Werbőczy, István, Decretvm Oder Tripartitvm Opvs Der LandtsRechten vnnd Gewonheiten des Hochlöblichen Königreichs Hungern

Werbőczy, István, Decretvm Oder Tripartitvm Opvs Der LandtsRechten vnnd Gewonheiten des Hochlöblichen Königreichs Hungern

Inhaltsverzeichnis

[Editorial

BSB-Angaben zur Vorlage:
Decretvm Oder Tripartitvm Opvs Der LandtsRechten vnnd Gewonheiten des Hochlöblichen Königreichs Hungern
Autor / Hrsg.: Werbőczy, István ; Werbőczy, István
Verlagsort: Wienn in Osterreich
Erscheinungsjahr: 1599
Verlag: Formica
Signatur: 4 Austr. 240
Reihe: Decretvm Oder Tripartitvm Opvs Der LandtsRechten vnnd Gewonheiten des Hochlöblichen Königreichs Hungern
Permalink: http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10152166-7

Zu István (Stefan von) Werbőczy vgl. GND-Datensatz mit Namensvarianten und WorldCat-Eintrag. Vgl. auch Luschin von Ebengreuth in seiner Österreichischen Reichsgeschichte 1896 sowie Roman Schnur, Die Rolle der Juristen bei der Entstehung des modernen Staates (Duncker und Humblot, 1986) S. 66-69. [Digitalisat].

[Titelseite]

[Faksimile] DECRETVM
Oder
TRIPARTITVM
OPVS

Der LandtsRechten vnnd Ge=
wonheiten des Hochlöblichen Königreichs
Hungern /
Durch
STEPHANVM DE WERBEVTZ
Jn Lateinischer Sprach beschrieben.
An jetzo aber der Hochberümbten Teutschen Na-
tion
zu gutem auß dem Latein ins Teutsch trewlichst
vertirt vnnd gebracht:
Durch
AVGVSTINVM VVAGNERVM
Villseccens. J. V. Candidat. & inclytæ
Reip. Poson. Hung. caus. Direct. &c.

[Wappenbild]
Cum Gratia & Priuilegio octo annorum
Gedruckt zu Wienn in Osterreich / bey
Leonhart Formica
ANNO M D L XCIX. [Faksimile]

[Vorrede Wagner]

Denen Edlen / Ehrnvesten / Für=
sichtigen vnd Wolweisen Herrn N. Richtern / Burger=
meistern vnnd Rath der Königklichen freyen HaubtStatt
Preßburg in Hungern / &c. Meinen großgünsti=
gen Herrn vnd Patronen.

Edle / Ehrnveste / fürsich=
tige vnnd Weise / jnnsonders gunstige
Herrn vnnd Patroni, E.V. vnnd Herrl.
seind meine gehorsam willige Dienst jederzeit schul=
diges vleis bevor / vnnd wissen sich zwar dieselbe ohne
weitleuffige erinnerung / zweiffels ohne / wol zuerin=
nern / welcher massen vor diesem auff sonderliche an=
deutung viler Ehrlicher Leut / beuor auß E.V. vnd H.
ich das Tripartitum Opus der Hungerischen LandsRech=
ten vnnd gewonheiten / aus dem Latein ins Teutsche
vertiret vnd gebracht : benebens ferner angesprochen
worden / dem gemeinen Mann / vnd den jenigen / die
der Lateinischen vnd Hungerischen Sprachen nicht er=
fahren sind /zu gutem solche meine einfaltige Translation
in offentlichen Druck verfertigen zu lassen / neben dem
gunstigen erbieten / mir in einem vnd andern /allemüg=
liche fürderung darzue zu erzeigen. Ob ich aber woln
solches mein fürhaben / erstmals dahin nicht dirigirt,
das ichs einer solchen Publication wirdig zu sein ver=
meint hette / sondern solches andern Gelertern / vnd
die es mit bessern verstand vielleicht hetten verrichten
können / zulassen / vnd meine geringfügige mühe in-
ter priuatos parietes
allein zu halten vermeint / jedoch da=
mit EV. vñ Herrl. als denen ich mit mehrern zu [Faksimile] gehor=
samben verbunden / auch andere nicht vermeinen möch
ten / als geschehe solches ex inuidia, als hab ich in diesem
mein sonderliche affection vnnd willen / dem Vatter=
land vnd mennigklichen zu dienen / zuerkennen geben /
vnd solche begerte Publication nicht einstellen sollen noch
wollen : Hab demnach bey jhr Fürst: Durchl: Ertzher=
zogen Matthiasen zu Osterreich / &c. vnserm gnedigsten
Fürsten vnd Hern / vnterthenigst angehalten / in solche
Publication genedigst zubewilligen / darauff höchstge=
dachte jhr Fürst: Durchl: solches der hochlöblichen Re=
gierung in Wienn vmb deroselben bericht hochgedach=
te Regierung aber / der auch hochlöblichen vnnd Vr=
alten Vniuersitet daselbst mehr gedachte meine Trans-
lation
zu Reuidirn, vnnd darüber jhr Fürst: Durchl:
guetbedüncken zu vbergeben vberschickt / vnnd entlichen
auff begerten vñ erfolgten gnugsamen bericht / vnd fleis=
sige Reuision beeder hochlöblichen Regierung vnd Vni-
uersitet
der auch hochlöbliche[n] Herrn Hungrischen Räth
guetachten / auff jüngst verwichenen vñ allhier zu Preß=
burg dieses Neunvndneunzigisten Jahrs gehaltenen
Landtag darüber genedigist erfordert / vnd weiln auch
wolgedachte Herrn Räth nicht darwider gewesen / als
haben jhr Fürst: Durchl: solche Publication, beneben
auch ein Priuilegium auff acht Jahrlang nicht nach zu=
drucken / in gedachtem Hungerischen Landtag mir ge=
nedigst verwilligt. Wann dann solche offt gedachte
Translation nun mehr / Gott lob / durch offentlichen Druck
zu einem glücklichen endt gebracht / vnd anders nichts
mangelt / denn das ausser hochstgedachter jhr Fürst:
Durchl: Ich mich vmb Patronos, welche diese meine [Faksimile] ge=
ringfügige aber doch wolmeinende Mühe möchten wöl
außlegen / vnd contra maleuolorum inuidiam defendirn,
vnd verteidigen / bemühe: Ewer V. vnd Herrl. aber / als
dieses Wercks Promotores, vnd die mir auch sonsten mit
sondern Gunsten gewogen / ich mir hierzue sonder=
lichen erwehlet / Als Offerir, dedicir, vnnd vbergib ich
jhnen hiemit diese meine Translation vnter jhren schutz
gantz vnd gar. Der tröstlichen zuuersicht / es werden
nicht allein E.V. vnd Herrl: solche dedication gunstig=
klichen von mir an vnd auffnemen / sondern auch be=
neben andern löblichen freyen vnnd Bergstätten dieses
hochlöblichen Königreichs Hungern (die ich ebener
massen für meine günstige Herrn vnd Patronos auch de
fensores
dieser meiner Translation erkenne / vnnd jhnen
auch also dienstlichs fleiß hiemit offerire,) solche meine
mühe in gunsten vermercken / wider die iniquos Zoilos
defendirn
, vnd mich auch künfftig in gunstigen befelch
haben. Kan ich denselben in andern vnnd mehrern
dienen / bin ich solches gehorsames fleiß zu thuen / wie
schuldig / also auch gantz berait willig. Hiemit vnd
schließlichen thue mich vnd vns allesampt der gnaden
Gottes bevelhen / vnd E.V. vnd Herrl. langwerige ge=
sundheit / vnd glückliches Regiment von Herzen wün=
schen. Preßburg den 26. Iulij, Anno &c. Neunvndneun=
tzig.
Ewer V. vnd Herrl.
Gehorsam /
Willigen
AVGVSTINVS VVAGNERUS
Villseccensis, I.V. Candidatus
[Faksimile]

An den gunstigen Leser.

GVnstiger lieber Leser / hiemit hastu auch
das Tripartitum opus der LandsRechten vnnd Ge=
wonheiten des hochlöblichen Königreichs Hungern
in Deutsche Sprach / vnd ob ich woln selbsten diese
meine geringfüegige Arbeit einer solchen publication vnd offentlichen
Drucks für mein Person vnwirdig geacht / jedoch auff anhalten eines
Ersamben / Wolweisen Raths der königklichen freyen Hauptstat
Preßburg in Hungern / meiner gunstigen Herrn etc. : Vnd weilen
dieselben solche meine mühe ad commune bonum ersprießlich zu sein
vermeinet / hab ich solche Translation in offentlichen Druck verferti=
gen lassen / vngeacht das ich bey der Druckereyen gewönlichen
Correctur wegen ferne des Wegs Persönlichen nicht beywohnen mö=
gen / dahero dann / wie leichtlich zu geschehen pflegt / etliche Jrrthum=
ben vnd vitia Typographica in diesem Werck vntergelauffen / wie dan~
dieselben hie vnten ordentlicher weiß specificiert vnnd Namhafft ge=
macht werden / wirst demnach vnbeschwert solche mühe auff dich ne=
men / vnd ehe du die Translation anfahest zu lesen / zuuerhüetung aller=
ley verhinderung / welche vnter dem lesen möchten fürfallen / solche
vitia nach dem numero Corrigirn / vn~ beedes mich der ich ferr etnsessen /
dann auch den Buchdrucker / welcher damals den sachen schwachheit
halber nicht allezeit beywohnen mögen / günstigklich vnnd freundlich
für entschuldiget halten.

Die Translation aber anbelangende / im fall dieselbe nicht aller=
dings zu deinem gefallen geschehen / bit ich du wollest gedencken / das
vil Termini verhanden / welche schwerlich zu vertiern sein / vnnd so
auch dir der verhoffte nutz darauß nicht erfolgen solte / wirstu ver=
hoffentlichen dennoch keinen schaden darauß / ja vil weniger vrsach
mich oder meine Translation zu traducirn haben. Kan ich dir aber
vnnd zu forderst dem ganzen Vatterland in andern vnnd mehrern
wilfahren / bin ich zu allen beheglichen angenemen Diensten
gantz berait willig / vnter dessen thue ich dich
vnd vns alle der gnaden Gottes
befehlen.[Faksimile]

[E.0] Eingang
Auff das
TRIPARTITVM
OPVS
Der Landtsrechten vnnd Ge=
wonheitten des Hochlöblichen König=
reichs Hungern.

NAch dem ich die LandtsRechten vnnd
Gewonheitten dises Hochlöblichen Künigreichs
Hungern zubeschreiben mir fürgenommen : hab
ich anfenglichen etliche nothwendige stuck / dise ge=
genwertige Materiam betreffende vorgehen lassen.
Vnd Erstlich zwar sagen wöllen von der Gerech=
tigkeit. Zum Andern von den Rechten / vnd desselben abtheilungen.
Dritten von dem Gesatz / vnd wie mancherley dasselbige sey. Vierten
von der Gewonheit / vnd derselben beschaffenheit. Zum Fünfften vnd
letzten / von der Condition vnd eigenschafft / eines fromen Richters /
vnd andern / zu einem wolbestelten Gericht nothwendig gehörigen sa=
chen: Neben angeheffter frage: Ob ein Richter / vermög dessen / was
die Partheyen vor Gericht eingefüret vnd probirt haben: oder wie ers
in seinem gewissen befindet vnd weiß / Richten vnd vrteilen solle?

Welchs alles nach dem ichs vorher kürtzlich gehen lassen / wil ich
mit der hilff Gottes zum werck selbsten schreitten / vnnd dises Künig=
reichs Hungern allgemeine / vnd vor Gericht übliche LandsRechten vn~
gewonheiten / nach meinem geringen verstandt / ordentlichen absoluirn
vnd beschreiben. [Faksimile]

[E.1] Eingang. Von der Gerechtigkeit / waß / vnd wie mancher=
ley dieselbige sey?

DJe Gerechtigkeit ist anders nichts / dann ein
fürsetzlicher / bestendiger / vnableßlicher will / einem jeden
das / was jhme von Rechts vnd billigkeit wegen gebüret /
zuezueignen. Vnd obwoln solches zu thuen nicht allezeit
in vnsern mächten stehet: Jedoch soll ein jeder mit solcher guetten be=
gierlichen naigungen gegen seinem Nechsten Affectionirt vnd gesinnet
sein : daß er / wo es möglichen / einem jeden nach seinen Wercken / Tha=
ten vnd verdienst / die Gerechtigkeit / das ist: daß seinige / gern mittei=
len wolte.

Dann die Gerechtigkeit ist ein besondere disposition vnnd guete
naigung des gemüts / darumben einer für gerecht gehalten wird. Jn
dem er ohne vnterschiedt vnd ansehen der Person / einem jedem / souil
in seinen mächten stehet / daß seinige zueignet. Jtem die Gerechtigkeit
ist ein gueter habitus, gewonheit vnnd zuneigung / welche einem jeden
seine würdigkeit. Alß Gott dem Herren die Religion, oder seinen dienst:
Denen Eltern gehorsam: Denen Eltisten ehrerbiettung: Denen die
im stand vnd wesen gleich sind / fried vnd einigkeit: Den jüngern gehor=
same zucht: Mir selbsten Keuschait: Vnd den armen bedürfftigen vnd
elenden / mitleidenliche getrewe würckliche hülff zueigenet.

Auff ein andere weiß ist die Gerechtigkeit eine guete alte gewon=
heit des gemüts / welche (jedoch mit vorbehalt des gemeinen nutzes/)
einem jeden seine würdigkeit zueignet. Vnnd das ist ein wolgeschickte
außtheilung des gemüts / welche eines jeden dings vrsachen vnnd be=
schaffenheit zu vnterscheiden weiß. Vnd wie der H. Gregorius bezeu=
get / ist das höchste guet vnd Kleinot in disem Menschlichen leben /
die Gerechtigkeit lieben / vnnd einem jeden sein Recht erhalten helffen.
Dann wo die Gerechtigkeit ist / da sind auch alle andere tugendt zu=
gleich (wie Hieronymus sagt) alle artten der tugenden mit begriffen / welchs
auch Hesiodus mit disem Vers bezeuget:
Justitia in sese virtutes continet omnes.
Das ist:
Die Gerechtigkeit ist so tugendtsam /
Daß all tugendt begreifft jr nam. [Faksimile]

Welche fürnembste tugendt / (wie Aristoteles sagt) Der Men=
schen augen also vnd mehr dann der morgen vnd abendt Stern durch=
gehet vnd durchscheinet.

Die Gerechtigkeit aber ist zweyerley. Die Natürliche / vnd wel=
che wir nach menschen Satzungen vnd Rechten regulirn. Die Natür=
liche ist / (wie oben vermeldet) ein fürsetzlicher bestendiger vnableßlicher
will / einem jeden das / was jhme von Rechts vnd billigkeit wegen ge=
bürt / zuzueignen. Vnd ohne diese kan keiner das Reich Gottes besitzen.
Die andere aber ist das Gesatz selbsten / welchs sich verendern lest / vnd
ohne welche Völckher vnd Königreich nicht lang bestehen mögen. Da=
hero dann gerecht sein / zweyerley verstandt hat. Eins theils / Zu de=
me vns die natur vnd beschaffenheit der sachen treibt / welchs das Na=
türlich Recht genennet wird: Anders theils / welchs von den statuten
vnd menschen satzungen herfliesset vnd Ius positiuum genennet wird.

[E.2] Von den Rechten / vnd dessen abtheilung.

DAs Recht / (souil vnser propositum vnd vor=
haben belangt) gült souil als billich vnd recht / welches
von der Gerechtigkeit herkommet / vnd wird dasselbe all=
hie / in vnserm vorhaben / für vnsern Landtsbrauch vnd
Gewonheiten / es seyen dieselben in Schrifften verfasset oder nicht / ge=
nommen vnd verstanden. Daher dann das wörtlein Recht ein allge=
meiner Name ist / das wörtlein Gesatz aber / nur ein species oder
stuck desselben. Dann alles Recht dessen sich die Menschen gebrau=
chen / wird entweder in schrifften verfasset / oder aber allein ohne schrifft
in gemeinem gebrauch erhalten.

Celsus beschreibt dasselbe also / daß es ein kunst vnd wissenheit sey /
dessen was guet vnd billich ist / vmb welcher wissenheit willen / wir Sa=
cerdotes
, das ist / solche Leuthe genennet werden / welche H. Gesatz ge=
ben / vnd einem jedem sein Recht widerfahren lassen.

Auff ein andere weiß / ist das Recht ein zusamen gelesener hauffen /
Rechtmessiger Gesatz vnd Gebotten / welche vns zu dem / was billich /
nutz / warhafftig vnd recht ist / starck verbinden vnd anhalten. [Faksimile]

Diß Recht nun ist zweyerley: Das Erste ein allgemeines: das
Ander ein priuat Recht / welchs absonderliche Personen antrifft. Jenes
gehet Kayserthumb / Königreich vnd den allgemeinen nutz fürnemlich
an / vnnd bestehet sonderlichen auff den Kirchen / Schuelen / Prie=
sterschafft / vnnd ordentlicher Obrigkeit. Derohalben wer sich an
disem einen vergreiffet / der mag von menniglichen / als ein offenlicher
vbelthäter / vor der Obrigkeit angeklaget werden. Dises aber / das
priuat Recht / stehet fürnemlich auff nutz / wolfarth vnd auffnemen der
priuat vnd absonderlichen Personen. Vnnd wird in drey Haubtstuck /
nemlichen vnd zum ersten in das Natürliche: Darnach aller Völcker:
Drittens in das Bürgerliche Recht getheilt.

Das Natürliche Recht ist allen Nationen vnd Völckern darumb ge=
mein / weiln dasselbe allein auß natürlicher anreitzung / vnd nicht durch
vorgeschriebene satzungen vnd Recht herkommet / welches die Natur
nit allein die Menschen / sondern auch alle andere vnuernünfftige Thier
gelehret hat vnd lehret. Daher kommet dann die leibliche vermischung
Weiblichs vñ Mäñlichs geschlechts: Kinder gebern: Auch zucht vnd
nahrung derselben: Gleiche freyheiten deßen / was in der lufft schwe=
bet / auff Erden kreucht / gehet vñ wechst: im Wasser schwimmet. Jtem
daß einer dessen / was er einem andern an geldt oder geldts werth ge=
liehen / oder sonsten auffzuheben geben / wider haabhafft gemacht wer=
de. Deßgleichen daß einer gewalt mit gewalt vertreiben möge. Dann
diß vnd dergleichen nie für vnrecht / sondern der Natürlichen billigkeit
allezeit für gemeß gehalten worden.

