 44 b [37]
Art. XXII. Von dem beclagten und seiner andtwort. fol. 45 a [37]
22.1. Beklagter sal sich mit seiner andtwort wol fursehen fol. 45 a [37]
22.2. Von abschriefften der Exception ader andtwort 45 b [38]
22.3. Von Duplica und widerrede 45 b [38]
Art. XXIII. Von litis contestation ader kriegs bevestung. fol. 46 a [38]
23.1. Was kriegsbevestunge haist fol. 46 a [38]
23.2. Von der wirkunge der kriegsbevestung und wotzu sie nutze sei, durch sechs velle erkleret 46 a [38]
Art. XXIV.   fol. 47 a [39]
24.1. Von den Vorstenden und Caution fol. 47 a [39]
24.2. Was Caution und vorstandt ist 47 a [40 79]
24.3. Underscheidt zwischen der Caution und der burgschaft bei gerichte zum Rechten fol. 47 b [40]
24.4. Wie der Vorstandt und Caution bestalt wirt 48b [41]
24.5. Caution in burglichen sachen 48 b [41]
24.6. Caution in peinlichen Sachen 49 a [41]
24.7. Forma des elenden aidts zum vorstandt 49 b [42]
24.8. Wehr den Vorstandt nicht bestellen darff 49 b [42]
Art. XXV. Von der Gewehre der Clage. 50 a [43]
25.1. Worumb die gewehre eingefurt 50 b [43]
25.2. Die erste woltadt der gewehre 50 b [48]
25.3. Die ander woltadt der gewehre 50 b [43]
25.4. In was sachen die gewehre bestalt wirt 50 b [43]
25.5. Gewehre in burglichen und auch in peinlichen sachen 50 b [43]
25.6. Forma und proces in bestellunge der gewehre 51 a [44]
25.7. Noch bestalter gewehre die klage nicht zu endern 53 a [46]
25.8. Wen die gewehre gerurt, wie sich beklagter halten sol 53 a [46]
25.9. Peen und Straffe gerurter gewehre in burglichen Sachen 53 a [46]
25.10. Peen und Straffe gerurter gewehre in peinlichen sachen 53 b [46]
25.11. Exempli gracia, womitte man die gewehre ruert ader bricht, durch etliche velle 12, 13, 14, 15, 16 53 b [47]
25.17. Der weiber vormunden sollen vor die fraue die gewehre bestellen 54 a [47]
25.18. Die rechten vormunden muessen leisten und schaden leiden 54 b [48]
25.19. Wer die rechten vormunden sein 54 b [48]
Art. XXVI. Von der Beweisunge und den gezeugen. fol. 55 a [48]
26.1. Weme gezeugen getailt werden, wie sich der halten sal fol. 55 a [48]
26.2. Wie sein Procurator in gehegte banck frogen sal 55 a [48]
26.3. Wie der her Foyt andtworten sal 55 a [48]
26.4. Wen die Zeugen in einem andern koenigreich wehren 55 a [48]
26.5. Der Zeugenfuerer makh ime balde einen Tagkh nehmen 55 b [48]
26.6. Verßeumunge der Zeit Zeugen furzustellen 55 b [49]
26.7. Von der furstellunge der gezeugen 55 b [49]
26.8. Die Citacion Zeugen zu fuehren ist peremptorie 56 a [49]
26.9.Proces in furstellunge der Zeugen 56 b [49]
26.10. Worumb die beschuldigunge der Zeugen geschicht 56 b [50]
26.11. Wie die beschuldigunge der Zeugen gescheen sal 57 a [50]
26.12. Von den Interrogatorien und fragstucken 57 a [51]
26.13. Fragstuck sollen kurtz und lauther sein 57 b [51]
26.14. Forma der Fragstuck 57 b [51]
26.15. Die Zeugen sollen schweren in kegenwart beider part 58 a [52]
26.16. Forma der Zeugen aidt 58 a [52]
26.17. Der Radthern eidt zum Zeugknis 58 b [52 Seite 80]
26.18. Die Zeugen werden verhort in abweichen der part fol. 58 b [52]
26.19. Eine schoene ermanunge den Zeugen furzuhalten 58 b. [52]
26.20. Eine schoene vermanunge an die verhoerer der Zeugen 59 a [53]
26.21. Eines jegklichen Zeugen sage sal durchaus gantz beschrieben werden 59 b [53]
26.22. Von dem gezwange der Zeugen 60 a [54]
26.23. Von dem kranken Zeugen 60 a [54]
26.24. Von der eroeffnunge der Zeugen sage 60 b [55]
26.25. Forma der eroeffnunge der Zeugen sage 60 b [55]
26.26. Von abschriften der Zeugen sage 61 a [55]
26.27. Dem Zeugenfuehrer wirt keine abschriefft geben 61a [55]
26.28. Exception wider die Zeugen ader ire aussage 61 b [56]
26.29. Des Zeugenfuerers defension seiner Zeugen 61 b [56]
26.30. Gruendtliche ursache, worumb die eroeffnunge der Zeugen geschieht 61b [56]
26.31. Brieffliche urkunde werden noch der eroeffnunge zugelossen 62 a [56]
26.32. Von wider verhoerunge der Zeugen 62 a [57]
Art. XXVII. Von den Urteiln. fol. 64 a [57]
27.1. Das zwaiherlei Urteil sein fol. 64 a [57]
27.2. Von dem beiurteil 64 a [57]
27.3. Die woertlen (auf dis mohl) 64 b [57]
27.4. Von dem endturteil 64 b [58]
27.5. Kein Richter ist schuldigkh, die urßache ins urteil zu setzen 65 a [58]
27.6. Ab der Richter noch seinen gewissen, ader wie fur ime einbrocht wirt, richten sal 65 a [58]
27.7. Von tailunge der urtail in gehegter banck 67 a [60]
Art. XXVIII. Von der Huelffe des Urteils. 68 a [61]
28.1. Die huelffe ist vonnoethen 68 a [61]
28.2. Forma und proces der huelffe in einer personlichen sachen 68 a [61]
28.3. Schulden, Expens und gerichts kost erlegt man bei Sonnenschain 68 b [61]
28.4. Wil ime der part vertrauen 68 b [61]
28.5. Hot ehr nicht burgen 69 a [62]
28.6. Sitzt beklagter in der Zucht und hot mit parem gelde nicht zu betzalen 69 a [62]
28.7. Huelffe zu farender habe 69 b [62]
28.8. Huelffe zu liegenden gruenden 70 a [62]
28.9. Huelffe zu bekendtlichen schulden 70 a [63]
28.10. Von uberandtwortunge bei der handt 70 b [63]
28.11.Beklagter hot in einem andern gerichte guetter 71a [63]
28.12. Forma und Proces in dinglichen sachen 71b [63 Seite 81]
Art. XXIX. Forma Einweißunge in Heuser 71 b [64]
Art. XXX. Auffgobe der Heuser 72 b [65]
Art. XXXI. Auffgebunge des Stadtrechtens 73 b [65]
Art. XXXII. Proces, den Eidt auffzufueren 74b [66]
Art. XXXIII. Proces, wie man einen todten mit Rechte aufhebet 78 b [70]
Art. XXXIV. Wie man den tehter in die Acht tut 81b [74 [Seite: 3]]

[Der erste tail dieses Buchs.3.1] Salve me Jhesu Criste!

Art. I.

[Fol. 1a.] Distinctio prima. Wie sich ein jeder Claeger zum Rechten sal geschickt machen.

Wan einer ime furnimbt und gedenkt einen andern rechtlichen zu beclagen, so sol ehr vorhin, ehe danne ehr mit gerichte was anhebt3.a, bei frohmen, erfarnen rechtsverstendigen oder sonste bei einem verstendigen leihen und gutten freunde rath suchen, demselben seine sache und anliegen und derselben gelegennheit gruentlichen und warhafftigkh berichten und antzeigen. Ehr sol sich auch fursehen und bewaren mit einem gutten und erfarnen Advocaten, Beystant oder Procurator, und derselbe Beystant ader Procurator sal den jhenigen, der bei ime Beystandt und rath suchet, mit vleiß erfaren umb die warheit seiner sache, Brieff und schriften (soverre ehr die habe) von ime begeren, domitte ehr gruentlich rathen koenne; wan es magkh zu zeitten aus kleiner Seumbniß, ader unwissenheit die gantze sache vergeblich gehanndelt werden.

[Fol. 1b.] Actor quomodo debeat se preparare ad litem.

Antequam actor accedat ad litem faciendo reum citari, debet prius se preparare ad litem, ne confusus inde recedat et causam et expensas perdat. De huiusmodi preparatoriis potestis videre: Specu. in tit. de prepar. iud. et ibi Joan. (Andr.) in ad.