Auff ein andere weiß wird das Natürliche Recht verstanden / wie
es im Gesetz Moysis vnd dem H. Euangelio begriffen / allda beuohlen
wird: Seinen Nechsten zulieben als sich selbsten / vnd gegen jhme das
zuthuen oder zulassen / was er gegen sich selbsten gethan oder gelassen
haben solte. Dahero dann diser Lateinische Verslein geschrieben sind.
Quod tibi vis fieri mihi fac, quod non tibi, noli,
Sic potes in terris viuere jure poli.
Was du wilst das ein ander dir /
Thun oder nicht soll das solst mir.
Zu gleicher massen gönnen auch /
Dann solchs erfordert Him~els brauch. [Faksimile]

Ist derowegen das Natürliche Recht auff zweyerley weiß zuuer=
stehen. Eins mals wenn wir einen menschen betrachten / als daß der=
selbige Natürliche vernunfft habe / vnd Göttlicher Rechten dardurch
fähig sey. Darumb dann solche capacitas vnnd fähigkeit / menschlich
dauon zu reden / das Göttlich Recht heist.

Wenn wir aber einen Menschen nach seiner natürlichen empfind=
lichkeit betrachten / derer auch vnuernünfftige Thier theilhafftig sind /
Als der fünff Sinnen / daß sich etwas bewegt / oder sonsten von seinem
fleisch vnd bluet zu etwas angereitzet wird / helt man solchs für das na=
türliche menschliche Recht.

Aller Völcker Recht ist auch zweyerley. Das erste vnd eltere: Das
andere oder jüngere. Jenes ist allein von Natürlicher Menschlicher
vernunfft ohne zuethuung einer menschen Satzungen eingefüret wor=
den. Als keinen menschen beleidigen etc. Vnd ist zwischen diesem vnd
obgesatzten Natürlichen Rechten fast kein vnterschied / ohne allein / das
jenes von der Natur eingefüret. Dieses aber von allen Menschen jeder=
zeit von anfang der Welt / ohne einige menschen Satzungen für billich
geachtet worden. Vnd durch diß Recht / ist der leibaigene Knecht auch
frey. Dann alle menschen von anfang der Geburt frey geborn sind.

Das andere oder jüngere aber ist von den Völckern nicht auß Na=
türlicher bewegung / sondern in ansehung des allgemeinen nutzes vnd
gebrauchs eingefüret. Wird auch offtmals von dem Natürlichen
Rechten vnterschieden. Dann von Natur alle ding gemein / vnd alle
menschen frey geborn sind. Auß der Völcker Recht ist herkommen vnd
für billich erkant worden / daß ein jeder an güttern vnd aigenthumb sei=
nen gewissen bescheidenen theil habe / vnd dessen ein Herr sey. Es lest
auch zu / Krieg / welche darnach gefengnussen / dienstbarkeiten / vnd an=
ders mehr vervrsachen / Welchs der Natürlichen freyheit zuwider ist.
Dahero kommen auch fast alle menschliche contract / handtierung vnd
gewerb / als kauffen vnd verkauffen / bestandt vnd dergleichen.

Das Bürgerliche Recht ist / welchs ein besonder Volck oder jedli=
che Statt / auß erheblichen Göttlichen vnd Menschlichen vrsache für
sich selbsten constituirt: vnd wird darumb Bürgerlich genennet / weiln
es ein eigen Staatrecht ist. Vnd kan auch auff dreyerley weiß verstan=
den werden. Erstlichen in gemein / das ist: Welches in gemein von [Faksimile]
einer jedlichen Statt obseruirt vnd gehalten wird. Zum andern Spe-
cialiter
: Wenn ein Gemein vnd Statt auß erheblichen Göttlichen vnd
Menschlichen vrsachen jhr selbsten ein eigenes Recht setzet. Zum drit=
ten Excellenter, fürtrefflich / von wegen würdigkeit vnnd fürtrefflichkeit
des Römischen Rechtens. Welchs auch das Kayserlich Recht genen=
net wird. Dann wo man von den Rechten ohne zusatz vnd anhang
diser oder jener benandtlichen Statt etwas redet / So werden wegen
derselben fürtrefflichkeit / allwegen die gemeinen geschribenen Kayserli=
chen Rechten verstanden. Gleich wie man bey den Scribenten einen
Poeten nennet: So wird bey den Griechen Homerus, bey den Lateinern
Vergilius verstanden. Vnd so in der H. Schrifft der Nam Apostl, ohne
zuethuung eines anders namens gesatzt wird / vermeinet vnnd versteh=
et man dardurch den H. Apostl Paulum.

[E.3] Von vnterschied des Natürlichen allgemei-
nen vnd Burgerlichen Rechtens.

DEmnach ist zu wissen von nöten / daß das Na=
türliche Recht auff dreyerley weiß von den andern vn=
terschieden werde. Erstlichen / Souil seinen vrsprung
anbelanget: Dann es seinen anfang von erschaffung her
aller Natürlichen Creaturn genommen. Zum andern / wegen seiner
Dignitet vnd hocheit: Dann es von Gott also eingesetzt / in der gantzen
welt zugleich fest / stett vnd vnwandelbar gehalten wird. Da hergegen
andere Land vnd StattRechten vielmals verendert / durch andere sa=
tzung vnd gewonheiten wol gantz vnd gar Cassirt vñ auffgehaben wer=
den. Zum dritten wegen seiner weitleufftigkeit. Dann das Natürli=
che Recht alle ding gemein macht. Andere Recht aber / als nemlichen
das gemeine vnd Bürgerliche / machen ein vnterscheid vnd sagen: Das
ist dein / das ist mein / vnd gebrauchen sich zwar alle Völcker / welche
durch guete ordnung vñ Pollicey regiert werden / entweder des für sich
selbsten geordneten Land / oder Stattrechtens: oder aber des allgemei=
nen aller menschen Rechtens. Dann diejenigen / welche allein des
priuat Rechts / vnd nicht des allgemeinen sich gebrauchen / vnd ein pri=
uat
Recht für sich ordnen / wird dasselbe Ciuile jus, ein Bürgerlich
Recht genennet. Das jenige aber welchs von allen Völckern in gemein
obseruirt wird / heist jus gentium, aller Völcker Recht [Faksimile]

[E.4] Von den KriegsRechten / vnd weißheit
der Rechten.

DAs KriegsRecht ist eine besondere Solenni-
tet
vnnd weiß Krieg zuführen: mit dem Feindt verbünd=
nuß oder fried zu machen: Auch wol / wann man Lermen
geblasen oder geschlagen / mit dem Feindt ein treffen zu
thuen: Jtem die jenigen / welche dem Kriegsbrauch vñ desselben articuln
zu wider handeln / zu straffen: den Kriegsman zu vnterhalten / vñ dem=
selben nach seinem verdienst vnd würdigkeit / mit geschenck vnnd ehr zu
begegnen (als wenn man einen zum Ritter schlegt / oder ein andere
Dignitet, wegen seines wolverhaltens Conferirt) die Beütten nach ei=
nes jeden verdiensts mühe vnnd arbeit / so wohl auch dem Fürsten seine
gebür außzutheiln vnd zu geben.

Die kunst aber vnd weißheit der Rechten ist ein erkentnüß Gött=
licher vnd Menschlicher ding / auch ein vnterschiedliche wissenheit dessen
was recht oder vnrecht ist / das rechte zu thuen / das vnrechte zu meiden.
Dann nicht genueg ist / wissen was recht oder vnrecht ist / wann nicht
einer auch anderer widerwertiger sachen augenscheinliche erfahrung
vnd wissenschafft hat / nach dero gelegenheiten / vnnd auff zutragende
fäll / vnterschiedliche Satzungen vnd Ordnungen müssen auffgericht werden.

[E.5] Der vnterschied zwischen der Gerechtigkeit / dem Rech=
ten / vnd Weißheit der Rechten.

DJe Gerechtigkeit ist für sich selbsten die höch=
ste tugendt / welche die gelehrten moralem nennen / dar=
umb / dieweiln deroselben gebrauch allen menschen höchst
von nöten ist. Das Recht aber ist das mittel / vnd
hilfft den beuelch diser tugendt mit verrichten. Die Weißheit der
Rechten ist die wissenschafft vnd erfahrung desselben Rechtens / vnd
lehret / wie vnd auff was weiß solche execution geschehen solle.

[E.6] Von der Definition vnd beschreibung des Gesatzs /
seiner condition vnd gelegenheit.

[Faksimile] Dieweiln oben gesagt ist / daß alle vnnd jede
Recht / derer sich die Menschen gebrauchen / zum theil in
schrifften begrieffen / zum theil allein im brauch erhalten
werden: So ist nun von den beschriebenen Rechten / das
ist Menschen Satzungen kürtzlichen zu wissen / daß dasselbe auff man=
cherley weiß definirt wird. Dann erstlichen ist die Constitutio populi,
des Volcks Satzungen / welche die Eltisten mit willen des Volcks ha=
ben statuirt vn~ auffgericht : Welche definition aber sich zu diesem vnserm
fürgenommenen Werck nicht schicket. Dieweiln aller vollmechtiger
gewalt Constitutiones zumachen vnnd Gesetz fürzuschreiben ( welchs
vor disem bey dem Volck allein gestanden) an jetzo auff vnsern Lands=
fürsten vnd König transferirt worden. Dauon hierunten weittere mel=
dung beschehen wird.

Das Gesetz ist sonsten auch ein solche ordnung / welche erbare ding
gebeut / vnd vnerbare sachen verbeut. Jtem das Gesatz ist ein rechte
vernunfft / von der billigkeit gezogen / welche was ehrlich ist gebeut / vnd
was vnehrlich ist verbeut. Deßgleichen neñets PapinianusDemo-
sthenes
, ein inuention oder erfünd des Menschens: Ein gabe Gottes:
Hochweiser leuth lehren: Ein zucht vnd straff deß / was einer zu wenig
oder zuuiel thuet: Ein wolanstehen einer Statt: Vnnd ein meidung
schand vnd laster. Auß welcher definition souiel erscheinet / daß das
Gesatz ein inuentio vnd erfündung der Menschen sey. Dann nach dem
sich das Menschliche geschlecht gemehret / vnd viel sünd vnd laster vber=
hand genommen haben / sind löbliche guete Regiment in ein Tyran=
ney / wüstes vnnd wildes leben gerathen. Derowegen Gesatz fürzu=
schreiben höchst von nöten gewesen. Wer nun deroselben erster funda-
tor
vnd erfinder gewesen / ist oben in der praefation vnd Eingang zufin=
den. Es ist auch in der definition gesagt worden. / daß es ein Donum
Dei
, Gottes gabe sey / wie Chrisost: sagt: Das Gesatz ist der rechte weg
der weder zur lincken / noch zur rechten hand abweichet. Derowe=
gen das jenige Volck / welches Gottes gebott vnd lehren veracht / auff
mancherley vnd viel weg / jhren selbst eigenen eüsersten verderben zu=
lauffet vnd eilet: Vnd sind aller Menschen Satzungen nichts / welche nicht auff das ebenbild Göttlicher H. Schrifft vnd Gesatz dirigirt vnd
gerichtet sind. Dann die Menschlichen Gesatz soweit gelten / wenn sie
mit Gottes Wort vberein stimmen: Wie der Weise Mañ bezeugt vnd
sagt: Per me Reges regnant,& legum conditores justa decernunt: Durch [Faksimile]
mich regirn die Könige / vnd die Gesatzgeber decernirn vnd sprechen
auß was recht ist. Derowegen soll solche Menschen Satzung ihren
vrsprung auß Gottes Wort haben. Dann das ist allein ein wolbestel=
tes Regiment / welchs mit solchen Satzungen gubernirt vnnd gefüret
wird / die Gottes Wort gemeß / vnd darnach regulirt sind. Darum=
ben die jenige Satzungen / welche der ordnung Gottes zuwider / kön=
nen weder mit einhelligem willen des Volcks / noch jrgent durch eine
langwerige Gewonheit eingefürt / noch für recht erkennet werden.

Zum Dritten ist das Gesetz auch genendt worden ein Lehr der hoch=
verstendigen leuth / darauff zu wissen: Gleich wie Fürsten vnnd Her=
ren keinen vnschuldigen sollen straffen / also sollen sie auch die schuldigen
vnd vbelthäter vngestrafft nicht hingehen lassen. Fürnemlich wann ei=
ner gemeiner gueter ordnung vnd pollicey zuwider were. Dann bee=
des / der / welcher den gerechten strafft / vnd der / welcher den vngerech=
ten vngestrafft hingehen lesset / vor Gott ein grewel ist. Die Vierdte
eigenschafft des Gesatzes ist ein zucht vnd straff dessen / was einer in ex=
cessu
, ihm zu wenig oder zuuiel thuen / peccirt vnd sündiget. Dann dar=
umb sind die Gesetz geben / daß man der Menschen muetwillen dar=
durch stille / vnd der from~e vor bösen bueben geschützt werde. Sonsten
wann sich die Menschen nicht fürchten müsten / vñ sie von der Obrig=
keit darumben nit gestrafft würden / könte man sie zu keinem gehorsam
bringen. Die Fünffte eigenschafft ist / das es ein wolanstehen einer
Statt sey / dann die Ciuitas eine Statt den namen ab vnitate ciuium,
von einigkeit der Bürger hat. Derowegen müssen auch wir in vnsern
Landen alle Satzungen vnd Ordnungen auff den allgemeinen nutz des
Vatterlandes / guete Pollicey vnd Regiment fundirn vnd richten. Dan~
gleich wie man auß einer Medicina vnd artzney darumb nichts anders
solle verhoffen / dann daß solche zur leibs gesundtheit werde gereichen /
weiln solche Cura derentwegen angestelt worden: Also auch soll man
von gueten Satzungen anders nichts verhoffen noch abnehmen / dann
daß sie dem gemeine nutz vnd regiment / darumb sie gegeben worden /
dienen werden. Die Sechste eigenschafft des Gesetzes ist eine mei=
dung der schande vnd laster: dann nach außsag des H. Thomae Aqui=
natis
,sind Menschliche Gesatz darumb geben / damit die leuth von
vntugenden abgehalten / vnd zu allen guten tugenden gezogen werden.
Dann dem Menschen ist von natur in sein hertz ein sonderlicher appe=
titus
vnd begirde zu tugenden eingepflanzt / aber die volkommenheit
solcher tugendt mueß durch eüserliche zucht / welche meistes theils [Faksimile]
durch haltung gueter Pollicey vnd Gesetz herrüeren / erlanget werden.
Darumb füret obgemelter Thomas weiter eyn vnd sagt: Das Gesetz
sey ein ordnung oder außtheilung der vernunft / auff den gemeinen nutz
gericht / von dem geben der den gemeinen nutz lieb hat / vnnd jhm den=
selben lest angelegen sein. Vnnd ist ein rechte maß vnd richtschnuer /
darnach sich ein jeder im thun vnd lassen richten möge. Dahero soll
ein Gesetz sein billich / ehrlich / vnd also beschaffen / daß es zuhalten
möglich / auch der natur vnd gewonheit des Vatterlandes nicht zuwi=
der: Sondern nach gelegenheit des orts / vnd der zeit nothwendig vnd
nutz sey / deßgleichen auch fein deutlich / damit es nicht wegen der obscu-
ritet
vnd dunckelheit dem Menschen zu calumnirn vnd vnnötigen dispu-
tirn
vrsach gebe. Da aber dasselbe ja also zweiffelhafftig vnd vertun=
ckelt were / gehöret deme die außlegung zue der es gemacht hat / damit
es nicht andern zum schaden auff schrauffen stehe: Auch nicht auff den
eigenen / sondern allgemeinen nutz gericht sey. Vnd ist das darumben
wol zubedencken / dann sobald ein Gesetz geben ist, soll man nicht viel
vom Gesetz / (wie dasselbe zuuerstehn) sondern durch dasselbe vrtheilen.

[E.7] Warumb die Gesetz geben werden / vnnd von
vielerley ämbter derselben.

Vnd sind zwar alle satzungen entweder Gött=
lich oder Menschlich : dann die Göttlichen von Natur /
die Menschlichen aber von den täglichen handel vnnd
wandel / auch üblichen gewonheiten herrüren / vnd dar=
umb bald in disem / bald in jenem Land anderst gehalten werden. Fas,
das ist billich: ist ein Göttlichs Gesatz. Ius: daß Recht / ist ein Mensch=
liche Satzung / dann durch eines andern acker gehen Fas est: ist bil=
lich / denn die Erde ist deß Herren / vñ die fülle derselben. Aber jus non
est
, nicht recht ist es / weil es wird durch Menschen Satzungen vnnd
gewonheiten verbotten. Dahero fragt man / warumb die Menschli=
chen Gesatz sind gegeben worden? Eben darumb / auff daß vmb dero
furcht willen die Menschen im zaum gehalten / der frommen vnschuld
wider die bösen bueben / auch ihre frecheit durch abscheuliche Exempel
vnd harte straff zu ruck gehalten / entlichen auch andere dem Menschen
schädliche gelegenheiten gesperret werden. Nun aber hat das Gesetz
viererley ämbter / dann ein jedes Gesetz entweder ein ding zuelest / oder
verbeüt / strafft / odergebeut. [Faksimile]

Zueläst es / als wann ein woluerdienter ehrlicher mann / wegen sei=
ner tugendt / ein belohnung begert. Es verbeut: alß / daß keiner ein
Closter Jungfraw solle zur ehe begern. Es strafft: alß / daß der jeni=
ge / welcher seinen nechsten vmbgebracht / wider den Kopf verlieren solle.
Bißweilen gebeut es: alß / liebe Gott deinen Herren. Wie auß disem
Lateinischen Verßlein zu sehen:
Quatuor ex verbis virtutes collige legis,
Permittit, punit, imperat, atq[ue] vetat.
Das ist:
In den vier worten allezeit
Des Gsetzes art findst du bereit /
Straffen / verbieten vnd zuelassen /
Bißweilen gebietn / alles nach massen.