In primis autem debet deliberare cum amicis et eos consulere, an expediat sibi agere et litem adversario movere vel non, ne postea damnum patiatur. Item debet sibi providere de bono et perito advocato, ut in lege si aviam in fin. ibi: Si cum peritioribus tractatum habuisses C. de inge. (et) manu. [Seite: 4]

Alioquin accidet sibi illud quod scriptum est de Juda: De pen. dist. VI. c. I. versic. ubi dicitur: (Quod) Judas enim et versic. ivisset, ubi dicitur: Quod Judas penitens, dum ivit ad Phariseos pro consilio relinquens apostolos, nihil invenit sibi utile, sed augmentum desperationis sue4.1. Hec Henyng. in suo proces.4.2

Dornoch so ehr bei Rechtsverstendigen einen radt funden, sol er sich auch bei ime selbst wol bedencken und fursetzen und sonderlich eben acht haben und mit vleis erwegen, ob ehr seines fuernehmen und klage zu Rechte ordenlich rechtmeßigkh beweissunge und bewerunge habe, es sei durch Zeugen, glaubwirdige brieffe, rechtmessige Instrument oder ander wege, dan gemeinigklich dem kleger die burden der beweisunge aufgeladen4.a wen die klage versachet (das ist verneinet) wirt, es welle den der kleger seiner beweisunge abgehen und den beklagten [Fol 2a] auf seine gewissen noch Sachsischem rechte4.b und derselbigen lande brauch beschuldigen. Den who ehr felligkh wuerde und seine clage nicht beweisete, die sache verzeucht und nicht verfert, so sol der Richter den beklagten auf sein rechtlich begeren4.c von gethaner klage absolviren und ledigkh erkennen, mit erstatung der Expens. Das ist noch dem Sachsischen4.d Rechten zu vernehmen, who der klaeger nicht der zuschiebunge des eihdes, sonder der beweißunge gebraucht. Dorumb und sonderlich dieweil der ausgangkh des Rechten zweiffelich und ungewisse ist, tut vonnoeten4.e, das ein jeder klager sich vor anfangkh derselben aller dinge geschickt mache, dann er noch anfange der sachen und des kriegs nicht allewege zu statlichem und nodturfftigem bedacht4.f oder auffschub gelossen werden moechte. Es ist auch in sonderheit dem klaeger nodt, das ehr betrachte, ob ehr eine gutte und gerechte sache habe, auf das, who ehr die mit urteil und rechte gewuenne, domitte nicht das ewigkh verdamnis gewoenne4.g. Dofon sagt sauberlich das Sachsische lehnrecht. So goennen auch die recht dem [Seite: 5] beklagten mehr den dem kleger5.a, dorumb wirt ime auch keine zeit des bedenckens zugelossen, dan ehr geschickt sein mus, und auch alle zeit etwas mehr, den die persohne des beklagten geschickt und habilitirt sein sol. Dorumb ehr auch viel eher und leichter im Rechten verlegt wird: Ut lib. III. art XVI. et art. XXX. in glos., 1. I. C. de infamibus lib. X. etc.

[Fol. 2b.] Wan aber der kleger mit seiner nodturfft statlich verfast zu sein bestendigklich verhoffen magkh, so soll ehr dennoch die rechtliche Citirunge und ladunge gegen dem widertail nicht von Stunden gebrauchen, sonder von freundtschafft und bürgerlicher erbarickheit wegen, inen zuvor guetlich durch sich selbst oder mittelpersohnen ersuchen und beschicken: who ihme denne derselbe sein widertail als denne der gebuern und billigkheit gemeß nicht zufrieden stellen wolte, so magk ehr alsdanne den wegkh ordenlichs Rechtens und austrags. wie sich gebuert und bei den gerichten und Rechten breuchlich, fuernehmen.

Ita sunt text. in l. Quidam Hiberus ff. de servitutibus urbanorum prediorum et l. debitores C. de pignoribus et hipotecis.

2. Wie der Claeger den Richter suchen sal.

Es ist eine gemeine Regel5.b das ein jeder klager, er sei gaistlich oder weltlich, des andtworthers oder beklagten ordenlichem gerichte und Richter, dorundter ehr gesessen ist, nochfaren und ersuchen und inen doselbst, wie sichs gebueret und breuchlich ist, furnehmen und beclagen sal. Doch werden etliche vhelle ausgenommen, dorinne der klager nicht schuldigkh, dem andtworther nochzufaren; dorfon suche hernoch in dem artickel von Arrestiren und auffhalten. so viele desselben zu diesem Proces dienstlich.

[Fol. 3a.] 3. Wie der kleger zum Richter zutrehten sal.

Der klaeger sal auch zu bekwehmer fueglicher Zeit zu dem Richter oder Foyte sich verfuegen und furtrehten, nicht wen ehr ober tische sitzet und isset, oder in der kirchen und goetlichen sachen ist, oder auf dem wege, sonder wen ehr an den orthen und stellen, who ehr sonste breuchlich das Gerichte zu sitzen und die parthen zuverhoeren pflegt, erscheinen, sich kegen ime erbarlich und underthenigklich ertzeigen und durch sich selbst ader einen erbaren genugksammen gewalthaber seine sache und anliegen aufs allerkuertziste erzehlen und bitten, das ehr sein kegentail vor gerichte durch den gerichts diehner, oder wie es sonste breuchlich, citiren und beruffen woelle lossen und inen tagk und stunde zur verhoere bestimmen. [Seite: 6]

Qualiter in adeundo iudicem actor debeat se habere, tractat Guil. in Spec, de compe. iud. adicione § viso.: Quia, si est ordinarius, actor per se vel per procuratorem suum6.a accedat ad eum hora congrua, ut cum sedet pro tribunali, non quando commedit, vel est in divinis vel in via,6.b et factum suum coram eo proponat per se, si est discretus, alioquin per alium et petat adversarium citari seu vocari ad causam, quia per citacionem debet inchoari processus.

Art. II. Citacio, Fuerladunge. [Fol. 4 a.]

1. Was Citacion ist.

Citacion6.c oder vorladunge ist ein selbstendigkh thuen und der anfange des gerichts und gerichtszwanges und ein fundament des proces des gerichts.

Was ane Citacion gehandelt wirdt, ist unkrefftigkh.

Item alles was gehandelt wirt bei Gerichte und Rechte, zu welchem das widerpart nicht geladen wirt, taugk nicht, und solcher proces ist nichtigk und nullus6.d und dorum ist sie in keinem wege aussene zu lossen, sal anders das gerichte und derselbe proces bestehen, wie den die recht offendtlich sagen secundum Baldum in lege jubemus in I. col. verego tamen do consilium C. ad (S. C.) Trebellianum et per Joannem Andream, Abbatem et alios in c. Albericus [Fußnote 6.1: extra], de testibus, ubi dicitur: Quod in omni actu isti, quorum interest, citari debent, alias actus nullus est.

Den alle recht verbietten, das man niemandt, sein leib, oder ihnen sonste in etwas vertailen sal, der do nicht citirt und geladen ist,6.e und nemen des iren grundt von gothe dem Almechtigen, deme war nicht verborgen, das Adam im Paradiese gebrochen hatte und gesundigt; noch dennoch rieff ehr inen erstlich, ehe danne ehr inen straffet und sprach: Adam, who bistu etc.

2. Wie die Citation geschieht.

[Fol. 4 b.] Wan der kleger zu Gerichte kompt, sal ehr den her Foyt mit erbarlicher beschaidenheit umb den Gerichtsdiehner begruessen, noch seinem widerpart zu schicken, und bitten, inen einen tagkh und stunde [Seite: 7] anzusetzen; das sal ime der her Foyt vergoennen, auch tagkh und stunde ernennen, alles noch gelegenheit der Sachen und auch der perßonen.7.1

3. Des Gerichts diehners gerechtigkheit.

So der, noch deme man schickt, in der Stadt wohnet, gibt man dem diehner von alters her 3 den. Wohnet ehr aber vor einem tohre, gibt man ime einen halben groschen und also, vor so viele tohre er gehen mus, so viele halbe groschen gibt man ime. Verpeut und arrestirt ehr auch bei iemandes was, es sei was es wolle, gelt, roß, wagen etc., ists in der Stadt, so gibt man ime einen halben groschen, vor dem thore einen gr. und so furdann.7.2

Art. III. Von der Clage bei gerichte.

[Fol. 6 a.] Wan nun also beide part, kleger und antworter, zur gelegten stunde vor Gerichte erscheinen, und kleger seine clage und beklagter auch seine andtwort und also beide tail ire nodturfft furbrengen, dorauff hot der her foigt zu merken und vleißigk achtunge zu haben, noch laut ires furbrengen die rechtlichen zu entscheiden;7.a dan alle richter sitzen gerichte an gottes stadt, den alle gerichte kommen von Gott,7.b ut Landt. I. I. art. 53; Weich. art. 8; Lehen, cap. 51 post prin. glos.; Weich. art. 16. glos. in fin.

1. Beklagter bekennet sich zur Schuld.

Als who die klage umb Schuld und beklagter der klagen7.3 gestendigkh ist, so bedarffs nicht weither zankens,7.c den das der kleger den her Foyt bitte, dem beklagten auf solch sein bekennen zu schaffen und gebietten, das ehr im betzalunge und ausrichtunge thue; den der [Seite: 8] lso bekennet und der klagen gestendigkh ist, der bringt das urteil selbsta mit sich, das inen vertailet.8.a

2. Frist bei Gerichte zur betzalunge.

Who aber der beklagte nicht zu betzalen hette und begeret Frist, wie diese Stadt zu Rechte hot, das bekommt ehr, und [Fol. 6b] das sein drei vierzehen tage und drei tage, das machen sechs wochen und drei tage.8.b Wil ime kleger solche bekentliche schult diese sechs wochen langkh und drei tage gutwilligkh vertrauen und harren, ader aber bei seiner anglobunge dem her Foyte bei der Pusse und verschreibunge bleiben lossen, das stehet bei ime. Who ober nicht8.1, so mus es ime der beclagte genugksam verburgen. Hot ehr der burgen nicht beihendigkh, und der kleger ime dornoch zugehen nicht vertrauen wil, so gibt ehr dem fronebothen seine gerechtigkheit, als nemblich einen halben groschen; der behafftet inen mit der zucht, bis solange ehr burgen zu wege brengt.

3. Beklagter bekennet sich zur Schult, hot bar gelt und wil nicht betzalen.

Bekennet sich beklagter zur schult und saget, ich habe es ime jezund wol zubetzalen mit parem gelde, dieweil ehr mich aber gerichtlich beklagt, so wil ich ime auch jezund nicht betzalen, sonder begere die Stadtrecht, das sein VI wochen und III tage. Dieser kan also in diesem vhal die Stadtrecht nicht bekommen, dan die Frist der Stadtrecht sein deme zu gutte eingefurt, der zur zeit der beklagunge balde zu betzalen nicht hot, domitte ehr sich in dieser zeit bewerben und umbthuen magkh, das ehr seinen gläubiger zu ruhe stelle und betzale; den der gelt hot und nicht zalen wil, das ist ein betrugk, und kan dorumb die Stadtrecht nicht bekommen.8.2

4. Beclagter sagt, ehr habe bezalt, welchs part beweisen sal.

[Fol. 7 a.] Wo aber der beklagte in seiner andtwort sich zu der klage bekennet und gestendigkh ist, das ehr dem kleger schuldigkh gewest, oder [Seite: 9] das das gut oder die wahre sein gewest sei, und sagt, ehr habe ime betzalunge gethan und vergnuegt, oder ehr habe das gut über verwerte Zeit besessen und inne gehabt etc., dorauff kan alsdan der her Foyt nicht balde urteilen, sondern es wirt dem beklagten bekweme Zeit und Frist gegeben, diese seine schutzwehre und Exception der betzalunge oder die verjharunge und prescription zu beweisen.

Dan ein jeder andtworther, der in seiner andtwort oder Schutzwehre etwas setzet9.a, und der kleger es ime nicht gestehet, ist dasselbe auff nichtgestehen des klegers zu beweisen schuldigkh.

5. Beklagter sagt, die Zeit zur betzalung sei noch nicht kommen, wer in diesem vhal beweisen sal.

Wo der beklagte andtwort und sagt, ehr gestehe der klage, dass ehr schuldigkh sei, oder das ehr das gut inne habe, alleine die Zeit der betzalunge oder uberandtwortunge des guttes sei noch nicht kommen9.b, und who ehr des also beweiset, so kan inen der her Foyt zur betzalunge oder uberreichunge des guttes vor der Zeit nicht verteilen.

6. Wen der beklagte zur Clage gladt nein sagt.

[Fol. 7 b.] Hierauf ist aigentlich zu merken: Wen der beklagte zur klage nain sagt, was sich denne bei gerichte zu thuen gebuert, nemblich who der kleger dem beklagten in die gewissen (das ist auf seinen eidt) nicht stellet und der beklagte der klagen durchaus oder zum teile nicht gestendigkh, in diesem vhalle ist der kleger schuldigkh, seine angestalte klage, wie zu rechte genugksam9.c zu beweisen, und das heist bei Rechte leipliche beweisunge.

7. Claeger hat keinen beweis.

Who denn klager das nicht tut, oder gar keine beweisunge hot, so wirt der beklagte durch den her Foyt von solcher angestalten klagen absolvirt, kwit, loes und ledigk getailt.9.d [Seite: 10]

8. Claeger stellet beweis fur.

Stellet aber klaeger Zeugen fur oder sonste schrifftliche beweisunge, und bleiben also beide part bei des herFoyten erkendtnis, aus solcher furgestelleten Zeugen aussage oder sonste schriftlichen beweis hot der her Foyt seinem gethanen eihde noch rechtlichen zuerkennen und die parthen zubescheiden [Fol. 8a] in der sachen, was recht ist. Die Zeugen aber sollen vor irer aussage einen aidt thuen und schweren, das sie die lauther warheit, was inen von der sachen wissende ist, aussagen wellen.10.a

9. Was dem Hern Foyte zu schwer ist.

Ist auch dem her Foyte was zu schwer in sachen, dorumb hat ehr den her Burgermeister und einen gantzen sitzenden Roth sich mit ihnen aus der sachen umb eine underweisunge zuberodtschlagen, und magkh die parten auff einen andern gelegenen tagkh und stunde noch gelegenheit der Zeit, vor ime widerumb zuerscheinen, bescheiden.

10. Clage auf die gewissen. — Relatio juramenti.

Who auch Claeger kaine Zeugknis hot, und den beklagten bei seinem schlechten nein nicht bleiben lossen will10.b, sonder begert, das ehr sein nein verfueren und thun sol, wie recht, so lest es der her Foyt auch dorbei bleiben10.c, [Fol.8b] alleine das beide parthen zum Rechten verburgen muessen. Dan solcher koerperlicher aid kan vor gerichte aus alt herkomner gewonheit nicht geleistet noch gethan werden, sonder vor gehegter banck.10.1 Und doher kombt das Sprichwort, das nain und jha zum Rechten gehoert.10.d Und doselbst vor gehegter banckh sein als denne die parthen schuldigkh, noch altem brauch ire klage und andtwort und ferner einbrengen durch sich selbst oder ire Procuratores in die Feder zu reden, domitte ferner in der sachen gescheen magkh, was billich und recht ist. Wie aber die burgschafft zum Rechten gescheen sol, dorfon suche hernoch in dem Artickel der burgschafft zum Rechten.10.3 [Seite: 11]

11. Die sachen auff gutte leuthe zu geben.

Es ist sehre gutt und ein loeblich dingkh, das der herr Foyt die sachen zuweilen auf gutte leuthe gibt; dan domitte werden viele sachen durch gutte leuthe in der suehne vertragen, die sonste zum Rechten gediegen, in viele und grosse unkost und schaden kwehmen. Wiewol der her Foyt noch kain Richter kain part von irem Rechten zu nehmen und zu sunlichen vertregen ader hendeln zu zwingen haben, so sagen doch [Fol. 9 a] die Recht, das der Foyt oder Richter, welcher die part im anfangkh durch sunliche hendel und vertrege wol verainigen und vertragen koende und tut das nicht, das ehr doran toedtliehen sundige. Und dis ist aigentlichen zu merken, das solches gescheen sol, ehedanne die part ire gezeugknis verfuehren, furstellen und verhoeren lossen. Den wen das Getzeugknisse verhort ist, so kan der her Foyt oder Richter balde verstehen und merken, welchs part recht oder unrecht ist. Und wen also der her Foyt noch verhortem gezeugknis den parten zum sunlichen handel verner redt oder zum vertrage gibt, so sundigt ehr auch widerumb toedtlichen doran, dieweile ehr waiß, welches part recht ist, und derselbe gerechte nochmoles aus des her Foyten bevehl sich mit seinem schaden kegen seinem widerpart suhnlichen durch gutte leuthe vertregt; es wehre den dasselbe gezeugknis in ime selbst so tunkel und unlauther, das der her Foyt nichts gewisses doraus schlissen noch richten koende, als denne truege es ime auch keinen mangel.

Auch who eine hessige, peinliche sache oder bekendtliche ubeltadt furkweme, sal auch zu keinem vertrage noch sunlichen Handel gelossen werden. Dan offenbare laster und ubel sal man ungestrafft nicht hingehen lossen, sonste sal allewege friede gesucht und auffgerichtet werden. Wo [Fol. 9b] aber Iniurien sachen furkwemen und zuvorab, wenn die sache an ihr selbst hessig wehre und dem parthe auf sein treuhe, ehre und gut gelimpffe gehen wolte11.a, oder so dorinne ein solcher zweiffel gefunden, der nicht leichtlich zu entscheiden sein wuerde, so sol alsdanne der her Foyt allen mueglichen vleiß thuen, die part miteinander in der guette durch gutte leuthe sunlichen zu vertragen, zu verhuettunge weithers unradts, so doraus endtstehen moechte.

Cautela Judicis.

Preclarissimus iureconsultus, famatissimusque practicus et utriusque Juris Doct. D. Henningius Goden Havelspergensis etc. in suo iudiciario processu Rub. 2 Num. 16 inquit, quod hii Judices optime faciunt, qui partibus concordiam et amicabilem composicionem persuadent et quod Judices tenentur hoc facere, licet eas non possint cogere ad concordiam acceptandam, ut probatur in cap. ut litigantes, de offi. ordi. in VI., c. si primates, V. q. II., ubi glos. l. et Abbas et Felin. de treu, et pa. super rub. et hoc [Seite: 12] tunc verum, quia Judex, qui potest in principio partes concordare et non facit, peccat mortaliter, sed in fine litis non. Nam postquam ex actis intellexit, que pars sit iusta et que iniusta, iterum peccat persuadendo iuste parti ad concordiam, ut cum damno suo concordat, ut probatur Antho. de But. in cap. 1 in glos. fin. [Fußnote 12.1: Extra] de mut. peti. De quo eciam per Speculatorem et Joan. Andre., in add. de prepara. iudi. versic. ceterum. [Fol. 10 a]

12. Der Zeugen aussage bei Gerichte gibt man dem widerpart keinen auszugkh. — consuetudo. [Fußnote 12.2: S. Art. XXVI. 27. Nach dem tschech. Proc. werden beiden Teilen Abschriften freigestellt.]

Aller Zeugen aussage, so bei gerichte verfurt ader sonste eingelegt werden, gibt man dem widerpart keinen auszugkh, sonder wo die sache in ihr selbst wichtigkh und der part das begert, so verliest man sie ime, so offte es vonnoethen ist.