[E.8] Von den Statuten vnd Landtrechten.

NAch dem wir nun gesagt haben / was das
Gesetz sey / vnd von dessen vnterscheidt / wollen wir nun
auch von den Statutis oder Landesrechten sagen. Vnd
ist zwar ein Statutum oder Landtsrecht / welches wir
sunsten Decretum zu nennen pflegen / ein gemein Recht in einem Landt /
welches die krafft vnd wirckung eines geschribnen Gesetzes hat. Vnd
wird darumben Statutum genennet / weilen es stett vnd fest geordnet /
vnd den Statum oder standt des gemeinen nutzes definirt vnd beschrei=
bet. Vnd werden offtmals vnter dem namen des Khayserlichen Rech=
tens die Statuta verstanden.

Darumben dann in acht zunemen / daß das Khayserliche Recht
zweyerley sey: Ein allgemeines / welches in denen Rechtsbüchern be=
schriben ist / vnd niemandt anders geben kan / dann der Römische Kay=
ser / vnd sunsten ein anderer hoher Potentat vnd Khünig: Darnach
die Statuta oder municipala (das ist / Statt oder Landtrecht) welche ein
Prouintz, oder jede Landtschafft / auch bißweilen ein Statt für sich selbst
constituirn vnd sagen kan. Das MunicipalRecht / ist ein solch Recht /
welches an ein gewiß ort / Statt oder stelle gesetzt ist / vnd wird also ge=
nent / weilen es allein an demselben orth / Statt oder stelle gebraucht
wirdt. Es wird auch dasselbe Ius Statuarium (wie vorher gesagt) ge=
nennet. [Faksimile]

[E.9] Ob ein Statutum, Landts oder Stattrecht wider das
Bäbstliche / Geistliche / Natürlich oder Göttlich Recht /
möge eingefürt werden?

ANtwort: Souil das Bäbstliche Recht anbe=
langt / sollen die Statuta / welche den priuilegijs, vñ langwi=
rigen wolhergebrachten Freyheiten der Kirchen zu wider
sind / für nichtig gehalten werden. Deßgleichen wann
Statuta verordnet würden / von denen artickln des Glaubens / vnd wel=
che der Seelen seeligkeit betreffen. Anbelangendt aber weltliche ding /
so praeiudicirn solche Statuta dem Geistlichen Rechten / vnd werden dem=
selben in solchem fall fürgezogen.

Souil aber das Natürliche oder Göttliche Recht betrifft / ob schon
solche Satzung dieselben Recht nit gantz vñ gar aufheben künnen / mag
man doch wol darumben distinguirn, vnd ein vnterscheid machen. Als
nemlichen: Gott sagt ohne vnterschied: Du solst nit Tödten / Aber das
Menschlich Gesetz vnnd Statuta lassen den Todtschlag in viel weg zue.
Ebner massen künnen wir auch sagen von dem Zehent / den Gott zu ge=
ben befohlen hat / vnnd doch denselben nicht zureichen der Babst viel
priuilegirt vnd befreyet. Derohalben schliessen wir / daß die Statuta,
Landtrechten / Gesatz vnd Rescripta das Natürlich oder Geistlich Recht
ganz vnd gar nit auffheben mögen / dann weder Babst / Heiliger oder
anderer kündte ordnen vnd befehlen / daß man das Newe oder Alte Te=
stament nit halten / oder das die Kinder von den Eltern nit erzogen wer=
den solten. Aber das man einen verrüchten offentlichen Rauber / oder
ein Dieb / bey nächtlicher weil solt vm~bringen / künnen solche vñ derglei=
chen limitationes vnd Rechten / welche auß gueten erheblichen vrsa=
chen herrüren / wider das Göttlich vnd Natürliche Recht wol gemacht
vnd geordnet werden.

[E.10] Was die Gewonheit sey / vnd was zu einer recht=
messigen Gewonheit bestättigung gehöre.

NVn müssen wir auch von der Gewonheit et=
was melden. Ist demnach zu wissen / daß die Gewon=
heit / durch die gebreuch ein eingefürtes Recht sey / wel=
ches ein mangel desgeschribnen Rechtens für dasselbe [Faksimile]
gehalten wird / vnd wird nit ander schrifft erkandt / ob solche Gewonheit
der vernunft gemeß sey oder nit / dieweil auch die beschribnen Recht /
von deroselben ration, das ist / vernünfftigen gueten vrsachen / vnd be=
wegnussen commendirt, gelobt vnd gebillicht werden.

Wann nun ein Gesetz solche vernünfftige vrsachen vnnd motiuen
hat / helt man allein solche guete bewegnuß vnd vernunfft für das Ge=
saz / welche das Gesatz verordnet haben, wann sie nur Gottes Wort /
eüsserlicher feiner zucht / vnd der Seelen heil vnd seeligkeit nit zu wider /
sondern nützlich sein.

Die Gewonheit aber ist darumb also genandt / dieweil es die leut
also gewohnen / vñ derselben gewonheit sich hernach in gemein gebrau=
chen: Aber deutlicher kan die Gewonheit beschriben werden nach vn=
serm verstandt: Daß dieselbe sey ein Recht / welches auß dem gebrau=
chen dessen / der völlige macht vnd gewalt hat offentliche Gesatz fürzu=
schreiben / eingefürht worden. Derohalben wirdt auch durch das
wörtlein / Recht / die Gewonheit verstanden / vnnd so der Landtsfürst
befelch thuet / vermög der Rechten zu vrteilen / so mag der Richter in
der sachen wol auff die Gewonheit vnd Statuta gehen / wie dann auch
vnter dem namen der Gewonheit die gemeine Khayserliche Recht ver=
standen werden: Darumben so einer in seiner klag sich auff die gewon=
heit berufft / wird vermuetet / daß er sein klag ebner massen auff die ge=
meinen beschribenen Recht fundirt habe. Es kan aber ein jedes Volck
an einem gewissen ort ein besundere gewonheit introducirn, vnd einfü=
ren / aber das diselbe krafft vnd wirckung habe / sein darzu etliche stuck
von nötten.

Erstlichen / daß sie auß vernünfftigen gueten vrsachen vnd beweg=
nussen herkommen: das ist / auff das ende der Rechten gericht sey. Das
ende aber Geistliches vnd Göttlichen Rechtens ist der seelen seeligkeit.
Des allgemeinen geschribenen Rechts ist die betrachtung gemeinen
nutzes. Darumb / wann die Gewonheit der Seelen heil vnd seeligkeit
nutz vnd guet ist: so ist sie den Göttlichen vnd Geistlichen Rechten ge=
meß / vnd vernünftig: Wo aber die Gewonheiten solchen scopum vnd
ziel nit für sich haben / seind sie beedes wider Geistlich / Göttlich vnnd
weltlich Recht / darumben auch vnuernünftig. Aber dem gemeinen
Weltlichen Rechten nach / ist die jenig gewonheit vernünfftig / welche
auff gemeinen nutz gerichtet ist. Vnd weilen absunderliche Regeln von
der Gewonheit nicht verhanden / noch fürgeschriben sindt / so sage / daß
diejenige Gewonheit / welche den natürlichen allgemeinen Burgerli=
chen [Faksimile] Landt vnd Stattrechten nicht zu wider / vermuetlichen vernünff=
tig sey.

Weil dann das geschribne Recht auff der vernunfft gegründet ist / so
lest es sich ja ansehen / daß keine Gewonheit / welche dem Rechten zu
wider / vernünftig sein künne? Aber es ist darauff zu sagen / daß sol=
ches / wann man von beeden theilen vnterschiedliche vrsachen bedencken
wil / gar wol sein / vnd ein vernünfftige gewonheit wider das vernünff=
tige Recht auffgebracht werden könne. Daher können zwey contraria
vnd widerwertige ding zugleich war sein / aber zu vngleichem ende. Als
zum Exempel: heurathen / vnd nit heurathen.

Zum Andern ist von nötten die præscription oder verjärung. Das
ist: daß sie ihr gebürliche zeit habe / vnnd dardurch so lang confirmirt
vnd erhalten werde / souil zeit zu einer verjärung erfordert wirdt. Vnd
das ist war nach verjärung der Canonen vnd Geistlichen Rechten / vñ
dannoch auch in selben Rechten weiter nit / dann wann diselbe wider
das Ius positiuum, Landt vnd Stattrecht were: Aber vermüg Khay=
serlicher geschribner Rechten / werden mehr nit als zehen Jahr erfor=
dert / ob gleich die gewonheit wider solche Khay: Recht were. Wann
aber die Gewonheit den Geistlichen Rechten zuwider were / sindt vier=
zig Jar von nötten: Doch wann es praeter ius,ausserhalb Geistlichen
Rechtens were vnnd nicht darwider / ist ebner massen zehen Jar lang
genueg / vnd hebt solche zeit von der ersten that vnnd actu des Volcks
anzulauffen.

Was nun gesagt ist von denen geschribnen Khayserlichen Rechten /
daß nemlich zehen Jar ohne vnterscheidt vnnd immediatè genueg zu
einer rechtmessigen gewonheit sein: ist solches dahin zu limitirn vnnd
zuuerstehen / es were dann der anfang der gewonheit vnd die that ex=
pressè
vnd augenscheinlich den Regalien, vnd Khay: oder Künig: hoch=
heiten / welche jhme Ihr May: vorbehalten / zuwider: Dann auff sol=
chen fall könte kein gewonheit eingefürt werden / es were dann ein sol=
che zeit / welche vber Menschen gedencken gewehrt / vnd in welcher sol=
cher brauch nie angefochten worden / verflossen.

Zum Dritten mueß auch nach solcher Gewonheit etlich mahl ge=
handelt worden sein. / nach mainung der Rechts verstendigen: Aber du
sage / das solches von sich selbst nit von nötten / sondern dieweil die
Gewonheit auß dem brauch erkendt / vnd gemeinlichen auß einigem
actu vnd fall oder that nicht kan abgenommen werden / darumb sindt
solche handlungen vnd zuetragende fäll alß causa, welche die [Faksimile] Gewon=
heiten verursachen / die Gewonheit aber / das causatum, von welchen
solche gewonheit verursacht worden.

Es werden aber so viel actus vnd kundtbare handlungen erfordert /
darbey man vermuetlichen abnemen kan / daß solches dem Volck vnd
gemein wol bewust / aber nit die handlung / sondern einschleichende con=
sens
vnnd bewilligung des Volcks fürt die Gewonheit eyn: Dahero
khumbts / wann man vermuettungen solches consens hat / daß man
wenig nach der menge vnd vielheit der handlung fragt / ja manichmal
ist ein casus genueg / wann derselbe ein causam successiuam, das ist / ein
für vnd für wehrende vrsachen auff sich / vnd in so langer zeit hat / wel=
che zu einfürung einer rechtmessigen Gewonheit genuegsam ist. Also
wann einer einmal ein Brucken / gemeinen weg / oderwas anders ge=
macht hette / kan dardurch gleichsfalß ein Gewonheit introducirt wer=
den.

[E.11] Was für ein vnterschiedt vnter dem Gesetz vnnd
Gewonheit sey / vnd von dreyerley krafft der Gewonheiten.

DAs Gesetz vnd Gewonheiten werden in drey
Puncten vnterschieden. Erstlichen / weil die Gewonheit
stillschweigendt / das Gesetz aber offentlich eingeführt
wird. Zum andern / dieweil das Gesetz ein geschribnes /
vñ die Gewonheit nicht ein geschribnes Recht ist: Wiewol die schrifft
nicht der wesentliche vnterscheidt des Gesetzes ist. Dann wann ein
Landtsfürst ein Gesatz gibt ohne schrifften / wird dannoch dasselb ein
Gesetz bleiben vnd heissen. Vnd ob schon ein Gewonheit hernach be=
schriben wirdt / behelt sie dannoch den namen der Gewonheit / als die
Lehenrecht / welche gleichwol in schrifften verfast sein. Zum dritten
werden sie vnterschiden in dem das eines geschwindt / das ander lang=
sam seinen anfang gewint: Dann die Gewonheit nicht eingefürt wird
in instanti, das ist / blötzlich vnd geschwindt / vnd gehen diejenigen sa=
chen welche stillschweigendt herkriechen langsamer zue / dann das / was man
vor augen sihet. Ist auch das nimmermehr so gewiß / was man
auß der vermuetung hat / dann dasjenige / welches expressè vnd offent=
lich beschicht. Also gehet es auch mit der Gewonheit zue / welchs suc=
cessiuè
, langsam / vnd nit in puncto, oder von stund an durch das Volck
kan introducirt werden. [Faksimile]

Die Gewonheit aber hat drey tugenden vnnd kräfft: Dann erst=
lichen kan sie am aller besten die Gesatz außlegen. Derowegen / da ein
zweiffel in denen geschribnen Rechten solte fürfallen / sollen wir vns
nach der Gewonheit eines jeden orts richten / vnnd so sie verhanden /
sollen wir von dem verstandt / den die Gewonheit geben hat / nit wei=
chen. Zum andern / hat sie solche tugenden / daß auch solche gemeinen
Rechten præiudicirn vnd etwas benemen kan. Zum dritten / volgt sie
denen geschribnen Rechten nach / dann in mangel derselben gilt sie eben
souil als andere Khayserliche geschribne Recht.

[E.12] Was von dem Gesetz / geschribnen Rechten / Statuten vnd
Gewonheiten zu halten sey / da dieselben einander zu wider weren.

ES istdie frag / wann die geschribne Khayserli=
che vnd Khünigliche Constitutiones vnd andere Gewon=
heiten einander zu wider seyen / welchem man nachkom=
men solle: Sage / im fall die geschribnen Rechten vor=
her gehen / vnd die Gewonheit / welche dem Gesetz zuwider ist / hernach
auffkom~en / vnd ein allgemeine Gewonheit ist / daß dieselbige in allweg
den gemeinen geschribnen Rechten vorzogen werde. So aber die
Gewonheit Particularis, vnd nicht allgemein were / so kan sie auch de=
nen geschribnen Rechten gantz vnd gar nit vorgezogen werden / sondern
hat jre würckung allein am jenigen ort / da sie in specie eingefürt wordé.

Jm fall aber ein Gewonheit were eingefürt / vnd hernach derselben
zuwider ein Gesetz geben worden / so kündte dieGewonheit solchen nach=
volgenden Rechten nichts benemen: Ja sie würde vielmehr durch das=
selbige nachuolgende Gesetz gantz vnd gar auffgehoben.

Aber die Canonisten vnd Rechtsuerstendigen in Geistlichen Rech=
ten halten das widerspill / sagende: Daß das Gesetz Bäbst:Heil: einen
gewissen Landts oder Stattgebrauch der solchem Gesetz zuwider / nicht
vmbstost / so nur dasselbe außtrucklich im Gesetz gemeldt worden.

Dann nicht vermuetlich / das Bäbst: Heil: widerwertige Gewon=
heit wissen möge / dannen her auch zuschliessen / daß so ein Statt oder
Gemein Statuten jhrer Gewonheit zuwider machte / daß alsdann sol=
che Gewonheit dardurch auffgehoben werde / obgleich daruon nit auß=
trucklich meldung beschehen: dann vermuetlichen / daß ein Statt oder
Volck sein eigen Landtsbrauch wisse. [Faksimile]

[E.12.1] Setze demnach zwo Regeln.

Die Erste.
WAnn die Gewonheit vorher gehet / vnd ein allgemeines Gesetz
derselben zuwider hernach volgt / daß dieselb vorgehende Ge=
wonheit dardurch auffgehoben werde.

Die Ander.
Wann das Gesetz vorher gehet / vnd ein Gewonheit dem Gesetz zu=
wider hernach volget / alß dann wirdt das vorher gehende Gesetz dar=
durch auffgehoben.

Welches dahin zuuerstehen / wie gesagt / daß die allgemein Gewon=
heit durch ein solches Volck ist eingefürt worden / welche das Gesetz
vnd allgemeine Gewonheiten einzuführn macht hat. Dann da die
Gewonheit nur auff ein gewiß ort gericht were / erstreckte sich jhr wür=
ckung / vnd schadet dem Gesetz weiter nicht / dann an dem jenigen ort /
da es in übung ist.

Da sich aber ein fall begebe / welcher weder in geschribnen Rech=
ten / noch durch die Gewonheit decidirt vnd erleutert were / vnnd doch
zum theil dem geschribnen Rechten / zum theil aber der Gewonheit
ehnlich oder gleichformig were wird von vilen gezweifelt / nach welchem
man sich halten / welches gleichnuß / vnd eins dem andern man vorzie=
hen solle: Darauff sage ich vnd fast alle obbeschribne zweifelhafftige
fragen zusamen.

Wann der fall der Gewonheit allein gemeß ist / soll man demselben
folgen. Wann er aber dem geschribnen Rechten gemeß ist / soll man
ebner massen dem Gesetz folgen. So es aber beedes von denen geschrib=
nen Rechten / dann´auch den Gewonheiten ein gleichnuß neme / solle
man dem nachgehen welches dem andern theil mehr ehnlich ist.

Zum Andern / welches auß bessern bewegnussen / vnd vernünffti=
gen vrsachen vnnd billigkeit herkumbt. So dann ein gleichheit auff
allen seiten sein wirdt / alß dann da die strittige sachen die Gewonheit
antreffe / soll man der Gewonheit gleichheit: Im fall aber die materia
vñ strittige fäll das geschribne Recht angienge / sollen wir ebner massen
desselben gleichnuß nach sententionirn vnd schliessen. [Faksimile]

[E.13] Was ein Richter / Gericht / deßgleichen was ein
Rechtssachen / Klager vnd Beklagter sey?

DJeweilen aber zur moderation vnnd messi=
gung der Gesetz Richter fürgesetzt sindt / welche auß
krafft jhrer habenden Iurisdiction vnd tragenden ambts
durch Gerichtliches vnd rechtmessiges Examen alle ding
fleissig erwegen. Derohalben wird nit absurdè vn~ vbel gethan sein / auch
von denselben etwas zusagen. Darauff zu wissen / daß darumb einer
Richter genendt wird / weil er das Recht spricht / oder darüber erkendt /
vnd solche Gerechtigkeit dem Volck mittheilet vnd widerfahren lest.

Das Recht aber ist der Gerechtigkeit obiectum vnd gegenwurff /
damit die Gerechtigkeit vmbgehet / dahero dann das wort / Gericht /
nach eigenschafft dessen namens / einen sententz oder spruch des Rechten
in der sachen / welche für den Richter gebracht worden / in sich begreifft.

Ein causa aber / das ist / ein fall oder sachen hat den namen vom ca=
su
, das ist / Zuefall / daher es khumbt / dann es ist ein materia vnnd vr=
sprung der gantzen handlung / welche durch Rechtliches Examen vnd
erwegung noch nit außgesprochen oder offenbaret ist. Dann so baldt
ein handlung proponirt wird / wird solche caussa genendt: Wann man
darüber erkendt / heist es judicium: Wann darüber der sententz erge=
het / heist es Iustitia, Gerechtigkeit / vnd hie an disem ort wird das die
Gerechtigkeit genandt / welche das Gesetz genennet wird. Das Gesetz
aber wird Status oder zuestandt des Rechtens genendt / dann durch ei=
nen sententz oder Rechtlichen spruch wird das Recht für sich selbsten
nit bestellet / sondern der Status, zuestandt vnd gelegenheit des Rechtens
erklärt.

Es sind aber in einer jeden sachen / welche vmb erkandtnuß willen
für Gericht gebracht wird / dise drey Personen nothwendig. Ein Rich=
ter / Klager vnd Beklagter: Wofern die sachen zweifelhafftig / auch
zeugnüssen nothwendig erfordert. Derohalben der Actor, accusator
genennet wird / dieweil er ad causam citirt vnd ruefft: Reus, der beklag=
te / à re, von der sachen welche Gerichtlich begert wird / ob jhme schon
vmb den handel nichts bewust ist. Testes,die Zeügen werden von al=
ters her genennet superstites, dieweil sie vber dem Statu der sachen pro=
ducirt
vnd gefürt werden. Aristoteles sagt auch darumb / daß die Men=
schen zum Richter fliehen / alß zu einer lebendigen Gerechtigkeit. [Faksimile]

[E.14] Wievil Stuck zu einem Gericht von nöten / daß es ein
actus vnd abhandlung der Gerechtigkeit sein möge. Deßglei=
chen von der Jurisdiction, ambt vñ condition eines gueten Richters.

AVff das nun ein Gericht sey / actus Iustitiæ
(wie Thomas sagt) das ist ein handlung der Gerechtig=
keit / sein drey stuck von nöten. Erstlichen / daß es auß
gueter zueneigung der Gerechtigkeit hergehe. Zum an=
dern / daß es hergehe von der authoritet, ansehen / Iurisdiction vnnd
macht dessen / der das Gericht besitzt vnd demselben præsidirt. Zum
dritten / daß es herkhomme vnnd außgesprochen werde auß der weiß=
heit rechter vernunfft.

Dann so in einem bestelten Gericht der Gerechtigkeit etwas zuwi=
der gehandlet / oder durch diejenige / welche die macht zu richten nit ha=
ben / oder sunsten ohne verstandt / vernünfftige vnd weißliche erwegung
etwas gesprochen wird, ist dasselbe kein rechtes / sondern wird für ein
falsches vnd vnrechtmessiges Gericht gehalten.

Die Iurisdiction aber ist ein macht zu richten / welche durch das of=
fentlicheRecht geben worden. Vnd khumbt Iurisdictio von dem wört=
lein ditio, das ist / macht vnd gewalt / vnd vom wörtlein Iuris, das ist
des Rechtens / vnd heist beedes zusam~en ein Rechts gewalt.

Das Ambt aber eines Richters ist das gebürliche Recht / welches
jhme dem Richter in denen sachen / welche vor jhme als Richter in der
sachen etwas wegen tragenden Ambts vnd der gebür nach zu thuen
oder zu handlen gebracht / geben worden. Es ist aber ein vnterscheidt
zwischen dem Richterlichen Ambt vnd Iurisdiction, gleich wie actio die
klag vnd zucspruch den ich zu einem hab / vnd die obligatio, das ist die
vrsachen / darumben ich ihn beklag / vnd er mir also verbunden ist / vn=
terschiden sindt. Dann gleich wie einer dasjenige durch klag erlangt /
darumben sich ein anderer verobligirt vnd verbunden hat: Also auch
wird das durchs Richterliche Ambt Exequirt vnnd volzogen / was in
seinen Gerichts zwang kommen ist.

Einem Richter aber ligt fürnemlich ob / daß er alle sachen zeitlich
erwege / vnd sich in sententionirn vnd erkandtnussen nit vbereyle. Son=
sten wird sein præcipitata vnd vbereylter will ein stieffmueter der Ge=
rechtigkeit genendt. Soll auch einem theil nit mehr günnen alß dem an=
dern / noch jrgendt ein ansehen der Person haben / sondern seines nech=
sten noth vnd anligen anderst nit schützen vnd betrachten alß wann es [Faksimile]
sein eigne noth vnd anligen were. Jnsonderheit aber soll er seinen affe=
ctionen
vnnd begierden nicht nachhengen / auch sich weder durch bitt /
freundtschafft oder lieb bewegen lassen. Dann ob wol cin Richter ein
gerecht vrtel spricht / mueß er dannoch vor Gott darumb rechenschafft
geben / ob ers nit vielmehr auß neyd / dann auß licb der Gerechtigkeit
gethan. Er sol auch nit gar zu vnbarmhertzig / auch nit gar zu barmher=
tzig / sondern im Richten billich sein: Dann in einem jeden Gericht dise
stuck beysammensein sollen / Barmhertzigkeit vnd Tugendt / das ist /
Gerechtigkeit. Dahero Gregorius sagt / daß ein jeder billicher Richter
in seinen händen ein Wag / vnd in einer wagschüssel die Gerechtigkeit /
in der andern die Barmherzigkeit trage: Aber durchdie Gerechtigkeit
felle er den sündern das vrtcl / durch die Barmhertzigkeit lindere er die
verdiente straff. Daß er alsomit gleicher Wag eines durch die billig=
keit corrigirt vnnd strafft / das ander auß barmhertzigkeit ein wenig
nachsiehet / vnd also Gottes Gericht allezeit vor augen habe / vnd mit
zittern jhne in allen sachen fürchte / damit er nit von der Gerechtigkeit
fueßstapffen abweiche vnd falle.

Dann wo die Gerechtigkeit einen Exces, das ist / zuuil oder zu we=
nig thuet / so wird entweder ein Tyranney / oder ein vnordenliches wil=
des leben darauß / vnd wird zwar das Menschliche Gericht auff vierer=
ley weiß verkert. Erstlichen / auß Furcht / in dem wir auß furcht ei=
nes andern gewalts vnd macht die warheit nit reden mögen. Zum
Andern / auß Begierden, in dem wir einem sein hertz durch gab vnd
geschenck corrumpirn vnd einnemen. Zum Dritten / auß Neyd / in
dem wir wider vnsere feindt etwas zu handlen vnß vnterstehen.
Zum Vierdten / auß Lieb / in dem wir vnsern gucten freunden vnd ver=
wanten zu wilfahren vnnd zu dienen begern / daruor sich ein jcder
Richter sonderlich hüeten vnd dise vntugenden fliehen solle.

[E.15] Ob ein Richter / vermüg deß / was die Partheyen Ge=
richtlichen producirt, eingefürt / vnd probirt haben / oder
wie ers in seinem gewissen befindet vnd weiß /
richten solle?

JTem ist dise frag hierunter zu setzen: Ob ein
Richter / vermüg dessen / was die Partheyen Gerichtli=
chen producirt, eingefürt vnd probirt haben / oder wie ers
in seinem gewissen befindet vnd weiß / richten solle? Alß [Faksimile]
zum Exempel, einer wird capitaliter auff leib vñ leben wegen einer miß=
handlung angeklagt / vnd der Richter weiß sein vnschuld / jedoch kom=
men zeugnüß wider jhn eyn / daß er der Thätter sey. Jst die frag / ob er
den vnschuldigen möge vervrteln? Sage / das richten dem Richter zu=
gehöre / weilen jhme offentliche macht vnd gewalt zu richten geben wor=
den. Darumb soll er vor Gericht vnterwisen werden / vnd solle darü=
ber als ein Richter / vnd nit wie ers als ein priuat vnd schlechte Person
in seinem gewissen verstehet vnd weiß / richten. Er aber kan auff zwey=
erley weiß Gerichtlichen vnterwisen werden / vnd die sach verstchen /
entweder in gemein durch offentliche Göttliche vnnd Menschliche Ge=
setz (darwider man keinen beweiß zuelässet) oder aber absunderlich durch
Brieffliche vrkunden / lebendige zeugnüssen / vnd andere rechtmessige
documenta vnd beweiß / denen er in vrteln viel mehr soll volgen / dann
dem / was er in seinem hertzen weiß: daher sagt der H. Augustinus, Ein
fromer Richter soll nichts nach seinem guet beduncken thuen / sondern
soll sich dem gemeß nach halten / was jhme die Gesetz vnnd Recht für=
schreiben vnd ordnen. Jedoch soll der Richter in disem fall bekummert
sein / wie er dem theil / den er in seinem gewissen vnschuldig weiß / möge
schützen / damit er im mangel der zeugen vnd Aduocaten nit vmbkomme.
Da aber die sachen dahin kom~en / daß solcher starcker beweiß Gericht=
lichen producirt worden / welcher nit kan abgeleint / noch vmbgestossen
werden / soll er sonderliche achtung vnnd gueten fleiß haben / daß der
vberwundene vnschuldig ledig werde. Wann aber diß auch nit gehen
wolte / soll er mittel vnd weg suechen / wie er einem andern die sachen (da
es ohne ergernuß geschehen kan) möge aufftragen: So er auch diß nit
thuen kan / soll er nach der Partheyen fürgebrachten beweiß das vrtel
schöpffen. Dann das Richterlich ambt erfoderts / daß er mehr vmb
des gemeinen / dann einer einigen Person nutz willen thue. Dieweil
er auch / souil sein Richterlich ambt anbelangt / ein offentliche Person /
vnd der gemeine nutz viel edler vnnd höher dann eines einigen Men=
schen nutz ist / wie Aristoteles sagt. I. Ethic. Dann so ein Richter ein vr=
tel dem zu gueten / welcher vnschuldig / jedoch vor Gericht vberwisen ist /
spricht / würde solches zu gemeinem schaden gereichen / weilen das Volck
sich darob ergern / vnd also vrsach gegeben vnd gemacht würde / die vn=
schuldigen vnter zudrucken / vnd die schuldigen loß zulassen. Dann so
der Richter wolte einen vnschuldigen verdammen / kündte er sagen / er
wüste es in seinem hertzen daß er schuldig were. Hergegen wann er ei=
nen vbelthäter wolte loß geben / kündte er sagen / er wüste sein vnschuld. [Faksimile]
Vnnd hetten also vnbilliche Richter zur vngerechtigkeit gewünschte
gelegenheit. Ich bekenne es zwar / daß andere anders dauon iudicirn
vnd halten / aber mich deücht daß dise meinung gemeiner vñ billicher sey.

[E.16] Von zwifachen gewissen oder wissenschafft des Rich=
ters / als wissenschafft des handels / vnnd durch
der zeügen außsag.

ABer dieweil vnter den Theologis ein gewisse
meinung ist, daß ein jeder der seinem Gewissen etwas zu=
wider thut / hoch sündige / ist demnach zu wissen / daß ein
Gewissen zweyerley sey. Eines Rei, das ist / der sachen / vnd wie der
handel an ihm selbst beschaffen: vnd Dicti, das ist / dessen / was zum be=
weiß der sachen einkommet. Darumb ein Richter / ob er wol wider sein
Gewissen nemblich Rei, der that thuet / das er anderst richt / als jhme
die that bewust: so thuet er doch nit wider sein Gewissen Dicti, des be=
weiß / welcher in der rechtfertigung wider die that einkom~en ist. Dann
ein anders ist es etwas schlecht hin / vnnd etwas wissen / wie es einem
Richter gebürt. Der Richter aber ist an stat zweyer Personen / als ein
priuat, vnd publica persona. Es kan sich aber wol zuetragen / daß er et=
was wisse als ein priuat Person / vnd wisse es doch nit als ein publica
oder offentliche Person. Gleich wie man sagt / etwas wissen als Gott /
vnd etwas nicht wissen / als ein Mensch. Vnd wie im Euangelio ste=
het: Aber die stundt vnd zeit des Jüngsten Gerichts weiß niemandt /
auch die Engel Gottes nicht / allein der Vatter etc. Welches verstanden
wird / daß er die sachen nicht wisse nach seiner Menschlichen / aber nach
seiner Göttlichen Natur wisse ers. Deßgleichen ein Beichtvatter /
wann derselbe zeugnüß weiß gefragt würde / kan er sagen / er wisse es
nicht was er in der Beicht gehört / dann als ein zeug weiß ers nicht.
Also auch ein Richter soll sein Gewissen / vnd was sein eigne Person be=
trifft / vnterweisen vnd richten nach dem was man offentlich im Gericht
wissen kan. Zu disem obstehenden wil ich nach zwey stuck setzen: Erst=
lich / wañ es ist die höchste Obrigkeit / als der Babst / der RömischeKay=
ser / oder ein anderer der Herr für sich selbsten were / als dann soll er der
warheit nach vrtheilen. Aber ein andere nidrige Obrigkeit soll dem
nach vrtheilen / was Gerichtlichen einkommen vnd erwisen worden / ob
ers schon anderst weiß / dann er thuet daran nicht vnrecht / weilen er in
disem denen geschribnen Rechten vnd Satzungen gebürlichen gehorsam [Faksimile]
leistet. Das ander ist / wann der Richter das Gericht besitzt / vnd ein
anderer vor seinen augen ein mißhandlung begienge / so kan er jhn alß=
bald straffen / als wann seine that durch zeugen erwisen were. Dann
besser ist es etwas mit der that selbst beweisen / dann mit zeugen. Aber
ein anders ist es / wann der Richter ausserhalb seines Ambts ist / dann
so der Richter auß dem Gerichts oder seinem eignen Hauß zum Fenster
herauß sehe / daß einer den andern erwürgte: im fall solches nicht klag=
weiß für ihn käme / oder da es zwar fürgebracht vnnd aber nit erwisen
würde / kündte der Richter solchen Todtschläger zu rettung der war=
heit nicht an die strenge frag werffen lassen. Dann allhie die wissen=
schafft des Richters nit genuegsam ist / daß der Thätter solte peinlich
examinirt werden / dann er weiß das nicht / wie es ein Richter wissen
soll, sondern als ein priuat Person / vnd gilt sein zeugnüß in disem fall
nichts. Dann keiner in einer sachen zugleich Richter vnnd Zeüg sein
kan / darumb soll er anderstwo her vnterwisen werden. Es felt auch
zweifel für / wegen der Diener / vnd derjenigen welche das vrtel an den
armen Sündern exequirn sollen. Wann die jenigen wissen / daß die
zeugen falsch geschworen / oder der Richter vnbillich gerichtet hatt / vnd
doch von dem Richter gezwungen werden den armen Sünder vom le=
ben zum todt zu richten / oder in andere weg zustraffen: Darauff ant=
worten alleTheologi,daß sie zugehorsamen nit schuldig sein / wann sie
es gewiß wissen. Ein anders aber ist es / da sie zweiffeln: Dann also
entschuldiget sie der geleiste gehorsam / den sie der Obrigkeit schuldig
seindt / derohalben sagt der H. Thomas: Wann ein vrtel einen vnträg=
lichen jrrthumb vnd vnbilligkeit in sich hielte / daß sie nicht sollen gehor=
sam leisten / sonsten würden die Züchtiger vñ Hencker entschuldigt sein /
welche die H. Martyrer vmbgebracht haben. Wann aber das vrtel
nit gar augenscheinlich vnbillich were / als dann thuen sie mit der Exe=
cution
nicht vnrecht. Dann es stehet bey jhnen nicht zu disputirn, ob
der sententz recht oder vnrecht gesprochen sey. Darzue bringen
sie den armen nicht vmbs leben / sondern der Richter /
dem sie solches ministerium leisten vnd
handtreichung thuen. [Faksimile]

Der Erste Theil
Von der Dreyfachen abtheilung
der LandtsRechten vnd Gewonheiten dises Hoch=
löblichen Königreichs Hungern in gemein.

TIT. I

NAch dem wir / mit der hilff Gottes / von
etlichen denckwirdigen stucken / welche wir zum
Eingang diß Wercks vorher gehen lassen wollen /
notturfftiglichen tractirt vnnd geredt haben: So
wollen wir nunmehr in specie vnd absonderlichen
von den Gewonheiten oder Landtsrechten diser
Hochlöblichen Cron Hungern auch reden. Dieweiln dann nun alle
rechtmessige Gewonheiten entweder auff die Personen vnd Menschen:
Oder derselben Güter vnd Gewerb: Entlichen rechtliche klagen / ver=
pflichtungen vnd anfoderungen gerichtet: Nun aber kundbar vnd all
wissent ist / daß alle Rechten dem Menschen zu guetem geordnet sindt:
Derowegen will sichs gebüren / daß wir von derselben eigenschafft in
vnserm fürgenom[m]enem vnd angefangenem werck zum ersten / darnach
auch von denen zween andern Theilen / dises gewönlichen Landtrech=
tens / (nicht zwar allezeit directè vnd ordentlich / sondern bißweilen ex=
traordinariè
, nach gelegenheit / art vnd weiß der handlungen / so vor Ge=
richt einkommen) etwas handeln. Hab ich in ansehung dessen / diß
gegenwertige Werck in drey vnterschiedliche stuck abtheilen wöllen.
Vnd wird zwar in dem ersten theil tractirt vnd gehandelt werden von
dem / was den Menschen eigentlichen betrifft vnd angehet. Als nem=
lichen: Von dem anfang vnsers Adelichen herkommens vnd Freyhei=
ten. Jtem wie vnd auff was weis die possessiones vnd freye Edelmans
Gütter vberkommen vnd gubernirt, getheilt vnd verkauft / verwendet
oder vertauschet / verjäret oder verpfendet werden. Deßgleichen von [Faksimile]
der / vnd abfertigung der Edelleuth Töchter vnd Wittiben /
wegen ihres Quartalitij vnd dotalitij, das ist: Jhres gebürenden Erb=
theils vnd Heurathguets / daß sie auff ihrer verstorbenen Vätter vnd
Ehegemahlen Gütern zusuchen haben. Entlichen von der farunden
vnd ligenden Haab vnd Güetern schatzungen.