13. Beklagter bekennet sich zur schuld und will pfandt legen. — consuetudo.

Wer bei Gerichte beklagt wirt und bekennet sich zur schuld, hot kein par gelt, sondern erbeutt sich pfandt zu legen vor die schult noch Stadtrechten, dorauf ist zu merken: Wils der glaubiger annehmen, so lest es der her Foyt auch gescheen; wo es aber der glaubiger nicht balde annehmen noch gescheen lossen wil, so mus der beklagte in die Zucht12.3, und dornoch aus der Zucht magk er sich widerumb loehsen und ledigen mit genugksamen pfande, die er vermagkh, und darff in solchem valle vom kleger weither mit gefengknis nicht gepeinigt werden, es wehre den sache, das ehr sich vormoles bei gerichte oder andern krefftigen stellen12.4 seiner rechtlichen freiheit vertziegen hette, und hette sich zuvor verschrieben zubetzalen mit parem gelde ane alle weiter recht und pfandt, so moechte er sich auch mit pfande nicht ledigen, wie den hernoch im XI. Artikl Num. 2 fol. 28 zu befinden.12.5

Art. IV. Wie man die Radtspersohnen zu Gerichte beschicken und verhoeren sal.

[Fol. 12 a.] Underweisunge von einem erbaren Rathe. — singulare beneficium senatus.

Noch deme vormoles alhie verhalten worden und in brauch12.a gewesen, who indert persohnen aus den Raethen, die jemandt was verpflicht und [Seite: 13] schuldigk gewesen, von weme haben furgenommen und beschuldigt wellen werden, das solche rathspersohnen bei einem burgermeister ader vor einem sitzenden Rathe beclagt sein worden, dieweil aber durch solchs einem Burgermeister und rath auch bis weilen den alten Herrn viele muehe und verunmuessigunge der Zeit und verhinderunge in anderen genoetigen Radtschlegen endtstanden und gescheen, des gleichen auch unordentlich gewehsen, haben sich die herrn alle drei Raethe heute miteinander vereinet, vergleicht und dorauff gesetzt, das hinfur ein jetzliche rathspersohne, die von jemandt umb schult und dergleichen hinfür beschuldigt wirt werden, bei Gerichte sol furgenommen und beklagt werden, und nicht vor dem her Burgermeister und einem sitzenden Rathe.13.a Jedoch dergestalt und mossen, das der her Foyt allewege solche rathsperson, die von ime umb schuld ader dergleichen gefordert wirt, nicht mit dem Fronebothen [Fol. 12 b] ader Gerichtsdiener, wie einen gemeinen man, sonder durch einen knaben beschicken sal und dieselbige rathspersohne mit dem kleger alleine, in abwesen aller leuthe aus der gemeine, verhoren, und who her Foyt beide tail glimpflich koende von einander brengen und endtschaiden, das sol ehr thun; wuerde aber her Foyt indert ein beschwehre dorinne haben oder merken, so sal ehr beide tail vor einen sitzenden Rath verschieben, welcher Rath alsdenne ein vleisigs und treulichs einsehen haben und vor die beschuldigte rathsperson im besten gedencken auch sie noch hoechster muegligkheit (jedoch neben der billigkheit und gerechtigkheit) handthaben sall, domit derselben rathspersohn von dem kleger kein spott noch beschwerunge widerfahr, noch gaehlingkh von ime uberfallen und von seiner heusslichen wohnunge und nahrunge gedrungen werde.

Dieses haben die herrn alle drei Raehte zu gedechtniß hierein zu schreiben verschafft und bevohlen.

Actum feria secunda ante Scolastice festum Anno 1547, tempore domini Iheronimi Krtz, Magistri Civium.13.2 [Seite: 14]

Art. V.

1. Von dem Ungehorsam des klegers.

[Fol. 14a.] Wen der kleger zu dem selben tage und gelegter stunden, wie er dem beklagten durch den gerichtsdiehner hot verkundigen und ansetzen lossen, selbst nicht erscheint, weder durch sich selbst noch seinen anwalt, sonder ungehorsam außenebleibt und beklagter erscheinet, so sal ehr die gelegte stunde gehorsamlich auswarthen und dornoch den her Foyt bitten, die weile der kleger nicht kombt, sich von dem gerichtsstande und also ab observatione et instancia iudicii zu entbinden und loes zu teilen14.a, welchs alsden der her Foyt ungewegert thuen sal. Dan der ungehorsam des klegers ist bei gerichte und Rechte groesser zu bewegen den des beklagten.

2. Claeger mus den beklagten von neues beschicken.

Wil aber klager noch moles den beklagten was nicht erlossen, so mus er den beklagten mit gunst des her Foyten von neues citiren und beschicken, und seines Rechten zu rechter Zeit und weile mit vleiß auswarten.

Art. VI.

1. Von dem ungehorsam des beclagten.

[Fol. 15a.] Der wirt fur ungehorsam geachtet, der zu Gerichte durch den gerichts diehner oder sonste bekweme persone citirt und beschickt wirt und aigenwilligkh aussene bleibt, nicht gestehet, noch furkommen wil.14.b Auf solche ungehorsame leuthe haben meine hern, ein ersamer Radt, eine underweisunge zu gerichte gegeben, wie hernoch folget.

2. Undterweisunge meiner hern, eines erbaren Radts auff die ungehorsamen.14.1

Anno domini MDXLVII feria VI. ante festum sanct. Trinitatis haben sich die Hern, ein ersamer sitzender Rath, mit einander vereinet und beschlossen von wegen der ungehorsamen eigenwilligen leuthe, die sich zu gerichte, wen sie beschickt werden, nicht finden noch gestehen wollen, nemblichen also: Wen der her Foyt hinfuer, es sei der itzige, oder die kunfftigen Foyten, jemandt vor Gerichte beschicken ader fordern lassen [Seite: 15] werde, und solchs dem selbigen, der also beschickt, selbst angetzeigt und ime stunde, vor gerichte zu gestehen, ernennet wurde, und ehr zu Gerichte nicht kwehme, sonder also aussene bliebe, solchen jeden sol der her Foyt erstlich mit der Zucht und umb die gewonlich pusse namblich umb 4 gros.15.1 [Fol.15b] sollichs seines ungehorsams halben straffen. Begebe sichs aber, das der selbige, der zu gerichte gefordert wuerde, nicht dohaime und doch einhaimisch wehre und solchs seiner hausfrauen oder seinem gesinde angesagt wuerde, ein mohl, zwür und bis zum dritten, und sich der selbige, der also drei mohl mit Gerichte beschickt wehre worden, nicht gestellet und zu Gerichte nicht erschiene, dem selbigen sal der her Foyt sein vorhaus oder wohnunge15.2 sperren und mit dem Gerichts-Sigille versiegeln lossen,15.a wie es dan alles zuvor von alters her also verhalten ist worden.

Actum tempore domini Iheronimi Krtz, Magistri Civium. Anno et die ut supra.

Art. VII. Von Siegelung und Sperrung. [Fol. 17 a.]

1. Worumb geschicht solche Siegelung und Sperrungkh.

Solch versiegelungkh und Sperrunge geschieht dorumb, das man den selben ungehorsamen dormitte zu gerichte brengt und zwinget.15.b

2. Was gibt der dem Gerichte, der do sperren oder versiegeln lest.

Der kleger, der dem ungehorsamen versiegeln oder sperren lossen wil, der gibt dem gerichte (so der ungehorsame in der Stadt wohnet) 5 ½ gr., wohnet ehr aber ausserhalbe der Stadt vor einem thore, so gibt er 6 gr., ist ehr vorm andern thore15.4 6 ½ gr. Dofon gebuert dem her Foyte 4 gr., dem schreiber 1 gr. und dem Geriehtsdiehner das ubrige. [Seite: 16]

3. Kompt dan der ungehorsame noch der sperrunge zu Gerichte.

Kompt dan der ungehorsame noch der sperrunge zu Gerichte, und wendet glaubwirdige ehehaffte nodt fur, die inen zu gerichte zu erscheinen verhindert haben16.a, so wirt ehr domitte gehort; alleine ehr mus dem kleger seine unkosten, die ehr aufs sperren gewandt, wie obene gehort, erlegen. So sperret man ime widerumb auff, domitte kombt ehr wider zu seinen Rechten und zu seiner andtwort.

Hette aber beklagter keine genugksame ehaffte nodt furzuwenden und die beschickunge wehre ime selbst personlich under augen durch den gerichts diehner angetzeigt, zu deme verhelt mau sich noch obbeschriebener undterweisunge meiner hern16.b, und mus nichts desto weniger dem kleger seine unkosten der sperrunge erlegen, wil ehr ime anders auffgesperret haben und zu seinen Rechten und andtwort kommen.

4. Bleibt aber der ungehorsame noch der Sperrunge aussene und kombt zu gerichte nicht.

[Fol. 18 a.] Who der ungehorsame noch der Sperrung aussene bleibt und kombt zu Gerichte nicht, oder aber von dannen gar endtweicht, so stehet die sperrunge drei viertzehen tage und III tage, das sein VI wochen und III tage.

5. Klager kombt widerumb zu gerichte noch verlauffenen VI wochen [Fußnote 16.2: In L. M. folgt noch: und dreien Tagen.].

Noch verlauffenen VI wochen und dreien tagen magkh der kleger widerumb zu gerichte kommen und aldo begeren, den ungehorsamen beklagten zu beschicken und das dorumb, wen ehr kweme, inen zu befrogen (who es umb schuld zu thuen wehre), ob ehr ime sein geld geben und sein gut also vertrehten und widerumb zu sich loesen wolde, who ers aber zu loesen nicht vermoechte, das ehr mit dem selben versperreten gutte weither handlen welde noch ordenunge der recht.

6. Ist auch beclagter endtwichen.

Ist den der beklagte endtwichen und sich under einen andern hern oder gerichte nidergelossen, so schreibt man von Gerichte auf des klegers unkosten eine Insinuacion an den selbigen Richter oder Foyt, under welchs gerichts zwangk sich beklagter nidergelossen, mit ansetzunge dem beklagten dorinne einen vertragkh und termin, ob ehr kommen welde und sein gut vertrehten etc., wie sich danne eine solche Insinuacion zu schreiben gebuert, mit beschliehslicher bit an den selbigen Foyt oder Richter dem beklagten [Seite: 17] solche Insinuacion und gelegten tagkh gerichtlichen an zu kundigen, und sol kleger dem frohneboten seine gerechtigkheit dorin verschließen mit begerunge einer andtwort, ob dem beklagten solchs verkuendigt worden ist, und welchen tagkh.

Art. VIII.

1. Von Inuentirung und Schatczung.

[Fol. 20 a.] Kombt denn beklagter noch solcher beschickunge ader Insinuation nicht vor gerichte, so magk kleger begeren auffzusperren und die sache zu Inventiren und zu schatzen, welchs der her Foyt dem rechten noch gescheen sal lossen, und so die sache so gros und viele, sal ehr zwehn hern Scheppen und den gerichtsschreiber zur Inventirunge und Schatzunge nemen und die sache also von stucke zu stucke ordenlich auffschreiben lossen.17.a Die Schatzunge mus auch durch geschworne aus den czechen noch jeder wahre gelegenheit gescheen.

2. Noch der Inventirung und Schatzunge.

Noch solcher Inventirunge und Schatzunge mus der kleger umb eine getreuhe tandlerin aussen sein, derselben solche habe und guetter uberandtworthen und drei viertzehentage und drei tage auf dem tendelmarkte [Fol. 20 b.] feilhaben lossen. Und welcher kauffman in den dreihen viertzehen tagen17.1 am meisten dorumb gibt, dem selben lest man noch außgange der dreier 14 tage17.2 solch habe und gutt folgen.17.b

3. Nota: merke.

Dis woertlein (wer am meisten dorumb gibt) verstehe also: So kauffleuthe kwemen, die mehr dorumb geben wolden, dan es geschatzt wehre, so liesse man es deme, der am meisten dorumb gebe.

4. Who kein kauffman kwehme.

Item wo kain kaufman kwehme, der so viele dorumb geben wolde, wie es geschatzt wehre, oder aber gar keiner kwehme, so mus alsdanne noch außgange der dreiher viertzehentage17.3 der klaeger oder glaubiger [Seite: 18] die ware annehmen, wie sie geschatzt worden ist18.a, und who sichs hoeher erstreckt, dan seine schult ist, dem beklagten das ubrige folgen lossen; who es aber vor seine schult nicht18.1 wehre, so magkh ehr sich des am beklagten ferner mit rechte erholen.

5. Undterweisunge der alten zwaiher Raehte von wegen der geschatzten fahrenden habe.
Feria III ante Martini 1547.

[Fol. 21 a.] Item der geschatzten farenden habe halben. Die weile solche farende habe von den leuten bei iren eiden geschatzt werden aufs treulichste, so sollen auch die glaubiger dieselben geschatzten farenden haben, wie sie geschatzt werden, annemen, und die schuldiger sal man hoeher nicht dringen lossen, domitte den schatzleuten solchs ihre treulichs schatzen zu keinem nochtail geraiche, sonder bei der schatzunge bleibe, und der her Foyt sal allwege den schatzleuten solchs einbilden, domitte sie die farende habe neben iren eiden aufs treulichste schatzen, kain part angesehen, so ferre den schatzleuten wissende wuerde sein, wene es anging, so sal inen der her Foigt auch kein antzeig noch meldunge thuen dorfen, sonder sie gedochte fahrende habe (wie obengemelt) aufs treulichste schatzen lossen, mit welcher schatzunge die glaubiger gantzlichen sollen begnuegt sein und weither nicht greiffen, noch eine Obrigkheit dorinne bekommern.18.b
Actum tempore domini Sebastiani Haendel, Magistri Civium, Anno et die, ut supra.

Art. IX.

1. Clage umb erbgelt.

[Fol. 23 a.] Klagt einer zum andern umb vertaget erbgelt, es sei viele ader wenigk, und der beklagte bekennet sich dortzu, das es vertaget sei, und begert die rechtliche frist, die bekombt ehr, das sein III tage noch erbgeldes recht und nicht mehr.

2. Clage umb liedlon.

Klagt einer umb seinen liedlohn, es sei viele ader wenigkh, und der beklagte bekennet sich dorzu. ehr mus es zahlen bei sonnen schein, es were den, das si mit einander umb ein lengere frist bereden und vergleichen koenden, so lest es der her Foyt auch dorbei bleiben. [Seite: 19]

Art. X.

1. Von Spaenunge der heuser und anderer gruende. [Fußnote 19.1: Im tschech. proc. jur. (in der neuen Rechtschreibung): špaenungovani oder tříštění.]

[Fol. 24 a.] Erlegt der beklagte in den dreihen tagen die erbguelde nicht, und klager kombt noch verscheinunge der dreiher tage widerumb zu gerichte, so erlegt ehr dem gerichte die gerechtigkeit, wie obene im Artikl (7) vom Siegeln und Sperren gehort, und lest den nochrichter den selben grundt spaehnen, das ist: ehr schneidet einen Spahn aus der tueren oder tuergericht und gibt in dem klaeger. Solche Spaenunge sal der gerichtsschreiber ins gerichtsbuch vertzaichnen zu ewiger gedaechtmis; dorumb nimbt ehr 1 gr. von dem Spaengelt.

2. Von ausruffunge der heußer ader gruende.

Noch solchem Spaehnen lest der klaeger das selbe haus oder grundt am nechsten wochen markt tage dornoch offentlichen auf freihem ringe und markte durch den gerichtsdiehner zum ersten mohle ausruffen und dornoch uber 14 tage aber ein mohl, und also zu dreihen mohlen mus ers ausruffen lossen. allewege uber 14 tage. Und von solchem ausruffen gibt kleger dem gerichts diehner von jedem mohle 1 gr., das sein III gr. uberalle.

3. Beklagter gibt in VI wochen die erbguelde nicht, wie denne zu thuen.

[Fol. 24 b.] Wo beklagter in solchen VI wochen und III tagen der außruffunge die erbguelde nicht erlegt, so magk dornoch klaeger zu gerichte widerumb kommen und den hern Foyt mit erbarlicher bescheidenheit frogen, wie ehr sich verner seinem rechten noch verhalten sal. So bescheidet inen der her Foyt, das ehr den beklagten zu gerichte beschicken sal, und das mus der klager thuen, und gehet alle diese unkost dem beklagten zu schaden, gleich wie obene die Spaehnunge und ausruffunge. Und diese Citation ader beschickunge geschicht dorumb, ab sich der beklagte in dieser Zeit mit gelde versehen hette und wolde dem kleger die erbguelde erlegen mit sambt den unkosten der Spaenunge, ausruffunge und letzter beschickunge, so verbliebe ehr bei seinem haus und grunde. Hot aber beklogter des geldes nicht, und der kleger seinen rechten nochfolgen wil, so gebeut der her Foyt dem beklagten, das ehr aus dem hause oder grunde sich ziehen mus und es dem klaeger einreumen.19.a Solch einräumen sal ime kleger ins gerichtsbuch vertzeichnen lossen zu ewiger gedechtnis. Hierauff ist zu merken: Ap nu wol beklagter selbst personlich bei gerichte erscheinet, die weile ehr aber die erbguelde, die ehr von rechtes wegen zu erlegen schuldigh ist, nicht erlegt, so wirt [Seite: 20] ehr bei Gerichte und rechte vor einen ungehorsamen geachtet und gehalten. Dan ein jeder, der zu Rechte etwas schuldigkh und pflichtigk zu thuen ist, oder ime von Rechtswegen aufferlegt wirt und kombt demselben nicht noch zu bekwemer, gelegener oder ausgemessener Zeit, der wirt dordurch Contumax und velt in die straffe der Recht noch der sachen gelegenheit.

Der Klaeger aber magkh solch haus zu seinem nutze wohl geniessen ader auch einem andern umb einen Zins hinlossen und vermietten, doch in dieser gestalt, bis solange ime beklagter die versessenen erbguelde erlegt, so mus ehrs ime von Stunden oder aufs lengste in dreihen Tagen ane verzugk widerumb einreumen. Es mus auch kleger in dieser Zeit, die weile ehr solch haus oder grundt ex primo decreto innehelt20.a, denselben grundt nicht schwechen, nichts dorinne abbrechen noch aushauen oder ausroden, das allerwenigste nicht, noch niemandes von seinent wegen gestatten. Und who es auch umb die Zeit wehre, das beklagter etwas zu seinem nutz und frommen auf denselben grundt gesehet oder gepflantzet hette, ader aber fruchtbare baume dorinne wehren, es sei mit zeittigen oder unzeittigen obs, das selbe obs und fruechte gehoeren von Rechtswegen dem beklagten zu und nicht dem kleger, dan der klaeger in diesem valle und zu dieser zeit nicht anders geachtet wirt dan nur vor einen huetter des grundes.20.b Who ehr aber solchs tehte und den grundt schwechete, so ist kleger solchen schaden, wen der beklagte ime die erbguelden erlegt, dem selben beklagten zu ergetzen und erstatten schuldigkh von Rechts wegen.

4. Beklagter kompt in Jares frist und legt dem kleger zwu erbguelde. [Fußnote 20.1: In M. wird statt Erbguelde "Erbjahrgülten" angewendet.]