Im andern Theil aber / wie man in denen sachen vnd handlungen /
welche sich wegen obgedachter possessionen vnnd anderer handel vor
Gericht erheben / vnnd anhengig gemacht werden / Rechtlichen proce=
dirn, exequirn
, vnd darüber die sententz vnd vrtel pronuncirn vnd fel=
len solle.

Jn dem Dritten vnd letzten / von der Ordnung vnd weiß / durch
welche Gerichtshandlungen per appellationis viam, an das Königliche
Hoffgericht oder Tafel von allen Spanschafften: So wol auch auß
Crabaten / Windischlandt vnnd Sibenbürgen / deßgleichen von den
Geistlichen Stuelen deducirt vnd vberschicket werden. Jtem von der
Freystätt Satzungen vnd Statuten, von Peinlichen Halßgerichten vnd
deroselben proces vnd entschiedungen / neben andern mehr darzu noth=
wendig gehörigen sachen.

[TIT. II] Von dem Ersten Theil der Landtsrechten vnd Gewon=
heiten in Specie: Vnd zwar erstlichen / daß sich alle Personen / sie
seyn Geistlich oder Weltlich gleicher freyheit gebrauchen.

VVrnemblichen ist zu wissen / daß etlichePer=
sonen / von welcher Landtsrecht vnd gebreuchen jetzo ge=
handelt wird / Geistlich / etliche aber Weltlich sein. Vnd
obwol die Geistlichen Personen / (durch welche als mit=
tel vnser lieber Herr vnnd Seligmacher / der Menschen
heil vnd seligkeit in acht zu nehmen vnnd zu administrirn befohlen hat)
wirdiger als die Weltlichen gehalten werden: Jedoch haben alle
Prælaten vnd Geistliche / Kirchenvorsteher / vnnd andere Landtständt /
Herrn vnd vom Adel dises Königreichs Hungern / souiel den Adel vnd
zeitliche Güter betrifft / einerley vnd gleiche prærogatiuen vnd Freyhei=
ten / vnd hat ein Herr von solcher Freyheit nicht mehr als ein Edelman:
Der Edelman auch nicht weniger von der Freyheit. Daher sie sich
dann einerley Recht vnnd Gewonheiten gebrauchen / auch zu gleicher [Faksimile]
weiß in Rechten procedirn vnd verfahren: Ohne allein / das ein vnter=
schid in dem ist / was die Homagia vnd erlegung verfallener straffen an=
trifft. Dann die Herren Prælaten vnnd Freyherren hundert / ander
vom Adel aber wegen des Homagij funfftzig Marck consequirn vnd er=
langen. Dauon hieunten deutlicher gesagt soll werden. Vnd geschicht
das nicht vmb der Freyheit willen / sondern in ansehung vnd wirdigkeit
tragenden Ambts. Als die Herren Prælaten wegen wirdigkeit des
Priesterthumbs: Andere des Herren Standts / wegen hoheit tragen=
den ambts / dardurch sie durch den Landtsfürsten erhöhet vnd andern
vorgezogen werden. Dahero sie dann auch bey dem König den vor=
zueg vor anderen im stehen vnnd sitzen / so woln im versamletem Rhat
die erste stim[m] haben. Werden auch was das auffnehmen / defension vnd
schutz des Vatterlandes anbelanget / krafft jhrer wirdigkeit vnnd tra=
genden hohen ambts / andern vom Adel billich vorgezogen.

TIT. III. Von Vrsprung vnd anfang vnsers Adels / vnd wie
das Regiment auff vnsern König kommen sey?

OB ich wol nit historias erzehlen / sondern diser
Hochlöblichen Cron Hungern übliche Landtsrechten vñ
Gewonheiten zubeschreiben mir fürgenommen habe:
Dieweiln ich aber oben gesagt / das alle vnd jede Geistli=
che vnd Weltliche Herren Prælaten, Freyherren vnd von
Adel / gleicher prærogatiuen vnd freyheiten sich gebrauchen / von vielen
aber möcht in zweifel gesetzt werden / von wannen dann vnser Adel / von
welchem Herren / vnd andere Stände jhren anfang haben / herkom[m]en /
vnd welche für recht Edelleuth sollen gehalten werden: Demnach ist
zu wissen / das obwol / nach meinung erfahrner verstendiger leuth / der
jenige Edel ist / den sein tugendt Edel machet: Jedoch souil vnser propo=
situm
belanget / sagt man das vnser Adelicher Standt / welcher vnter
dem wörtlein freyer leuth gemeiniglich verstanden wirdt / Erstlichen
vnter den Hunnen oder Hungern / nach dem sie aus Scythia in Panno=
niam
, welches Landes name jetzundt verwechselt worden / vnd von den
Hungern / die es bewohnen / Hungaria genennet wirdt / seinen anfang
genommen habe / der gestalt: Das nach dem die Hunnen mit sambt
Weib vnd Kind vnd jhrem ganzen familia auß Scythia gezogen / vnd [Faksimile]
hin vnd wider das Landt baweten vnnd herumb schweiffeten / haben
sie vnter jhnen ordenliche Haubtleuth / vnd einen Obristen / der vnter
jhnen alle strittigkeiten erörterte / vnd Dieb / Mörder / vñ andere vbel=
thäter straffete / auffgeworffen / vnd durch ein Decret einhelliglichen be=
schlossen. Wann sich etwas zutrüge / daran jhnen sambtlichen vnd zu
gleich gelegen / oder sonsten ein allgemeiner vortzug vnd Kriegsexpedi=
tion
von nöthen wäre: Daß alß dann ein blosser bluetiger Säbl / mit=
ten durch der Hunnen Zelten vnd Leger getragen / vnnd auff nachfol=
gende weiß außgerueffen würde. Die Stimme Gottes vnd der be=
felch der ganzenGemeine ist / auff daß ein jeder / an disem oder jenem
orth (welcher müste genennet werden) mit seiner besten Wehr / vnd wie
er kan auffkommen / erscheine / vnd zugleich den Rhatschlag vnd befelch
der Gemeine anhöre. Dise Gewonheit vnter den Hungern hat ge=
wehret biß zun zeitten des Fürsten Geyssæ welcher ein Vatter gewesen /
weilandt seligster gedechtnuß / vnsers Landtsfürsten vnd H. Apostels
Stephani, des ersten Königs der Hungern / vñ ist vnuerbrüchlich gehal=
ten worden. Welche viel Hunnen zu Bawren vnd dienstbar gemacht.
Dann es war also beschlossen / welcher obbemeltem gebot kein gehorsam
leistete / vnd deß vngehorsams kein erhebliche vrsachen fürwenden kün=
te / daß derselbe entweder mitten von einander gehawen / oder zu ewi=
ger dienstbarkeit gebracht würde. Diß Gesetz (wie ob vermeldet)
hat viel Hungern zu gemeinen Befelchsleuthen gemacht. Dann die=
weil sie alle zugleich von Hunno vnd Magor jhren vrsprung haben vnd
herkommen sindt / war nicht möglich. / daß diser Herr / jener Knecht:
Einer ein Edelman / der ander ein Bawr sein solte. Nach dem aber aus
angeben deß H. Geists die Hungern zum erkendtnuß der warheit / Ca=
tholischen Glauben vnd Profession kommen / vnd daß auß hilff deß H.
Königs Stephani, den die Hungern auß freyem willen zum König er=
wehlet vnnd gekrönet / ist alle völlige Macht vnd gewalt / die digniteten
vnd Adeliche freyheiten / vnnd folgents Iura possessionaria Freye Edel=
mans güter / damit die von Adel gezieret / vnd allein von dem gemeinen
Mann vnterschiden werden: zu conferirn vñ außzutheilen / der Iurisdi=
ction
diser H. Cron Hungern vnd folgents vnsern Landtsfürsten vnd
König heimgefallen / vnd von der Gemeine vnd derselben authoritet, das
ganze Regiment zuegleich mit vbergeben worden. Bey welchen jetzo
aller anfang deß Adels / vnd gleichsamb durch eine vbergab kommen
ist / die beede theil / so wol den Herren als Vnterthanen also verbündtli=
chen helt vnnd an einander henget macht / daß eines ohne das ander [Faksimile]
nicht sein / noch von einander geschieden werden kan. Dann es kan
keiner König werden / es erwehlen jhne dann die Edelleuth darzue / wird
auch keiner ein Edelman / es werde jhme dann solche dignitet vom Kö=
nig conferirt.

TIT. IIII.
Daß der rechte Adel durch vbung im Kriegswesen vnd
andere tugenden zuwegen gebracht: Vnd durch schenckung eines
Edelmans / oder Freyguets / vom König beschehen /
roborirt vnd bekrefftigt werde.

DErohalben wirdt der rechte Adel durch erfa=
renheit deß Kriegs wesens vnnd übung gueter Ritter=
schafft auch andern deß gemüts vnnd leibs löblicher tu=
genden zuwegen gebracht: Dann wann vnser König
jrgendt einem / wer der auch sey / wegen seiner dapffern Thaten vnd ge=
trewen diensten / ein Schloß / Statt / vnd Dorff / oder sonsten ein pos=
session
vnd Freyguet schenckete / wird derselbe alßbald durch solch Fürst=
lich geschenck / (jedoch daß er auch hernacher statuirt vnd rechtmessiger
weiß darein eingewisen werde) zum rechten Edelman / vnd wirdt das
Bewrische joch / daß ihm auff dem halß lage / gantz vnd gar von ihm ge=
nommen. Vnnd solche geschenckte Freyheit / wirdt bey vns der Adel
genennet. Dannenhero auch solcher Edelleuth nachkom[m]en billich Hæ=
redes
, Erben vnd freye Edelleuth genennet werden. Vnd solche Edel=
leuth sindt vermög oben angezeigter / von beeden theilen schuldiger ver=
bündtnuß mitgenossen vnnd glieder der H. Cron Hungern / vnnd kei=
nem Menschen ausser dem rechtmessig erwölten vnnd gekrönten König
vnterworffen.

TIT. V. Daß ein jeder / der durch sein eigen verdienst Gütter
vberkommen hat / damit zuthuen oder zulassen
frey macht habe.

WAnn nun jrgendt einer / wegen übung gueter
Ritterschafft ein Freyguet obgehörter massen bekommen /
so nennen es die Rechts verstendigen peculium castrense, [Faksimile]
Kriegßmans Guet: Wann es aber einer wegen lernung freyer Kün=
ste / vnd durch seine geschickligkeit erlanget / nennen sie es quasi castren=
se peculium
, das ist / welches gleichsamb dem so durchs Kriegß wesen
erarnet wirdt / gleich ist. Daher hat dise vralte löbliche Gewonheit bey
vns jhren vrsprung genommen / das ein jeder Herr oder Edelman
möge nach seinem gefallen / ehe vnd zuuor er mit seinem Vattern vnnd
Brüdern abtheilung gehalten / (von welcher theilung vnd wie dieselbe
gehalten werden soll / wirdt hieunten deutlichere vnnd weitleufftigere
meldung geschehen) mit allen seinen sachen vnd habenden güttern / wel=
che er durch eigene mühe vnd arbeit / trewe dienst vnnd löbliche tugen=
den / auff waserley weiß es wölle / erworben / frey vngehindert vmbge=
hen / vnd dieselben seines gefallens disponirn.

TIT. VI. Das einer auch ohne Collation eines solchen Freyguets
könne geadelt werden: Vnd das zu erweisung Adeliches Stan=
des die Wappen vor Gericht vnnötig sein.

WEiter ist zu wissen / das auch auff ein andere
weiß vnnd ohne Collation solcher possession oder Frey=
guets einer könne geadelt werden. Als nemlich / wenn
jhr König: Mtt: einen gemeinen Mann / der nicht Edel
sondern schlechtes herkommens ist / von solchem joch der dienstbarkeit
weg nimbt / vnd in die anzall vnd hauffen der rechten Edelleuth adscri=
birt
vnnd erhebt / so werden auch solche ohne collation einer possession
für rechte Edelleuth gehalten. Welche zwar / auff obberürte zweyer=
ley weiß / geadelte Personen / vnd deroselben rechtmessige von Mannes
stammen herrürende Erben / rechte Edelleuth sein / (ob sie gleich keine
Wappen / noch vber solche beschehene collation keinen Wappen=
brieff auffgericht haben.) Dann wann Jhr Khönig: May: einem
ein Wappen gibt / ist solches zum Adelichen Stande nicht de necessitate,
als ob es sein müste: Sondern de bene esse, dieweil es wol stehet. Dañ
so einer schlecht hin ein Wappen vberkommet machts ihn nicht Edel:
weil viel Burger vnnd gemeine leuth sindt / die ebner massen durch den
Landtsfürsten Wappenmässig gemacht sindt / vnnd werden doch da=
rumben nicht in die zall der Edelleuth gerechnet. Derowegen zu be=
weisung Adeliches herkommens / wirdt vor Gericht nit begert / daß [Faksimile]
einer sein Wappen oder Wappenbrieff solle auffweisen: Sondern al=
lein die darüber auffgerichte donationales vnd statutoria, welche / neben
erklerung des conferirten vnd geschenckten Guets darüber auffgericht
vnd herauß geben sindt / müssen producirt werden. Oder wann solche
nicht vorhanden / so werden die Expeditoriæ Schein vnd Quittungen /
welche einem wegen bezahlung der Quartalitien (jedoch daß ein solche
zeit / welche zur verjärung vnd præscription solcher Regalien genuegsam
ist / verflossen sey) geben worden / zum beweiß Adeliches Standes für
gar gnuegsam erkennet. Dann die Quartalitia nicht / deñ von den Frey=
gütern geraicht werden. Aber von denen Gütern / welche ein Herr
oder Edelman erkaufft / geben dieselben jhren Töchtern den gebürenden
theil vnd nicht Quartalitium.

T. VII.
Daß der jenig von einem Edlen Vatter vnd einer vn=
edlen Mueter geboren ein rechter Edelman sey:
Aber nicht contrà.

DEßgleichen die jenigen / welche von einer Ed=
len Mueter vnd derer Vatter ein Bawr gewesen gebo=
ren / sindt keine Edelleuth. Es were dann das Weib von
Jhr Kön: Mtt: zu einem warhafften Erben der Vätter=
lichen Freygüter (jedoch den agnaten vnd rechtmessigen successorn ohne
schaden) præficirt vnd angesetzt. Als dann werden solche Kinder ob sie
schon von einem Edlen Vatter geboren (dieweiln solche Königliche præ=
fection
die natur vnd krafft hat einer donation vnnd conferirung eines
Freyguets) gleichwol für Edelleuth gehalten. Hergegen aber von ei=
nem Edlen Vatter / vnnd einer Vnedlen Mueter geboren sindt rechte
Edelleuth. Denn der Vatter zeugt / die Mueter aber gibt allein den
Form zum Kinder zeugen. Wie aber solche præfection geschehen könne
vnd möge / wirstu hieunten etwas weiters dauon geschriben finden.

TIT. VIII.
Daß auch einer durch die Adoption, anwinschung
der Kinder zum Edelman werde.

[Faksimile] DEßgleichen wirdt auch auff ein andere weiß
durch die Adoption einer zum Edelman. Alß wann ein
Herr oder vom Adel einen gemeinen Mann oder Bawrn
an Kindsstatt auffnimbt / vnd jhn zu einem Erben seiner
Güeter substituirt vnd einsetzt / vnd Kön: Mtt. jhren Consens vnd wil=
len darzue geben / vnd darauff die rechtmessige statution vnd einweisung
in solche Güeter gefolgt ist. Dañ solche anwinschung / adoptio genandt /
gleicher weiß wie die præfection vnd ansetzung mit Kön: Consens, krafft
vnd wirckung einer Königlichen donation vnd gnad hat / dardurch der
vnedele in Adelichen Standt erhebt wirdt.

TIT. IX.
Von den vier Priuilegirten vnd fürnemsten Frey=
heiten derer vom Adel.

OBwol solche vom Adel viel Freyheiten ha=
ben / welche durch Fürstl: Priuilegien vnd constitution ge=
nuegsam erkleret sein: Helt man doch dise Vier nach=
folgende vor die fürnembste / welche ich allhie setzen
wöllen.

Erstlichen daß dieselben ohne vorgehende Rechtliche Citation / vnd
ehe sie durch einen ordentlichen Gerichtlichen proces condemnirt, in
eigner Person / auff jrgent eines klagen / lauffen vnd bitten / an keinem
orth / auch von keinem Menschen mögen auffgehalten werden. Jedoch
verwirckt man dise Freyheit in Criminalsachen. Alß fürsetzlichem Todt=
schlag / Brandt / Diebstall / Rauberey vnd Mörderey / dann auch ge=
waltthätigem Ehebruch / dardurch ein jeder sein Ehr / Tittel vnd Frey=
heit verlieret / vnd mag durch einen jeden / da es müglich / auch einen
Bawren / auff frischer That / vnd an dem orth da er die vbelthat began=
gen / frey / ohne entgelt auffgehalten / vnnd hernach seinem verbrechen
nach vervrtelt / vnd der billigkeit nach gestrafft werden. Jedoch / wenn
der Thätter / von dem orth / da die That begangen / auß der handt seines
gegentheils entwischt / vnd entrünnen / kan man jhme darnach anderst
nicht beykommen / dann er werde Rechtlichen Citirt, vnd mit Gericht=
lichen ordentlichen proces vervrtheilt.

Die Andere Freyheit ist / daß der Edelleuth in gantzem Landt
keiner / ausserhalb des Rechtmessigen gekröntenKönigs (wie obgesagt) [Faksimile]
Iurisdiction vnd gewalt vnd gewalt vnterworffen sey. Vnd vnser Landsfürst / oder
König selbsten / kan keinen Edelman / auff eines andern klag vnd ver=
meinte vnrechte angebung / ausser Gerichtlichen ordentlichen proces,
vnd ehe er die andere Parthey auch gehört / weder an seiner eignen per=
son noch Gütern / auß eigner macht vnd gewalt impedirn.