Kombt beklagter in Jhare und tage und gibt dem kleger zwu erbguelde mit einander mit sambt der Gerichtskost, wie oben gehort, so mus ime kleger auch von Stunden ader aufs lengste in dreihen tagen solch haus oder grundt widerumb abtrehten und einreumen. [Seite: 21]

5. Beklagter lest dem klaeger das haus oder grundt widerumb haime gehen.

Kombt beklagter noch ausgange jhar und tagk zu gerichte ader wirt vom kleger dortzu gefordert und hot die zwu erbguelde miteinander nicht zu erlegen, und so als danne klaeger dem Rechten nochfolgen wil, so [Fol. 26 a.] mus ehr den her Foyt bitten, in der sachen zu sprechen, was Recht ist. Dorauff so spricht der her Foyt, das ime dem klaeger solch haus oder grundt widerumb ledigklich haime gehet, das ehr domitte widerumb thuen und lossen magkh, als mit seinem erbaignen proppern gutte wie zuvor, und alles was der beklagte doran gegeben und betzalet hot, es sei viele oder wenigkh, das mus ehr doran gar verlieren, und ist ime klaeger das wenigste nicht schuldigkh her ausser zu geben von rechts wegen. Und solchen Spruch sal ime klaeger ins Gerichtsbuch vertzaichnen lossen von wegen besser sicherhait und ewiger gedechtnis21.a.

Art. XI. Von Arrestiren und Aufhalten.

[Fol. 28 a.] Es ist am ersten zu wissen, das die Aufhaltungen21.1 zwaiherlei sein, als nemblich aufhaltunge eines selbschulds und aufhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein, und dorumb so mus man sie wissen zu underschaiden. Erstlich wolle wir sagen von aufhaltunge eines selbschulds bis auf den funften vhal ader underscheidt. Und dornoch im funfften unterscheidt wolle wir sagen von auffhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein.

1. Arrestiren eines selbschulds umb geldschuld.

Ein Jeder glaubiger magk seinen selbschuld (who es umb vertagte geldschuld zu thuen ist) vor gerichte wol furfordern und furbrengen, who ehr inen am ersten uberthrethen und uberkommen kan21.b. Und das ist also zu verstehen, so sich ein schuldner verpflicht hette, seinem glaubiger an einem bestimbten ort betzalunge zu thuen, und derselben verpflichtunge nicht nachkommen wehre, so magk der glaubiger denselben seinen Schuldner nochmoles, an welchem ort oder ende er inen betrit, wol beklagen.21.2 [Seite: 22]

2. Vertzeihunge der Freiheit.

Item so sich der Schuldner der freiheit seines ordenlichen Gerichts vertziegen hette, magkh ehr auff begeren des glaubigers an den orthen im Contract bestimbt beklagt werden22.a. Wie den solchs offte und vielemahles bei Gerichte furkombt und furfelt, das sich manicher verschreibt oder verschrieben hot, who er die betzalunge auff die bestimbte zeit dem vertrage noch nicht tehte, daß inen der glaubiger oder sein anwalt macht zu beklagen22.1 habe, under wes gerichten ehr inen ubertrehten kan. wie den dieselbe Clausula in solchen verschreibungen in sich vermagk, als nemblich:

Clausula:

Dorfur mich nicht schuetzen noch helffen sall keinerlei Recht ader privilegium, Stattut und gewonheit, es sei gaistlich ader weltlich, gemainlich ader sonderlich etc.22.b

Als wen sich einer einschuldete, dieweil er ein burgersman wehre, und verschriebe sich also kegen seinem glaubiger, wie obgemelt, und wuerde dornoch ein edelman, so kan inen sein adel und privilegium22.c in seinem gehaltenen Contract nicht beschuetzen noch helfen.

Clausula.

Item wehr sich guttwilligkh bei gerichte verschreibet, betzalunge zu thuen auff eine bestimbte zeit ane weither recht und pfandt22.d, dieser verzeihet sich jha seiner freiheit, who er die Zeit nicht helt, das ehr sich mit seinem pfande nicht loesen kan, sonder ehr mus dasselbe einem andern versetzen, verkauffen oder verpfenden und den glaubiger mit parem gelde zalen, welchs ehr im andern vhall nicht thuen doerffte, who er sich seiner freiheit, die ime von Rechte zugelassen wirt, nicht vertzeihet. Dan ein jeder schuldiger loeset sich mit seinem pfande aus dem thurme und gefengknis, es wehre den sache, das ehr sichs vertziehen hette, ut supra.

3. Arrestiren umb ungerichte, boese tahten, als todtschlagkh, wunden, lehmnis, Iniurien etc.

[Fol. 29 a.] Von wegen ungerichte als todtschlagkh. wunden, lembnis, schlehen und Iniurien etc. sollen die tehter an dem ort und stellen, [Seite: 23] doran die thadt bescheen23.a, oder do die rechtfertigunge angefangen, oder an dem orthe, wo der tehter heußlichen besessen und seine wohnunge hot, mit Rechte beklagt und furgenommen werden. Es wehre den sache, das die obrigkheit an demselben ort dem kleger die goetliche gerechtigkheit, wie sichs gebueret, nicht verhelffen wolten. Ader aber wen der tehter ein freilediger umblauffender und ungesessener fluechtiger mensch wehre, als denne so volget die auffhaltunge in mossen, wie im funfften underscheidt hernoch geschrieben stehet.

4. Who sich beklagter taehter nicht betrehten noch finden lossen wolte und wehre doch ainhaimisch.

Item who der beklagte tehter ainhaimisch und rechtlichen zu dreihen mohlen citirt worden were und sich nich betrehten oder finden lossen wolte und also ungehorßamlich zu gerichte nicht erschiene, demselben magkh sich der [Fol. 29 b.] her foyt verhalten mit Sperrunge und Siegelunge seines Hauses, habe und guetteren, wie obene im Artickell von dem ungehorßamen beklagten genugksam gesatzt ist.

Ita est textus in leg. I. ff. de requirendis reis et Autentica quia in provincia quis deliq. C. ubi de criminibus agi oporteat. Sortitur enim quis forum ratione delicti, ut est textus apertus in leg. III. ff. de officiis presidis, ubi dicitur, quod preses provincie in sue provincie homines tantum imperium habeat et interdum adversus extraneos homines, si quid malum commiserint. Nam et in mandatis principum est, ut curet is, qui provincie preest, malis hominibus provinciam purgare; nec distinguitur, unde sint. Hec sunt verba dict. leg. III.

5. Von auffhaltunge anderer leuthe, die nicht selbschuld sein.

Dis ist alhie zu Olomuntz dieser Zeit gar ein gemeiner vhall, das von fremden und ainhaimischen leuthen die auffhaltuugen sehre begert werden. Deme aber vorzukommen, domitte viele ubrige sorge, muhe und beschwerunge eines erbaren Rathes dem Gerichte und gemeiner Stadt, des gleichen den parten viele unkosten verhutt und vermieden bliebe, sal sich der her foyt wol fursehen und so eilendigkh gar keine auffhaltunge gestatten, sonder sal zum ersten dem hern, des underthanen man auffzuhaltten begert, freuntlicher und nockbarlicher mainunge auff des klaegers unkosten schreiben, dorinne aufs kuertziste und gruendtlichste meldunge thuen, wehr die auffhaltunge begert. auch uber welchs aigen und aus was urßachen, alles noch dem kuertzisten und gruendtlichsten; auch beineben begeren, who ehr solche sache in ander wege glimpfflicher weiße undernemen muege, oder who es umb bekandtliche schulden zu thuen wehre, das ehr zu betzalen verschaffen wolde, domitte solche [Seite: 24] auffhaltungen und hinderunge der leuthe underwegen blieben und im beschlus bitten umb richtige andttwort, dornoch ehr sich zu richten hette. Alhie ist zu merken, who mehr schreiben von noethen tehten, dan eins, sol alles zuvor gescheen, ehe danne man zur auffhaltunge greifft.

6. Auffhaltungen sollen nicht gescheen hinder vorwissen des her Burgermeisters ader eines Erbaren sitzenden Rathes.

[Fol. 30 b.] Wen nun die Sache nicht anders stehet, den das die auffhaltunge folgen soll, so sal der her foyt dieselbe nicht gestatten hinder forwissen des her Burgermeisters ader eines erbaren Rates, sonder inen die sache und gelegenheit derselben allenthalben klare berichtunge thuen und, who sie dornoch dortzu verwilligen, so magkh ers auch gestatten uud eher nicht.

7. Wer aufhalten wil, sal genucksam verbuergen.

Und ap schone nun die aufhaltunge von dem her Burgermeister ader einem erbaren Rothe zugelossen wirt, so sal doch der her foyt das gerichte, so ime bevohlen, und beineben gemaine Stadt also bewaren, das sie beides ane nochtail und schaden bleiben: Nemblichen, who der anmutter und begerer der auffhaltungen in diesen gerichten genugksam mit heußlicher wohnunge und nahrunge nicht besessen wehre, so mus ehr genugksam verburgen mit gesessenen leuthen undter einem pfande24.a noch bedenken und ermessunge des her foyten und gelegenheit der sache, das ehr die gerichte und gemaine Stadt der aufhaltung halben ane allen schaden halten woelle; sonste ane das wirt ime die aufhaltunge auch nicht gestattet.