Zum Dritten / daß sy jhrer Erbgüter Gerechtigkeit / vnnd daruon her=
ürenden einkommens / so weit sich jhr gebiett / grundt vnnd boden
erstreckt vnd gehet / frey jhres gefallens zugebrauchen vnd zugeniessen
macht haben / vnd von aller bedinglichen dienstbarkeit / Dätz / Auffla=
gen / Tribut / Maut / vnd Dreyssigisten durchauß exempt vnd frey sein.
Allein vmb Schutzung des Vatterlandts willen / sein sie in Krieg zu
ziehen verbunden.

Die Vierte / (wil geschweigen der andern) vnd letzte ist dise / daß /
wo vnser König vnd Landtsfürst einen der Adelichen Freyheit / welche
in einem offentlichen decret von weilund König Andrea / mit seinem zu=
namen Hierosolymitanus genandt / der ander diß namens hochlöblichi=
ster gedechtnuß (darauff vnnd dasselbe zuhalten / ein jeder Khönig in
Hungern / ehe Er die Cron empfahet / schweren mueß) prouulgirt, vnd
außtrucklichen erkleret / etwas zuwider handlen wolte / alß dann haben
die vom Adel / ohne beschuldigung eines vngehorsams oder rebellion,
demselben zuwiderstehen / vnd zu widersprechen jederzeit macht. Aber
es werden alhier durch die vom Adel verstanden in gemein alle Herrn /
Prelaten / Freyherren / vnnd andere Ständt des Reichs / welche / wie
oben gesagt / alle zugleich einerley Freyheit fehig sindt vnnd derselben geniessen.

TIT. X.
Daß vnser Landtsfürst / aller derer Herrn Prelaten /
Freyherren / vnd vom Adel im Lande / wahrer vnd
rechtmessiger Successor vnd Erbe sey.

DJeweil oben gesagt worden / daß alle macht
zu Adlen / vnd Freye Güter zu geben auff vnsern Lands=
fürsten vollkomlichen transferirt vnnd gebracht sey: Jst
derwegen allhier zu mercken / daß vnser Landtsfürst /
auch allen denen Herren / Prelaten / Freyherren / vnd Edelleüthen im
Lande / die dergleichen Güeter / auff dem fall da einer vnter jnen [Faksimile]
solte ohne Männliche leibs Erben vnd nachkommen mit todt abgehen /
rechter vnd warhaffter Successor vnd Erbe sey. Dann alle solche Erb=
güeter vnd Gerechtigkeit von der H. Cron Hungern / krafft obgedach=
ter Collation vnd schenckung / vrsprunglichen herrüren / vnd derselben
auff solchen fall vnd abgang derer / so es in handen gehabt / allezeit wi=
der zuegehören / vnd zu ruck fallen.

Daher dann ein alte approbirte Gewonheit eingefürt worden / daß /
da ein einige Person / welche die letzte jhres Namens vnd Stammens
ist / vnd ohne rechtmessige leibs Erben abgehen würde / dieselbe wegen
seiner Erbgüter / auff ewig / ohne König: Mtt: etc. Consens vnd willen
nichtes zu disponirn oder zu ordnen: Ja ebner massen nit macht habe /
solche Erbgüeter Pfandtschillings weiß / höher als sy nach gemeiner
Schatzung wert sein / zuuersetzen / dauon hierundten weiter meldung
beschehen wirdt. Deßgleichen ist vnser König aller Geistlichen Herren
vnd Prelaten ebnermassen ein wahrer vnd rechter Successor vnd fol=
ger. Nicht darumb / daß er solche Geistliche Güeter vnd zuegehörigen
Gerechtigkeit in ander weg anwenden / vñ den Kirchen entziehen: Son=
dern daß Er einem anderen (wann nemlichen solche Bißthumber /
Abbtey / Probstey / vnd andere Geistliche ämbter vaciren würden) der=
selben gubernation, neben dem Gottshauß / einem andern befehlen vnd
conferirn solle. Jedoch mueß allzeit die bestettigung der Erzbisthum=
ber vnd Bisthumber / der Römischen Kirchen / der sie allein vnterworf=
fen / vorbehalten werden.

TIT. XI.
Daß der Babst in Conferirung solcher Kirchen Be=
neficien
in disem Königreich Hungern / ausser der Confir=
mation
vnd bestettigung / kein macht oder Ge=
walt behalten habe.

ES ist aber zu wissen / daß ob wol der Babst
beedes die Weltlich vnd Geistlich Iurisdiction vnd bott=
messigkeit hat / so hat doch derselbe / in conferirung vnnd
außtheilung der vacirenden Kirchen beneficien vnd Güe=
ter in disem Königreich Hungern mehr vnd weiter nichtes zu schaffen /
noch zu gebietten / ohne allein die zuethuung seiner Authoritet vnd be=
stättigung. Vnd das auß viererley vrsachen. [Faksimile]

Erstlichen wegen des Stiffts solcher Kirchen / dann weillen die Kö=
nig von Hungern alle Kirchen / Bishumber / Abbt: vnd Probsteyen /
in disem gantzen Landt allein gestifft haben / haben sie dardurch das jus
Patronatus
, das ist / macht taugliche / Geistliche Personen zu nehmen /
zu erwehlen / vnd jhnen solche Beneficia zu conferirn, ihnen selbst erlangt
vnd zugeaignet. Auß diser vrsach nun gebüret vnseren Königen auß
Hungern in disem Landt das Ius patronatus, collation vnd einsetzung
Geistlicher Personen.

ZumAndern / in ansehung des angenommenen Christlichen Glau=
bens / dann die Hungern nit durch die Predigt der H. Aposteln (wel=
cher Statt vnd Person auff Erden der Babst vertritt) Sondern durch
eigene institution vnnd anordnung jhres Heiligisten Königs / nemlich
Stephani, von dem auch hie oben meldung beschehen / sindt zum Catho=
lischen Glauben bekert worden / der dann am aller ersten Bisthumber /
Abbt: vnd Probsteyen in disen Landen gestifft / vnd solche Prælaturas,
Kirchen Güeter vnd Beneficien, auß bewilligung des Babsts / denen /
welchen er gewölt (Jedoch düchtigen fromen vnd tugendthafften leu=
ten) conferirt vnd eingeben. Wie dann die Christliche Kirch offent=
lich von ihm singt: Diser (das ist der Heilig Stephanus) richt nach dem
Exempel Salomonis Tempel auff / begabt sie reichlich / ziert mit Edelstei=
nen / vnd krönet die H. Creutz am Altar. Vnd baldt folgt darauff: Zu
regierung derselben / setzt er eyn gelehrte / gerechte / getrewe vnd nach art
der Heiligen from[m]e leuth vnd vorsteher. Vnd nach dem er also das von
Gott jhm vertrawte Pfundt doppelt wider gibt / steigt er zu dem Him=
lischen Stuel hinauff / der jhme von ewigkeit her bereit ist. Siehe / da
wirdt außtrucklichen beschriben / daß er vnd kein anderer / solchen Kir=
chen Güetern / die er alle erbawt / vnd mit geschencken reichlich begabt /
gerechte vnd getrewe Prælaten vnd fürsteher gesetzt / vnd geben hab / wie
dann auß seiner Historien vnd viel andern Freyheiten / der Gottsheu=
ser / Stifftungen vnd reichlichen begabungen / lauter vnd klar zu sehen.
Eben das auch haben die meiste außleger der Khay: vnd Bäbstlichen
Rechten in jhren Schrifften verfast vnd an tag geben. Daher ist er
ein König vnd Apostel zu gleich genendt worden / dieweil er auf Erden
mit Predigen / mit vorgehen gueter werck vnnd Exempeln der Apostel
stat vertretten. Derohalben ist er vom Babst gewürdiget worden /
daß er zum zeichen seiner Heiligkeit / vnd dieweil er zugleich König vnd
Apostel gewesen / an stadt eines Wappen führen solle ein gedoppeltes
Creutz. Daher dann von derselben zeit an die Hungern ein doppeltes [Faksimile]
Creutz an stadt eines Wappen haben / vnd zu führen pflegen. Vnd ist
zwar das Wappen hergenommen von den vier Wasser flüssen in Pan=
nonia
, welches nunmehr die Hungern bewohnen vnd jnnen haben / alß
nemlichen / der Thonaw / Theyssa / Saw / vnd Drag.

Zum Dritten / weilen nun mehr solches præscribirt vnnd verjärt
worden / dann die Hungerische König / von zeit der Regierung vnsers
seligisten Königs Stephani, der nach vnsers Herrn vnnd Heilandts
Menschwerdung im Jar Tausent vnd eins zum Hungerischen König
glücklichen gesalbet vnd gekrönet worden / biß auff dise stundt allezeit in
wesentlichem vñ ruigem gebrauch / vnd mehr als fünfhundert Jar sol=
che Collation der Geistlichen Güter / auch wider den Röm: Stuel selb=
sten / zu etlich mahlen / solche zeit der præscription vnd verjärung / erhal=
ten haben.

Zum Vierten / dieweil solche einsetzung vnd Collation Geistlicher
Beneficien, vor disem / zu zeiten Kayser Sigismundi, vnsers Königs / mit
sambt vielen Freyheiten dises Reichs / in dem allgemeinen vnd weitbe=
rümbten Conciliozu Costnitz / deme zwey vnd dreyssig Cardinäl / ausser
anderer viel Geistlicher Personen / vnd vieler Christlicher Fürsten bey=
gewohnet / bestetiget / vnd mit einem Eydtsschwur bekrefftiget worden /
wie die Bulla, so darüber auffgerichtet / klärlichen außweiset. Aber diß
Concilium (daß ich kürtzlich dauon meldung thue) hat vier Jar lang
gewehret / dann im Tausent vierhundert vnd vierzehenden / hat sichs
angefangen, in welchem entlich / Anno Tausentvierhundert vnd siben=
tzehen Babst Otto / welcher Martinus der fünffte genandt / erwehlet
worden. Jm nachfolgenden Jar aber Tausent vierhundert vnd acht=
tzehenden / ist bemeltes Concilium, durch Babsts Martini vnnd höchst=
gedachtes Kaysers Sigismundi befelch auffgehaben worden. Vnd eben
in demselben Concilio, hat sich Babst Iohannes der dreyvndzweintzi=
giste
diß namens / des Babstumbs (wiewol vngern) begeben / aber Gregorius ist von freyen willen gewichen / vnnd hat solches renuncirt
, aber Benedictus, der fast widerstehen vnd nit weichen wöllen / ist durch
des Concilij Decret vnd Rathschlueß von dem Babstumb entsetzt / vnd
Johannes Huss, so wol Hieronymus Pragensis, alß Ketzer zue aschen ge=
brendt worden. Aber der jrrthumb / vmb welches willen / vnd densel=
ben aufzuheben / dasselbe Concilium (auß eingeben des H Geists) ver=
samlet vnd gehalten worden / sol 39. Jar gewert haben / welches entlich
durch hilff Kaiser Sigismundi auffgehaben / auch gewünschter fried vnd
ruhe der Christlichen Kirchen glücklichen wider bracht worden. [Faksimile]

TIT. XII.
Daß alle Geistliche Personen vnnd Prelaten / vnserem
König getrewen gehorsam vnnd dienst zu laisten verbunden sein /
vnd daß sie wegen der zeitlichen Güeter vor der Welt=
lichen Obrigkeit zu Gericht stehen müssen.

DJeweil dann alle Conferirung der Geistli=
chen beneficien sambt allen jhren zugehörungen Güetern /
vnd Gerechtigkeiten / so zun Gottesheusern gehörig / vn=
serm Landtsfürsten vnnd König allein zustehet / derohal=
ben sind alle Geistliche Personen / was ordens / standts / oder wirdens
die sein / welche in disem Königreich Hungern Schlösser / Casteln / Ve=
sten / Stätt / Märckt / Dörffer / vnd andere ligende gründt vnd boden /
oder sonsten jrgent Landtgüeter jnnen haben vnd besitzen / vngeacht jrer
würden / Freyheiten / vnnd vorzugs / vnserem Rechtmessig gekrönten
König vnd Landtsfürsten in Hungern / nit weniger als andere Welt=
liche Personen / trewe dienst zu laisten schuldig / vnd mögen wegen
der zeitlichen Güeter die sie besitzen / vmb gewalt / zugefügter Iniurien, vnd
allerley span vnd jrrthumb willen / die sich derentwegen erregen / von
dem gegentheil (so etwan solche verhanden) vor einem jedem ordenli=
chen Richter des Reichs / ohne entgeldt / frey beklagt vnd vor Gericht
gefodert werden / daruor sie dann den Leyen vnd Weltlichen Personen
gleichformig antworten / vnd zu Recht stehen müssen.

TIT. XIII.
Von Königlichen Donationen vnd begnadungen /
wie viel vnd mancherley diselben sein in gemein.

DJeweilen alle Herren Prelaten / Freyherren /
vom Adel / auch andere Landtstände der Cron Hun=
gern / sowol derselben incorporirten vnnd Einuerleibten
Königreichen vnd Landen / weß Standts / Condition,
würden / vnd hoheit die jmmer sein / alle jhre Herrschafften vnd Güeter
auß mildester begnadung vnnd donation der Hungerischen König jnn=
haben vnnd besitzen: So wollen wir zu aller ersten von solcher dona=
tion
, geschenck vnd Königlicher genad / vnd derselben manicherley weiß
vnd art in gemein etwas reden. [Faksimile]

Jst demnach zu wissen / daß solche Königliche schenckung zweyerley
ist. Ein eitele / vnd vermischte: Die eitele ist ein collation vnd vbergab
eines Freyen Guets / welches der Iurisdiction vnd Bottmessigkeit der
Cron Hungern rechtmessig heim gefallen / vnd von dem König / einem
anderen wegen seiner dienst / vnd fürtrefflichen tugenden eigenthumb=
lich geben vnd geschenckt worden. Die vermischte gnad vnd geschenck
ist dise / welche vber solche dienst auch ein benentliche summa Gelts be=
greifft / vnnd solche wirdt gebreuchlich inscriptio, ein Versatz / oder
Pfandschilling genandt. Dann Khönig: Mtt: etc. (vermög vorher ge=
melter Iurisdiction, vnd Bottmessigkeit der H. Cron dises Königreichs
Hungern) von vnd vber alle Freygüeter / aller der jenigen welche ab=
sterben vnd keinen Samen oder Erben hinder sich lassen / zu disponirn,
für sich selbst zu behalten / oder einem anderen jhres gefallens / zu confe=
rirn
, oder Pfandtschilling weiß zuuerschreiben / allezeit völlige Macht
vnd gewalt haben. Vnnd auff daß böser leuth muetwillen nit vnge=
strafft bleibe / oder sonsten der Edelman vnnd Bawer gleich geschätzt
würden / widerumb / daß nit trewe vnnd vntrewe gleiche belohnung
empfiengen / haben vnser Voreltern zu dempfung der notirten Vnter=
thanen halßstärrigkeit vnd rebellion, deßgleichen zu vnterdruckung bö=
ser bueben / vnd vbelthätter freyheit / vnd muet zu sündigen / einhellig
beschlossen vnd geordnet / daß solche Freygüeter nicht allein dessen / der
ob defectum seminis, das ist / ohne Leibs Erben / mit todt abgienge / wie
oben gesagt / sondern auch aller der jenigen / welche sich wider den of=
fentlichen Reichsfrieden / oder Statum, vnd zu verachtung Kön: Mtt.
hoheit vnd würden / vnd andere auß eitelem trutz wider die Rechtliche
billigkeit beschweren / der H. Cron diß Königreichs Hungern / vnnd
folgendts der Khön: Mtt. etc. Collation, auch noch bey der verbrecher
lebszeiten / heimfallen / vnd das nit allein nach scherffe des Rechtens /
sondern auch / weil dem gemainen nutz vñ Regiment vil daran gelegen /
auff daß andere Vbelthätter an diser straff ein Exempel nehmen / vnnd
von bösen abgehalten / andere aber gehorsam zu leisten / guets zu
üben vnd zu thuen / in ansehung dessen / dieweil jhnen
solche Güeter conferirt worden / desto inbrün=
stiger vnd hefftiger werden. [Faksimile]

TIT. XIIII.
Von denen fällen / vmb welcher willen einer in notam
infidelitas
, das ist, vmb Leib / Ehr / Guet vnd bluet kombt.

DErohalben sindt vnd werden das die fäll ge=
nandt Notæ infidelitatis, in welchen Kön: Mtt: etc. etli=
cher Personen Güeter / auch noch bey derselben Lebszei=
ten / einem andern wann sie wil / von Rechts wegen frey
zuuerschencken macht hat.

Die Erste Nota vnd fall ist das laster beleidigter Mtt: etc. alß nem=
lichen / So jemandt an vnseren Landtsfürsten Gottlose handt anlegt /
oder jhme mit dem Schwert oder Gifft nach dem leben stellet / oder die
Mawer vnd hauß darinnen der Landtsfürst ist / mit gewalt vberstiege /
oder eingienge.