Fußnoten
1.
Man unterschied bekanntlich den notarius civitatis, den Stadtschreiber, und den notarius actorum oder Gerichtsschreiber.
↑ (Zurück)
2.a.
Speculator in Tittulo de instrumentorum edicione §. Restat. versic. sed numquid tabellio, ubi dicitur: Sed numquid tabellio debet scire jura, videtur, quod sic, ne illicitos contractus celebrans puniatur etc. et refert Zasius consilio 21. in fin. in 1. volum.
↑ (Zurück)
2.b.
Testatur hoc auditor Jasonis, Jo. Nevizanus in silva nuptiali, libro 5. ante medium.
↑ (Zurück)
2.1.
Hier folgt im Kodex das Register. Es wird aber aus technischen Gründen erst am Schlusse abgedruckt. [Diese Umstellung Fischels ist hier wieder rückgängig gemacht worden. H.S.]
↑ (Zurück)
3.1.
Diese Aufschrift nach Art XXVIII, 7.
↑ (Zurück)
3.a.
Unde Guil. in Specu. in parte secun. rubric prima in prin, ubi dicitur: Nemini expedit, ut nimis facilis sit et promptus ad litigandum; propter periculum anime. Et in Evangelio Matei, ubi dicitur: Si quis voluerit tunicam tuam tollere et tecum in judicio contendere etc.
↑ (Zurück)
4.1.
Eine Umschreibung des im Decr. Grat. enthaltenen Textes.
↑ (Zurück)
4.2.
Wörtlich im ordinis judiciarii (des Henning Göde) I.Theil, 2. Rubr. Num. 1.
↑ (Zurück)
4.a. ↑ (Zurück)
4.b.
Ut Landt. lib. I. art. 6 et lib. II. art. 22 et lib. III. art. in glos.
↑ (Zurück)
4.c.
Juxta hanc regulam: Actore non probante reus absolvitur, etsi nihil prestiterit, id est probaverit, ut cap. fin. 6. q. 5 §. sane, de iureiur., l. qui accusare C. de edendo, et lib. I art. 64 in glos. I. et lib. II. art. 25 in glos. L. et lib. III art. 3 in glos. et art. 9 in fin. et glos. final. lib. II. art 65. versic. ob es auf inen gebracht et lib. III. art. 24. in glos. final et art. sequenti glos. I.. [Hierzu Fußnote 4.3: "lib. li. schlechthin bedeutet immer das betreffende Buch des Sachsenspiegel-Landrechts.]
↑ (Zurück)
4.d.
Landt. lib. I. art. 6 et lib. II. art. 22 et lib. III. art. 9 in glos.
↑ (Zurück)
4.e.
Dubius est enim litis eventus, de quo in leg. quod debetur ff. de peculio et Spec. ut supra.
↑ (Zurück)
4.f.
Arg. leg. petende C. de tempo. in integrum restitucio.
↑ (Zurück)
4.g.
Ut Lehen. c. 68. col. 9. in glos. pen. ver. auch so warnet es.
↑ (Zurück)
5.a.
Ut leg. favorabiliores ff. de reg. iur. et Weich. art. 35 in fin. glos. et lib. I. art. 15. in glos. fin.
↑ (Zurück)
5.b.
Actor forum rei generaliter sequi debet, ut extra de foro competenti c. si clericus et C. de Jurisdict. omnium iudicum lege iuris ordinem, ubi dicitur: Juris ordinem perverti postulas, cum actor rei, non reus actoris foram sequatur [Fußnote 5.1: "Nicht wörtlich".] etc., et II. q. l. c. experiencie.
↑ (Zurück)
6.a.
Ut ff. de procu. leg. I.
↑ (Zurück)
6.b.
Ut III. q. 3. §. Spacium etc.
↑ (Zurück)
6.c.
Citacio est quoddam substanciale iudicii, secundum Bald., Bart., Salicet. et ceteros doct. in leg. prolatam C. de senten. et interlo. omni. iud.
↑ (Zurück)
6.d.
Processus sine citacione est ipso iure nullus, ut Landt. lib. II. art. 24 in text, et glos. et lib. III. art. 5. in glos. et art. 63 in glos.
↑ (Zurück)
6.e.
Ut extra cap. 2 et cap. significavit, de testibus.
↑ (Zurück)
7.1.
Der tschech. Text hat hier die Note: Die Citation geschieht mündlich oder schriftlich.
↑ (Zurück)
7.2.
Der tschech. Proc. fügt bei: Dies ist dem Ermessen jeder Stadt oder Ortschaft oder dem alten Herkommen überlassen. Bemerkt sei, daß der mährische Gulden damals zu 30 weißen Groschen, der Groschen zu 7 den. gerechnet wurde.
↑ (Zurück)
7.a.
Omnibus hominibus iudex sit equus in iudicando, ut Landt. I. III. art. 30, unde dicit ius commune, quod in iudiciis non est acceptio personarum habenda, ut in cap. no. de iudi. de reg. iur. l. VI. Aequalis enim et communis debet esse iudex, non declinans in dextram aut sinistram, ut in leg. inter claras C. de sum. tri. et fide catho.
↑ (Zurück)
7.b.
Got spricht selber in deuteronomio: Richtet recht ihr menschenkinder, den das gerichte ist mein. Dasselbe auch C. de vete. inr. enucle. leg. Deo auctore nostrum etc.
↑ (Zurück)
7.3.
L. M. schuld statt klagen.
↑ (Zurück)
7.c.
Effectus autem confessionis est, ut is qui confitetur, pro convicto habeatur, C. de confes. leg. unica: Quia in confitentem nulle sunt partes iudicis, quo ad cognoscendum, immo ipse quodam modo se sua sentencia damnat, ut ff. de confes. leg. I. in fin. ubi dicitur: Confessus pro iudicato habetur etc. Item dicit dominus in Evang. Lu. 19: Ex ore tuo te iudicabo, serve nequam etc.
↑ (Zurück)
8.a.
Wehr eine Sache bekennt, der ist derselben uberwunden, ut Landt. l. II. art. 22. in glos. finali et Lehen. cap. 59 in glos. fin. et cap. 7 et 69 in glos.
↑ (Zurück)
8.b.
Der also bekennet, der hot keinen andern forteil, alleine die Zeit, die ime die Recht zugeben, welche Zeit vom tage des bekentnis anffehet zu lauffen, ut in leg. si debitori ff. de iudiciis et leg. certum §. fin. ff. de confessis et Landt. l. II. art. 10 in text. et Weich. art. 34 et art. 91 in glos.
↑ (Zurück)
8.1.
Im tschech. Proc. wird beigefügt. daß dem Geklagten, wenn es sich um Abtretung eines Grundes oder dergleichen Rechtes handelt, Zeit zur Räumung und freien Übergabe gelassen werde.
↑ (Zurück)
8.2.
Im tschech. Proc. wird jedoch die Einschränkung gemacht, daß der Richter sich nach der Frist im Schuldbriefe halten müsse und nur jenen Personen, bei welchen sich durch einen unvorhergesehenen Zufall ein Schaden ereignete, eine weitere Zahlungsfrist einräumen dürfe.
↑ (Zurück)
9.a.
De quo in l. offici. ff. de rei ven. et in ll. [Fußnote 9.1: Plural, weil keine lex besonders erwähnt ist.] C. de prob. et in l. nam et postea in princ. ff. de iur. iur.
↑ (Zurück)
9.b.
Ut in leg. cum precium [Fußnote 8.2: Richtig quum precum.] C. de libe. cau. et leg. raciones C. de proba. Adde et lege quod si in diem et per Bald. in §. item a debitore, vers. in eadem glos. ibi posset etc. et §. sed hodie [Fußnote 8.3: Richtig hodie autem] Instit. de exceptionibus et ibi. Aug. etiam, ubi dicitur: Hodie autem non ita stricte hoc procedere volumus, sed eum, qui ante tempus pactionis vel obligacionis litem auferre [Fußnote 8.4: Der Text ist auch ferner korrumpiert, s. corp. jur., ed. Krieg. I. S. 51.] ausus est, Zenoniane constitucioni subiacere censemus, quam sacratissimus legislator de his, qui tempore plus petierunt, protulit, ut et inducias, quas idem actor sponte indulserit, vel natura actionis continet, si contemserit, in duplum habeant hi, qui talem iniuriam passi sunt.
↑ (Zurück)
9.c. ↑ (Zurück)
9.d.
(Dazu die gleiche Anm. c) wie oben bei Art. I, 1 S. 4: Justa hanc regulam etc.).
↑ (Zurück)
10.a.
[Fol. 8 a.] Testis iurat ante examen, ut in leg. Theopompius ff. de dote prele. Und dorumb sagt Baldus in cap. fraternitatis in 4. no. de testibus: Who nicht beweiset wirt, das der gezeuge vor seiner aussage geschworen habe, so ist er nicht recht verhort.
↑ (Zurück)
10.b.
Nota: Es magk auch ein jeder dem klaeger den eidt widerumb haimschieben. De quo per glos. p. in fin. art. 2, l. III. et li. II. art. 22. Und als denne so mus der kleger schweren; tut ers nicht, so wirt der beklagte von der klage loes getan et cum expensis.
↑ (Zurück)
10.c.
Den ein jeder Sachse losset es dem andern zu seinem aide, wen er nicht gutte beweisunge hot. Ut Landt. l. III. art. 9 et l. 1. art. 6 et l. II. art. 22.
↑ (Zurück)
10.1.
In Breslau vor dem Landrecht, (s. M. S. der Bresl. Stadtbibi. J. 59).
↑ (Zurück)
10.d.
Es sagt Seneca: Meum et tuum pariunt omnem controversiam. Et cap. quia diversitatem [Anm. 10.2: Extra] de conces. praeb., l. I. C. de vet. iur. enucle. §. cum itaque.
↑ (Zurück)
10.3.
Art. XIII.
↑ (Zurück)
11.a.
Arg. leg. equiss. esse (?) §. I. ff. de usu fructu et quemadmodum quis. utatur. Et vide de his omnibus Spec. in tit. de prepara. Jud. per totum.
↑ (Zurück)
12.3.
Nach dem tschech. Proc. soll dies nur stattfinden, wenn keine Rechtswohltat entgegensteht, d. i. falls den Schuldner kein unvorhergesehener Zufall, als Feuersbrunst, Sturm, Wassernot und Raub betraf.
↑ (Zurück)
12.4. ↑ (Zurück)
12.5.
Fol. 10 b und 11 leer.
↑ (Zurück)
12.a.
Nota: Consuetudo rationabilis tollit legem. De quo late per Angelum de Are. in pro(h)e. instit. in §. igitur et per Alex. de Imo. in consilio 75. in 3. col. in versicu. Item eciam in I. volu. ubi: consuetudo generalis derogat legi in universo, sicut consuetudo specialis in uno loco derogat omnibus legibus in illo loco. Prout not. ple. per glos. et docto. in l. II. C. que sit longa consuetudo. Und das ist nicht zuverwundern, den die gewonheit ist ein gesetze, das nicht geschrieben ist, sondern in hauptern der menschen erhalten wirt, § ex non scripto Instit. de iure. nat. gen. et civi. Und dorumb wie ein recht durch das ander, das ime endtkegen ist, auffgehoben wirt, also ist es auch mit den widerwertigen gewonheiten etc.
↑ (Zurück)
13.a.
Und dieses ist wider den text. Sicut expresse traditur in lege II. et III. ff. de in ius vocando, ubi dicitur: In ius vocare [Fußnote 13.1: Richtig: vocari] non oportet neque consulem, neque prefectum, neque pretorem, neque proconsulem, neque ceteros magistratus, qui imperium habent et qui coërcere aliquem possunt et iubere in carcerem duci; neque pontificem, dum sacra facit, nec eos, qui propter loci religionem (inde) se movere (non) possunt etc.
↑ (Zurück)
13.2.
Dieser Ratsbeschluß findet sich in den Acta quotidiana I. f. 139 des Olmützer Stadtarchivs gleichlautend verzeichnet und führt nach dem Worte civium noch an: Wolfgangi Greczner, Thome Knossp et Johannis Mügliczer consulum ac aliorum juratorum civitatis Olomucensis.
↑ (Zurück)
14.a.
Ut in cap. causam (extra) de dolo et contu. et Landt. l. II. art. 8 in tex. et glos. et addi., l. I. art. 53 et art. 62 in glos.; Weich. art. 4 in glos. colum 6. de hostu: ehr mus auch dem Richter wetten.
↑ (Zurück)
14.b.
Adde Specu. in tit. de contuma. §. 7 in prin. et Pau. de Cast. in leg. contumacie ff. de re iudicata et Landt. l. II. art. 67 in glos., Lehen, cap. 68 in glos. 1 et (Landt.) l. I. art. ultimo in glos. et pe. in glos., l. II. art. 9 in glos.
↑ (Zurück)
14.1.
Dieser Ratsbeschluß ist in den Acta quotidiana de anno 1534 fol. 151 gleichlautend enthalten.
↑ (Zurück)
15.1.
M. hat "weiße" Groschen und bemerkt am Rande: jetzund muß man 7 ½ geben.
↑ (Zurück)
15.2.
M. hat noch: oder Schlafgemach.
↑ (Zurück)
15.a.
Speciale iuris Saxonici, quod contumax. verus condemnatur in causa principali ut Landtr. l. II. art. 9 et l. III. art. 39, li. II. art. 45 in addi. lati. et Weich. art. ult. in recapitula. in antiquis. (Landt.) l. II. art. 24. in glos. fin. Und dis ist zuvernemen, bis auff seine ehafft, hoc est legitimum impedimentum ut Landt. l. I. art. 7 et Lehen. cap. 24 in gloss. versic. doch so magk ihr jeglicher et versic. sequ., ubi enumerantur iuste cause et in lege contumacia §. penam contumacis ff. de re iudicata; und wen ehr solche ehehafft verhinderunge beweiset, so wirt ehr zu seiner andtwort gelossen. De quo vide infra art. VII. Von Siegelung und Sperrung numero 3 fol. 17 b. [Fußnote 15.3: Der tschech. Proc. hat hier die Bemerkung, daß jeder Richter nach Befinden des Falles den Ungehorsamen höher strafen, oder wenn es sich um eine verdächtige Person oder dringliche Sache handelt, in Haft nehmen könne.]
↑ (Zurück)
15.b.
Hoc est ex primo decreto, ut infra folio 24 art. X. numero 3 per totum.
↑ (Zurück)
15.4.
Im tschech. Proc. erläuternd: in Olmütz ein Tor nach dem andern in derselben Straße.
↑ (Zurück)
16.a.
Legitimum impedimentum, ut Landt. l. II. art. 7 et Lehen. cap. 24. ut supra dictum est.
↑ (Zurück)
16.b.
Nemlich mit der Zucht und bueße. [Fußnote 16.1: Diese Bemerkung ist von späterer Hand am Rande beigefügt.]
↑ (Zurück)
17.a.
Es sal der klaeger oder glaubiger sorgfellich und fursichtigk sein, das ehr das pfandt also schlechts, ane alle bedingunge und antzeigunge der schult in diesem vhalle anstadt seiner betzalunge (et sic in solutum) nicht anneme, dan ehr mueste sich domitte vergnuegen lossen und wuerde etwas mehr zu fordern nicht gehort, ut patet per not. per Bart. in lege a divo Pio in § si pignora ff. de re iudicata et per Cyn. in lege Ordo C. de execu. rei iudicate.
Who sich aber der glaubiger dermassen antzeigt, was ime aldo abgienge, das ehr sich verner am beklagten erholen magkh, so wirt er auch dorbei erhalten, ut in lege fina. C. de iure dominii impe. et Landt. l. I. art. 70 versic. wirt icht uberigkh. [Fußnote 17.4: Korrumpiert (wohl: gebricht aber ichts).
↑ (Zurück)
17.1.
M. hat noch: und dreien Tagen.
↑ (Zurück)
17.2.
Ebenso.
↑ (Zurück)
17.b.
Ut in leg. fina. C. de Jure dominii impe. et leg. pe. C. si vend. pig. agatur.
↑ (Zurück)
17.3.
Ebenso.
↑ (Zurück)
18.a.
Ut in lege ex maiore C. de exceptio.
Nota: Ex secundo decreto, ut patet infra folio 25, Numero 5, Art. X.
↑ (Zurück)
18.1.
In M. folgt: genug.
↑ (Zurück)
18.b.
Und wo das nicht genugsam vor seine schult were, das er das ubrige an dem beklagten oder seine guettern aussuchen und erlangen moechte. Ut in lege (de) causa et ibi Salicet. C. si cau. iudicati p. cap. sit. Vide et in leg. ordo C. de execut. rei. iudicate.
↑ (Zurück)
19.a.
Nota: Ex primo decreto: Primum decretum hic accipitur pro proprio iussu iudicis, quo mandat bona alicuius propter eius contumaciam in penam contumaciam (!) possideri, dicitur primum iussum, ut ff. de reb. dub. leg. qui ius. (?) etc.
↑ (Zurück)
20.a.
Notandum, quod missus in possessionem ex primo decreto non utetur bonis illis vel fructibus, in quorum possessio (!) missus est, ut ff. ex quibus caus. in poss. ea. leg. Fulcinius §. pretor. Quia aliud est possidere et aliud in possessionem habere, ut in capit. dilectus extra de seque. poss. et fruct. et ibi in glos., ubi dicitur, quod ille, qui mittitur in possessionem causa custodie, sive agatur reali actione, sive eciam personali, infra annum non facit fructus suos, sed custodire eos debet, non distrahere, ut si infra annum reus recuperare voluerit possessionem, restituantur ei fructus. Expense tamen necessarie pro fructibus percipiendis facte primo debent deduci, quia ille in nullo casu prohibetur, ut ff. fami. heris l. fundus. Si vero non veniat infra annum, tunc primo anno elapso lucratur omnes fructus.
↑ (Zurück)
20.b.
Hic est custos, non possessor: in cap. constitu. extra de eo, qui mittitur in possessionem causa rei servande.
↑ (Zurück)
21.a.
Nota: Secundum decretum. Est autem secundum decretum: Secundum iussus iudicis, quod iubet bona alicuius propter contumaciam possideri, qui (!) prius ex primo decreto detinebantus. Extra ob [Richtig de eo qui.] ea que mitt. in poss. causa rei servan. cap. I et ff. de damno infecto leg. Pretoris. [Richtig Pretor.
↑ (Zurück)
21.1.
Tschech. pr. jur.: obstávka.
↑ (Zurück)
21.b.
Ita est textus ad literam in leg. unica C. ubi conveniatnr, qui certo loco dare promisit. Et leg. eum, qui insulam ff. de judiciis.
↑ (Zurück)
21.2.
In M. folgt: und auffhalten.
↑ (Zurück)
22.a.
Ut est gloss. notabi. et ibi Barto. Bald. et communiter Doct. in leg. I. ff. s. quis in ius vocatus non ierit.
↑ (Zurück)
22.1.
In M. folgt: und auffzuhalten.
↑ (Zurück)
22.b.
Remissioni, quando locus fit, verbi gracia: Si homo peregrinus hic Olamuncii contractum iniret et renunciaret privilegio fori. Deinde quamvis hic non reperiatur, sed alio in loco propter factam renunciacionem Olomun. remittendus erit, ut ibi fidem datam liberet. Hec omnia approbat Bart. in lege heres absens, §. I. ff. de iudiciis, et Albericus hic adfirmat hanc glo. usu iudiciorum confirmatam esse.
↑ (Zurück)
22.c.
Juxta legem si quis in conscribendo C. de pactis.
↑ (Zurück)
22.d.
Wilkuere bricht landtrecht.
↑ (Zurück)
23.a.
↑ (Zurück)
24.a.
Sub certo pignore oder so hoch sich die sachen erstrecken möchte. [N.3 Diese Worte sind von späterer Hand am Rande niedergeschrieben, fehlen aber in L. M.]
↑ (Zurück)