Der Ander fall ist / so sich jemandt augenscheinlich aufflehnete / vñ
wider des Königs / vnd der Cron Landtfriden vñ constitutiones setzete.
Doch wirdt dise aufflehnung dahin nit verstanden / bringt ihm auch
nit notam infidelitatis, wann einer jhm selbst etwas zum rechtmessigen
schutz thuet. Deßgleichen der falsche Brieff macht oder derselben sich
offentlich vor Gericht gebraucht / oder der falsch Sigel gibt vñ braucht.
Jtem / welche falsche Müntz schlagen / oder derselben wissentlich vnnd
offentlich in grosser menge sich gebrauchen. Jtem / die jenigen welche
jhre Brüder vnnd nechste Bluetsfreundt / biß auff den vierten gradt
(inclusiue, das ist / daß auch der vierte gradt mit im verbot eingeschlos=
sen sey) ermörden oder verwunden. Deßgleichen Vatter / Weiber vnd
Mannen Mörder vnd Mörderin. Aber das Mann vnd Weib ermör=
den verstehe dahin / wo solches ausserhalb Rechtlichen proces vndbil=
ligkeit beschehe. Jtem / welche die Bluetsfreundt gleicher weiß biß
auff den vierten gradt / welcher auch mit eingeschlossen / fleischlich erken=
nen / oder jhre Stieffmüeter nothzüchten. Die Bluetschender / da sie
dessen offentlich vberwunden oder proscribirt sindt. Jtem / offentliche
Brenner / welche in Märckten / Dörffern / vnd anderen ligenden Güe=
tern / fewer einlegen. Jtem / welche außlendisch / Rauberisch / vnd den
gemeinen Reichs frieden zu perturbirn, besoldtes Volck ins Landt
führen. Jtem / welche sich an Fürstlichen Patenten vnd Schrifften /
die offentlich glauben machen / oder frey sicher Gleit zuesagen / gewalt=
sam vergreiffen / da sie solcher violation offentlich vberzeugt würden. [Faksimile]
Jtem / die ihres eignen Herren Schloß verrathen vñ vbergeben. Deß=
gleichen die jenige / welche Schlösser / Castellen / oder andere Festun=
gen / jrgents eines Landtmans vberfallen / einnemmen / vnd entziehen /
Doch daß sie gleiches falls dessen offentlich vberwisen werden. Jtem /
welche die ordentliche Richter des Reichs / oder jhre vicegerenten, vnd
die in Gericht jhr stat vertretten / erwürgen / gefänglich halten / schla=
gen oder verwunden. Jtem / welche die Partheyen ermörden / so vmb
vollführung jhres Rechten willen / entweder zu Jhr Kön: Mtt: etc. oder
aber auff die Octauen, kurtze Recht / auff einem Stuel / in jrgent einer
Spanschafft / oder sonsten andere Gericht örther ziehen / oder aber auff
einen offentlichen / durch Kön: gebot / außgeschribenen vnd verrüefften
Landtag vnd versamlung kommen. Jtem / welche die Königs Män=
ner / Capitels oder Conuent Herren / welche zeugnuß einnehmen / oder
sonsten in einer Execution vnd außrichtung procedirn vnd fortfahren /
ermörden / verwunden / oder schlagen. Jtem / offentliche Ketzer / wel=
che offentlicher verdambter Ketzerey anhangen. Jtem / welche die
Glieder verstümpeln / die Augen außreisen / Ausserhalb der Banen,
Wayuoden
, vnnd anderer / welche hohe Ambter an der Granitzen des
Reichs zu verwalten haben. Jtem / welche Castellen / so mit disem
Reich gränitzen / verlieren. Jtem welche dem Türcken / oder anderen
Heyden die nach disem Königreich trachten / vnd demselben feind seint /
munition vnd victualien zuebringen. Jtem / welche die jenigen / so jhrer
verfluechten Sect abgesagt / vnd auß der Türckey zu vnss fliehen / im wil=
lens bey vns zu bleiben / hindern / auffhalten / oder berauben.

TIT. XV.
Daß die Güeter der Mörder / Dieb vnd Todtschle=
ger / der Khönig: Collation, Schanckung vnd Einrau=
mung nit vnterworffen sein.

DErowegen auß vorgehenden fallen folgt / daß
der Dieb / Mörder vnd Rauber / auch anderer derglei=
chen spolianten: Jtem der Todtschleger / oder welche auff
jrgent eine weiß die vom Adel verwunden / oder schlagen
(außgenommen in oberklerten fällen ) mit gewalt auff jhre Heuser´ge=
hen / oder anderer possessionen Gerechtigkeit / Grundt vnnd boden
turbirn vnd einnemen / Güeter vnnd Gerechtigkeit / dem König: fisco [Faksimile]
vnd Cammer nit heimfallen / nach der Kön: Mtt: etc., Collation vnter=
worffen sindt. Sondern werden solche Capitaliter, alß Dieb mit dem
Galgen / die Rauber mit dem Spiß oder Radt / andere aber mit dem
Schwert / nach eines jedwedrn verdienst / gestrafft. Aber jhre freye
vnd andere Güeter vnd Gerechtigkeit / (wann sie zum todt verurteilt
sindt) fallen entweder auff jhre Kinder / oder im fall die nicht verhan=
den / auff die jenigen Brüder / welche zum Kinder zeugen genuegsam
qualificirt vnd tüchtig sindt / oder auff andere Rechtmessige jhre nach=
folger. Wann aber solchen leuthen Königliche gnad widerfahren / vnd
das vrtel nichts desto weniger Exequirt worden / werden alle die Güeter
vnnd Gerechtigkeit von den handen des Richters vnnd gegentheils /
auff dessen anhalten der Sententz ergangen / durch die Kinder / oder ihre
leibliche Brüder / oder aber andere Rechtmessige nachkommen / nach
gemeiner schätzung abgelöset / wie vnten von der Vrtelweiß im andern
Theil deutlicher meldung beschehen wirdt.

TIT. XVI.
Daß zweyerley vnterschied sey zwischen dem Vrtel
daß wegen der Nota infidelitatis, vnnd Capitali, auff
Leib vnd leben gesprochen wirdt.

DErowegen ist ein zwifache vnterschied / zwi=
schen der Nota vnnd dem Capital sententz, welcher vber
Halß vnnd Kopf gesprochen wirdt. Dann Erstlichen
durch die Notam infidelitatis verliert ein solcher infidelis
sein Leib vnd leben / das Erb vnd vollkommene eigenthumb aller seiner
Güetter / vnd derselben Freyheiten vnd Gerechtigkeit / vnd felt das Erb
vnd Succession solcher Freygüter vnnd Gerechtigkeit zu ewigen zeiten
nicht mehr auff eines solchen infidelis, vnd mit solcher Nota behafften /
verdunckleten vnd verurtelten menschen (ob er schon am leben gestrafft
würde) Kinder / vnd leibliche Brüder. Ja sein gantze Genealogia, Ge=
schlecht vnd Namen kombt von einem solchen menschen zu ewigem hohn
vnd spott diser vntrew: Vnd zum lob der fürtreffenlichen tugenden vnd
vnuerfelschten trew / souiel diser Güeter deuolution vnnd anfall anbe=
langt / hinweg. Jedoch verstehe die allbereit geborne Kinder / vnd nicht
die aller erst geboren sollen werden. Dann die Kinder welche nach dem jhr Vatter verurtheilt / vnd in die Notam erklert worden (im fall [Faksimile] der Vatter König: gnad / vnd das eigenthumb seiner Güeter wider er=
langt hat) succedirn, folgen in dem Vätterlichen Recht billich vñ recht.
Aber solche König: begnadung / daß einer dem andern succedirn soll /
so viel den anfall der Güeter belangt / wird sein ganzes Geschlecht (aus=
ser der Kinder / welche nach dem vrtel geboren sollen werden) auff kei=
ner seiten helffen. Vnd ziehet solche gnad andere geborne Kinder / oder
leibliche Brüder / mit sambt dem verurtheilten zu dem vorigen standt
der Succession, vnd Erblichen nachfolge nicht / es geschehe dann vnter
jhnen ein newer contract, vnd werden wegen anfall solcher Güeter ein
fassion vnd Brieffliche vrkhunden darüber auffgerichtet / auch König=
licher Consens vnnd bewilligung außgebracht. Dann auff dise weiß
vnd sonsten nit / würde die todte vnd verlohrne succession wider lebendig
vnd erwecket: Aber durch Capitalem sententiam vnd vrtel / daß einem
das leben abspricht / wird das eigenthumb / Erb vnd Freyheiten nicht
verlohren / sondern / da ein solcher verurtheilter am leben gestrafft wür=
de / alßdann vnd in allweg fallen seine Güeter vnd Freyheiten auff seine
Kinder (so er dise hat ) vnnd nechste Brüder / oder auch andere seine
rechtmessige successores vnd Erben. Wann aber einem solchem Kön:
gnad widerfahren / vnd durch den klager nichts desto weniger die Exe=
cution
des vrtheils volzogen worden / alß dann haben die Kinder /
Brüder / vnd andere rechtmessige Erben macht / solche possessiones, nach
gemeiner Schätzung / auff einen gewissen Termin / den der Richter ge=
ben soll / wider an sich zu lösen.

Vber das / ist noch ein ander vnterschiedt zwischen der Nota vnnd
dem Capital sententz. Dann wann ein verurtheilter mit seinem Ge=
gentheil / auch nach gefeltem vnd außgesprochenem sententz, sich ver=
glichen hette / oder vergleichen könte / jedoch zuuor vnd ehe man densel=
ben Exequirt hette / alß dann ist jhm die Khön: gnad nicht von nöthen /
kan auch der Richter in den Güetern vnd Freyheiten eines solchen ver=
urtheilten Menschen keinen eingriff thuen. Aber wann einer in die
Notam felt vnd erkendt wirdt / ob er gleich mit dem / welchen er in ober=
zelten fällen verletzt / gantz vnd gar sich vergliche / so kan er doch dessen
anspruch / dem König: Mtt: solche Güeter vnd Freyheiten / wegen einer
Nota conferirt vnd geschencket / nit entgegen sein / noch sich dauor hüet=
ten. Dann der erlanger solcher possessionen vnd Freygüeter / von der
Iurisdiction der Hungerischen Cron dises Reichs / wider derer würdig=
keit vnd Authoritet ein solcher infidelis gehandlet hat / vnd folgents von
der Collation vnd einraumung Khönig: Mtt: etc. völlige Macht vnnd [Faksimile] gewalt hat / frey zu handlen / zu procedirn, vnd dieselben Güeter durch
Rechtliche mittel zu vendicirn vnd an sich zu bringen.

TIT. XVII.
Welche Erben vnd Nachkommen sein vnd verstanden
werden / vnd was für Güeter allein dem Männlichen / vnd
allein dem Weiblichen geschlecht zuegehörig.

NVn dieweil in beschreibung der angefange=
nen materien (von wegen der fürgefallenen / vnd zwar
an disem orth nothwendigen erklärung vnd vnterschidts
der Nota vnd Capital sententz) wir ein wenig außge=
sprengt: Derohalben / vnnd zu außführlicher erklerung der Khönig:
donation, wöllen wir widerkehren / vnd Erstlichen die clausel / Sine
hærede decedentium
, die ohne Erben hinsterben vnnd des Sa=
menß manglen / erkleren.

Jst demnach zu mercken / daß / ob wol vnter dem Namen posterita=
tis
der Nachkommen / allesambt so von Rechts wegen dem Vatter vnd
Mueter succedirn sollen / auch diejenigen mit eingeschlossen / welche nach
jhrer Eltern todt geboren werden / es sein Mäñliches oder Weibliches
geschlechts / verstanden: Vnter dem Namen aber der erzeügten Söhne
vnnd Töchter / welche schon geboren sindt / die außgeschlossen / welche
nach geboren sollen werden / bedeutet: Vnter dem Namen aber der
Nachkommen Liberorum der Kinder / Söhne vnd Töchter / auch Eni=
kel / Männlich vnd Weibliches geschlechts zu gleich begriffen werden:
Jedoch auß alter dises vnsers Reichs üblicher Gewonheit / werden Er=
ben allein die rechtmessigen Söhne / die in der Vätterlichen Erblichen
Gerechtigkeit zu folgen pflegen / verstanden. Ob wol bißweilen auff
den fall / da die Güeter vnd Freyheiten Vätterlich vnd Müeterlich zu
gleich sindt / vnd beede geschlecht / Manns vnd Weibs Personen con=
cernirn
vnd berüren / auch die Töchter vnter dem Namen Erben / (doch
nit eigentlich) verstanden werden. Derowegen / dieweilen die Töchter
nicht aller Vätterlicher Güeter theilhafftig sindt / darumben werden
sie billich nit Erben / sondern nachkommen genennet / vnd zwar nit der
vrsachen halber / was den anfallder Vätterlichen Erb Gerechtigkeit
gemeinglich vnd allzeit: Sondern so viel die propagation vnd [Faksimile] fortpflantzung des geblüts / vnd rechtmessige succession in denen Vätterli=
chen vndMütterlichen Güetern zugleich betrifft. Dann die jenigen
possessiones vnd Güeter / welche durch Vätter: vnd Mütterlich gelt er=
kaufft vnd zu wegen gebracht / oder wegen entleibung eines Edelmans
in homagium vnd zur straff gegeben vnd verobligirt: oder aber sonsten
für das Ius Quartalitij, an stadt vnd in abschlag des schuldigen Jung=
frewlichen vierten Theils / welchen derer vom Adel Töchter auff jhrer
Eltern Freygüeter zuersuchen haben / eigenthumblich conferirt vnd ein=
geraumbt worden: (Jedoch daß dise einantwortung des Quartalitij,
welche auff ewig vnd eigenthumblich geschehen / den Brüdern / oder an=
deren rechtmessigen folgern nicht præiudicirlich oder nachtheilig sey)
Jtem die jenigen Güeter vnd Freyheiten / in welchen etliche Jungfraw=
en oder Weiber / durch Ir Khön: Mtt: etc. (Jedoch den nechstenAgna=
ten ohne schaden vnd nachtheil) zu warhafften folgern / beede geschlecht
belangent / præficirt vnd fürgesetzt werden / die alle mit einander folgen
so wol dem Weiblichen / als dem Männlichen geschlecht.

Die andern Güeter vnd Freyheiten aber alle / auff waserley weiß
dieselben bekommen worden / gehören allein dem Männlichen Stam[m]en
Rechtlichen zue.

Das aber hab ich mit vergebens gesagt: Mit Vätterlichen
vnd Mütterlichen gelt erkaufft. Dann an denen Güetern vnd
Freyheiten / welche durch etlicher Brüder gelt erkaufft worden / können
die Jungfrawen oder Weiber kein Gerechtigkeit haben / wirdt auch
dem Weiblichen geschlecht von der seiten Linien her zue succedirn, oder ein
portion vnd Theil zu erlangen nit gestattet: Sondern haben allein die
macht auff den Vätterlichen Frey vnd Erbgüetern / entweder jhren ge=
bürenden Theil / in den vorigen ohne mittel beschribenen fällen / oder
aber jhr Quartalitium, das ist / den gebürenden vierten Theil zu requi=
riren
vnd zu fodern.

Jch hab auch gesagt / So ferr sie auff beede geschlecht
(Männlich vnd Weiblich) zu gleich notirt vnd verliehen
sindt. Dann in dem fall / da Jhr König: Mtt: etc. jrgent ein Jung=
fraw oder Weib / in dem Vätterlichen Erb vnnd possessionen: Oder
aber auch in den Brüderlichen / (so der Brueder ohne Erben mit todt
abgienge / vnd zu solcher præfection vnd fürsetzung bewilligte) zu einem
warhafften Erben vnd Männlichen Successor vnd folger præficirte vnd [Faksimile]
ansetzte / vnnd in solchen præfectionalibus, oder darüber auffgerichten
schreiben beede sexum vnd geschlecht nit außtrucklich meldete / alß dann
fallen solche erlangte Freyheiten / nach absterben des Weibes / allein auff
die Söhne / da solche verhanden / oder im mangel derselben / widerumb
dem Fisco vnd Khön: Cammer heim. Vnd sollen die Töchter mit jhren
Rechten / so sie wegen der Quartalitien vnd jhres vierten Theils / nach
gewonheit dises Reichs zuersuchen haben / von denselbigen Güetern
contentirt werden.

,TIT. XVIII.
Warumb die Freygüeter / welche einer durch sein
dienst erlangt / nicht dem vntern Stammen folgen.

SO aber gefragt würde / warumb die Güeter /
vnnd durch trewe dienst erlangte Freyheiten dem Weib=
lichen geschlecht nit folgen? Antwort / vnd sage darumb:
Dann das Königreich Hungern / sambt den vnterworf=
fenen Landen mitten vñ im Rachen der Feindt gelegen ist / welches man
allzeit mit der Wehr zu schutzen vnd zu schirmen pflegt. Vnd aber vn=
serVoreltern alle Güeter vnd Freyheiten / (wie gemeiniglich) mit Rit=
terlicher hand vnd bluetvergiessen vberkommen / vnd auch noch biß da=
to zu bekommen gewohnet sindt / die Weiber aber vnnd Jungfrawen
pflegen vnd können mit der Wehr nit vmbgehen / noch mit dem Feindt
streitten: Derowegen haben auch an solchen Güetern die Weiber kein
Gerechtigkeit zu suechen.

TIT. XIX.
Hergegen / warumben solche mit gelt erkauffte Frey=
heiten / so wol auff das Weiblich alß Männlich geschlecht
sich erstrecken vnd fallen.

SO aber hergegen gefragt würde / warumben
solche Güeter vñ Freyheiten / welche / wie zuuor gesagt /
mit dem Vätterlichen oder Mütterlichen gelt erkaufft /
das Weiblich geschlecht so wol als das Männlich an=
gehen? So sage darumben: Dieweil das gelt vnter die [Faksimile]
beweglichen Güeter gerechnet wirdt / so viel aber die beweglichen Güe=
ter anlanget / sie kommen vom Vatter oder Mueter her / haben die
Söhne vnd Töchter gleiche Theil: Daher dann auch denTöchtern von
denen possessionen vnnd Erbgüetern / welche mit der gleichen Gelt er=
kaufft worden / vnd dauon sie heut oder morgen nach ihrer Eltern ab=
sterben gleiche Theil hetten gehabt / gebürende Theil pro rato gehören /
vnd zuegestelt werden sollen. Ob wol / wann man den vrsprung vnd
fundament bedenckt / weil das Gelt ebner massen / mit schweren dien=
sten / mühe vnd arbeit / auch wol bißweilen mit grossem bluetuergiessen
vberkommen vnd zusammengebracht wirdt: Die Weiber vnd Jung=
frawen aber für sich selbsten die Last des Kriegßwesens / defension
vnd schutz des Vatterlandts nit auff sich nemmen noch ertragen kön=
nen / also verdienen sie auch nicht / daß sie an solchen erkauftenGüetern
vnd Freyheiten Theil eigenthumblichen haben sollen. Aber auff daß
sie von der Succession der verlassenschafft vnd Vätterlichen Güeter nit
gantz vnd gar außgeschlossen würden / so erfordert solches die Brüder=
liche vnnd Vätterliche lieb gegen den Kindern / darzue sie gegen den
Schwestern bewogen / vnd auch durch Gottes Wort darzu vermahnet
werden / daß auch die Töchter gebürende Theil mit den Brüdern zu
gleich / von vorernanten erkaufften Güetern vnnd Freyheiten haben /
vnd hat dieselbe in disem stuck / die Kriegß beschwärung vnd schutz des
Vatterlandts zutragen vñ außzustehen jhren Ehemännern aufferlegt.

TIT. XX.
Ob die Güeter dessen / welcher in Notam erkendt wor=
den vnd welcher beede geschlechten fähig sind / nach ertheilter
genad widerumb beeden geschlechten zuefallen.

DEßgleichen wird auch gefragt so einer in No=
tam condemnirt
worden / dessen Güeter vnd Freyheiten
beedes Männlich vnd Weiblich geschlecht fähig / vnd in
derselben gefolget hetten / entlich aber der verurtheilete
vber sein leben vnd Güeter / König: gnad erlanget hette / ob desselben
Töchter / welche nach der genad geboren würden / zu gleich mit den
Söhnen Succedirn vnnd folgen / oder nit ? Dieweil dann die ersten
privilegia vnd Freyheiten / durch die Notam todt vnd ab gewesen / So
ist zu antworten Ja. Dann durch die König: genad alle erste [Faksimile]
Freyheiten / des vngetrewen / so viel die Erben vnd nachkömling (jedoch in
absteigender vnd nicht seiten Lini) die nach jhme geboren würden vnd
folgen / wider lebendig gemacht werden / vnd krafft vnd sterck der ersten
bekommen / vnd daher schließlichen dieselbigen Güeter widerumb auff
beede geschlecht fallen. Es würde dann solches in dem gnaden vnnd
Freybricff außtrucklichen darwider außgenommen. Dann die con=
ferirung
vnd ertheilung der gnad / vnd nachlassung derselben Güeter /
stehet allein in des Fürsten gwalt. Wie nun vnnd auff was weiß der
Fürst selbs die gnad conferirn vnnd dieselben Güeter nachlassen wür=
de / alß wirdt auch künfftig derselben Güeter Succession vnnd folge
sein. Von den Töchtern aber / welche zuuor vnd ehe dann der Vatter
condemnirt ist geboren sindt / ist nit zu fragen / dann dieselben jhre ge=
bürende Theil von wegen ihres Vattern verbrechen nicht verlieren.
Aber ad successionem mutuam, das ist / (wie oben in denen differentien
vnd vnterschiedt der Notæ vnnd Capital sententz gesagt ist) daß eines
das ander mit dem Vatter erben solle / können sie nit.

TIT. XXI.
Ob die Güeter / welche sowol vmb der dienste willen /
alß gegen erlegung etlicher Gelt zu gleich / conferirt vnd ge=
geben werden / beeden geschlechten folgen.

WEiter wirdt gefragt / wann Jr Khön: Mtt: etc.
oder irgent ein Herr oder Edelman ein Freyguet / es sey
gleich ein Schloß / ein Vestung / Statt / Marckt / Dorff /
oder ander grundt vnd boden / so wol vmb trewer geleister
dienst / oder auß lauterer genad vnd complacentz, dann auch vmb eine
benentliche summa Gelts in der fassion vnd darüber aufgerichtem Frey=
brieff außtrucklichen begriffen. / jrgent einem zu gleich eigenthumlichen
conferirt vnd inscribirt hette: Ob solches Freyguet / auff beede geschlech=
ter folge / oder aber / ob es allein dem Männlichen Stam[m]en zuegehörig.
Darauff zu antworten / daß solche allein dem Mannsstam[m]en darumb
angehe / dieweil die erlangung solcher Güeter allezeit auff die wurtzel
vnd anfang der erlangung vnd vberkommung / vnd nicht auff den Ast
oder zweig daruon herürende siehet / derohalben wirdt es von dem vr=
sprung der erlangung ein hereditarium Erblichen / vnnd nicht für ein
Kauffrecht gehalten. Aber doch können die Töchter vnd Weibliches [Faksimile]
geschlechts von solcher summa Gelts jhre gebürende Theil billich ha=
ben. Jm fall aber solche summa Gelts so schwer vnnd mercklich groß
were / daß solch obangezogener massen conferirte Freyguet kaum so viel
wert were: Alß dann soll eben dasselbe Freyguet durch den Richter /
oder sonsten des jenigen orths dem zu glauben / oder zeugen messig ist /
vermittels der gemeinen schätzungen / geschätzt / vnd / vermög solcher be=
schehenen schätzung / die gebürende portion vnd Theile des gelts / durch
die Söhne / den Töchtern zuegestelt werden.

Corollarium oder angehengte Clausel.

DAher dann auß der wurtzel der erlangung solcher
Güeter geschlossen wirdt / daß wann jrgendt ein Bruder sein
portion vnd Theil an einem Freyguet dem anderen Bruedern vmb gelt
verkaufft / auf welchen sonsten derer sibschafft vnnd Rechtlichen succes=
sion
nach solcher Theil (auff absterben solches verkauffers) kommen
were / so felt dieselb portion auff das Weiblich geschlecht nicht Vnnd
durch solche portion vnd Theil verstehe auch ein gantzes Guet / vnd an=
dere dergleichen Freygüeter mehr. Derohalben sehen sich die erlanger
vnd erkauffer solcher Güeter wol für / dann wie sie Brieffliche vrkun=
den werden drüber auffrichten / also werden sie auch die Successionsol=
cher Güeter / vnd den anfall drauff haben.

TIT. XXII.
Von der Clausel der donation vnd schanckung per de=
fectum seminis
, das ist im mangel des Samens / was durch
den Samen verstanden werde.

DJeweil dann in der form vnd weiß der Kö=
niglichen Schanckung vnd Freybrieff / welche vber sol=
che Güeter vnd Freyheiten derer, die ohne Erben abster=
ben auffgerichtet werden / diese Clausel (per defectum se=
minis talis vel talis &c.
das ist im mangel des Samen diß oder jenes)
allezeit hinzugethan / oder vntergemischt zu werden pflegt / darumb ha=
ben etliche vermeint / so jrgent ein Herr oder Edelman / der also abgieng /
hinder sich Töchter verließ / das alß dann von nöthen sey in solchen
Freybrieffen außtrucklichen vñ zu gleich zubeschreiben / vnd dise Clausel [Faksimile]
(Masculini sexus, Männliches geschlechts) hinzue zusetzen / auff daß die
meinung vnnd jnhalt des Freybrieffs in sich begreiffe: Jn mangel des
Samens Männlichen Geschlechts / diß oder jenes etc. Sonsten wür=
de solche donation an jhr selbs nichts gelten / noch dem erlanger solcher
Güeter etwas fürträglich sein können. Da sie fürgeben vnd anzeigen
wolten / daß derselbige in dem Samen darumb noch nit defecirt, noch
gemangelt / weil er Töchter verlassen: Dann solches nit darfür also
zu halten ist / weilen durch das wörtlein Samen / allein das Männ=
liche geschlecht / vnd nicht das Weiblich verstanden wirdt. Derohal=
ben ist es vergeblich vnd vberflüssig / daß hinzu zusetzen vnd zuthuen /
welches die krafft des wörtleins auch für sich selbsten in sich begreiffet.
Vnd ist das die vrsach / dieweil / natürlich daruon zu reden / auß vber=
flüssigen MannesSamen (gemeiniglichen) ein Männlein empfan=
gen / vnd hergegen auß dem Samen des Weibs ein Weiblein gezeuget
wirdt. Derohalben ob einer schon Töchter hat / wirdt doch billich ge=
sagt / daß derselbe mangel am Samen gehabt / oder ohne Mannlich ge=
schlecht abgangen. Dahero dann auch die Kinder / welche von einem
Edlen Vatter vnd einer vnedlen Mueter geboren werden für rechte
Edelleüth gehalten werden / vnd dero condition, Namen / vnd Stam[m]en
des Vatters folgen: Jedoch nicht im widerspill / wie hieroben klärlicher
vnd deutlicher daruon gesagt worden. Aber doch wann solche Güeter
vnd Freyheiten / jrgent einem beeder geschlechten außtrucklichen zuge=
höreten / vnnd beede geschlecht abstürben / alßdann soll füglichen vnd
Recht in dem Freybrieff gesetzt werden: Jm mangel des Samens bee=
der geschlecht / diß oder jenes etc. Auff das in demselben Theil durch
den Samen die Succession verstanden werde.

TIT. XXIII.
Wie lang das Ius Regium, oder Kön: Recht wehre /
vnd wie viel zeit dasselbe præscribirt oder verjärt
werde.

DErhalben weil Jr Kön: Mtt: etc. aller Herrn /
Freyherren vnnd anderer Ständt vnnd vomAdel des
Reichs / welche ohne Samen absterben / für ein warhaff=
ten (wie ich vorhergesagt) vnd Rechtmessigen Successo=
ren
gehalten wirdt: Sein viel Herren / Edelleuth vnnd Jnwohner des [Faksimile]
Landts / welche solche Freygüeter besitzen / vnd die Regalien vnd vorbe=
haltnuß Khönig: Gerechtigkeit an sich bößlichen ziehen : oder auch
pfandtschillings weiß / durch vnkräfftige vnd vnwürckliche fassion vnd
einbekantnuß / ohne zuethuung nothwendigen Khönig: consens vnnd
bewilligung : oder aber durch succession vnnd Erbgerechtigkeit auff sie
gefallen zu sein / erdichter weiß : oder auch in andere vnordenliche weg /
in solche Güeter / fürnemlichen aber zu zeiten des vnfriden vnd vnruhe
im Landt einschleichend / also in der still vnd heimlichen zu behalten / gu=
bernirn
vnd zu possedirn pflegen / sich in denselben Güetern vnd Frey=
heiten / krafft der præscription vnd verjärung langwiriger zeit stercken /
sich darmit schützen / vnnd jhr Recht darauff gründen. Daher dann
zu wissen / das Ius Regium, oder Königs Recht in frist hundert Ja=
ren auff den Güetern vnnd Freyheiten / aller deren die es mala fide
vnd vnrechtmessig besitzen / wehret / vnd darauff / vngehindert einer an=
deren fürgewandter præscription vnd verjährung / kan gesucht werden.

TIT. XXIIII.
Was das Ius Regium, oder Khönigs Recht / so wol
auch was Ius possessionarium sey?

DErhalben Ius Regium, Khönigs Recht ge=
nandt wirdt eine Iurisdiction der H. Cron dises Reichs /
welche auff den Güetern / vnd deroselben Freyheiten / so
von einem andern für sich mit bösem Titel vnd ohne
Khönig : bewilligung besessen werden, heimlich verborgenligt vnd be=
stehet. Aber vnter dem namen Iuris possessionarij werden in gemein
verstanden allerley Schlösser / Castellen / Vestungen / Stätt / Märckt /
Dörffer / Freygüeter / Wälder / Gründt vnd öde Sitz / vnnd ist allda
zu wissen / das ein Possessio oderGuet / auff zweyerley weiß genom=
men vnnd verstanden wirdt. Vnnd zwar erstlichen / für ein eigen=
thumb / brauch vnnd gubernation eines beweglichen oder vnbewegli=
chen dings / vnd auff dise weiß wirdt possessio, pedum positio genandt /
das ist / ein Satzung der füeß / in gebrauch vnd eigenthumb der sachen /
die einer wircklichen besitzet vnd gubernirt. Auff ein andere weiß aber
(alß wie hie in vnserem vorhaben) wirdt vnter dem wörtlein possession
villa begriffen vnd verstanden / vnnd zwar eigentlich daruon zu reden :
Dann Schlösser / Castellen / Stätt / Märckt / vnd öde verlassene Güeter [Faksimile]
haben jhre absonderliche namen / aber doch verstehe in gemein vnd an
disem orth vnter dem wörtlein Possession, Schlösser / Castellen / Ve=
stungen / Stätt / Märckt / Dörffer / portionen, Freyheuser / Wißmet /
Wälder / vnd andere vnbewohnte Güeter. Wir nennen aber praedium
ein solch stuck Feldt oder Guett / da zuuor Menschen zu wohnen pfleg=
ten / jetzo aber allda keine gebew nach Jnwohner erscheinen vnnd woh=
nen. Alß wann es ein præda, beüth / vnnd menniglichen frey stünde.
Von den alten her genommen / welche die Felder oder Länder / so sie
durch Krieg vberkommen / für ein prædam, das ist / als ein beüth hielten.
Deßgleichen nennen wir fundum, ein Edelmans oder Bawrn Guett /
welchs an jetzo aber weder Heuser / noch Jnwohner hat / ebner massen
prædium. Was aber Schlösser / Castellen / Vestungen / Stätt vnnd
Märckt sindt / ist offenbar vnnd darff keiner declaration. Dann
vndter dem Namen cum omnibus pertinentijs, sambt aller zugehö=
rung / wirdt in gemein verstanden vnnd begriffen alles das / so zur
Statt / Marckt / vnd einem Guett gehöret / alß angebawt vnd vnge=
bawt / Acker / Feldt / Grundt / tragende Wismet / Feldtwait / Wäl=
der / Gestreiß / Berg / Thäll / Weingarten / Weingebürg / Flüß /
Teich / Fischereyen / Wasserstüben vnd Mühlen / sambt derselben örth=
ter / auch in gemein aller nutz vnd einkommen / so der Stätt / Märckt /
vnd dem Guet dienen vnd gereicht werden. Vnnd werden vnter dem
Namen aller zugehörungen offtmals verstanden alle Iurisdiction, bott=
messigkeiten vnnd Gerichts zwang eines Schloßes / sambt allen den
ligenden Güetern die beym Schloß ligen / vnd dahin gehören vnd die=
nen / alß Stätt / Märckt / Dörffer / Freygüeter / vnd andere öde Sitz.
Jedoch brauchen wir dise signification vnnd namen gar selten. / sondern# nennen Stätt / Märckt / Dörffer / derselben portionen vnd gründt / so
zu einer Herschafft gehören / wo nit außtrucklichen mit namen vnd in
specie
, jedoch pflegen wir dieselben mit gemeinem namen zu nennen.
Vnd ob woll das Ius Regium, das Khönigs Recht auff alle solche Güe=
ter / pertinentien vnd Gerechtigkeit / welche Khöniglicher Schanckung
vnd Collation, auff was weiß vnnd Titel das sein mag / vnterworffen
sindt / in gemein gezogen werden / vnd sich erstrecken mag: Dannoch
so jemandt von Herrn vnd Ritterstandts / in denen fällen vnnd miß=
handlungen / vmb welcher willen einer in Notam erkendt wird / sich ver=
griffe vnd sündigte / oder sonsten de recenti vnd gewiß im Samen defi=
cirte
vnnd mangelte / pflegen die außbiter dises / oder derer Freygüeter
vnnd Herschafften solch Guett nicht vnter dem Namen der Regalien [Faksimile]
vnd Königs Rechten / simpliciter, vnd allein Königs / sondern wegen
einer Nota, darein einer gefallen ist / (dieselbe erklerende) oder wegen
mangel des Samens des verstorbenen Menschen zuerlangen / vnnd
manich mall in solcher donation Ius Regium, das Khönigliche Recht
(so auff denselben Güetern sonsten eines zu ersuchen were ) darzue
zu setzen. Derowegen ist dise immediaté vnnd ohne mittel vorbesche=
hene beschreibung des Khönig: Rechtens nicht von diser art / sondern
auff diejenigen / welche dem König sein habendt Recht vnnd die Rega=
lien verschweigen / zu referirn vnd zuuerstehen.

TIT. XXV.
Daß alle diejenigen, welche Possessiones vndFreygüe=
ter vnter dem Namen Iuris Regij, derRegalien vñ heimgefallenen Kön:
Gerechtigkeit impetrirn, perennaliter / das ist / vmb so hoch / alß das
Guett / welches sie außgebeten haben / eigenthum=
lichen werths ist / gestrafft werden.

SO nun jemandt vnter dem Namen IurisRe=
gij
, desKhönig: Rechtens etliche Güeter vnd Freyhei=
ten / in welcher ruwigen possession vnd eigenthumb einer
auß dem Herrn oder Ritterstandt were gewesen / für
sich erlangt / vnd aber nach haltung aller vnd jeder Terminen vnd ver=
fliessung der processen, welche in derselben darauß erwachsenen Recht=
fertigung gehalten worden / (dann dergleichen span vnnd differentien
nach dem jetzigen Landtsbrauch in vier Octau Terminen / entschieden
zu werden pflegen) derHerr oder Edelman selbsten wirdt darthuen vnd
erweisen können, daß er mit guetem Rechten vnnd Titel die erlangte
Güeter besessen habe / vnd noch besitze / alß dann wirdt solcher in dem
werth / wie hoch die Güeter vnd Freyheiten / so er bößlichen vnd zur vn=
billigkeit außgebracht / vnnd derselben eigenthumb für sich zugebrau=
chen / vnd dem rechten Jnhaber derselben gantz vnd gar entziehen wöl=
len / in perennali æstimatione, das ist / in ein solchen geschätzten werth /
alß wann die Güeter eigenthumblich verkaufft würden / verurtheilt
vnd also gestrafft / auff daß jhme mit gleicher maß gemessen / vnd glei=
chen schaden / darein er einen andern mit fleiß führen wöllen / zur beloh=
nung empfahe. Vnd das ist eben auch also zu halten mit denen / die in
oberklerten fällen / vnterm schein einer Nota etliche Güeter vnd [Faksimile]
Freyheitenvon Jr König:Mtt: etc. außbitten / vnd können hernach Notam
auff diejenigen / welcher Güeter sie außgebetten haben / nicht erweisen
noch darthuen / das nemlich dieselben ebner massen in die perennalem æstimationem solcher Güeter vnd Freyheiten (wann sie vom Rechtfer=
tigen nicht abstehen wöllen) zur straff erkennet werden. Ob wol die
meisten daruor halten / daß sie allein in emendam linguae erkleret / auch
damit gestrafft werden sollen / vnd entlichen also an tag käme / auch sie
dafür gehalten vnd verstanden würden / daß sie vnschuldige Leuth vor
Jr Khönig: Mtt: etc. vbel diffamirt vnd geschmehet haben.

TIT. XXVI.
Daß solcheAußbiter der Güeter / per defectum
seminis
jrgendt eines / keine straff verwirckt haben.

WAnn aber nun jemandt von Jr Kön: Mtt: etc.
dessen Güeter vnnd Gerechtigkeit / der ohne Erben mit
todt abgangen / welche per defectum seiminis, der H. Cron
des Reichs von Rechts wegen heim gefallen sind erlan=
get / vnd doch entlichen nach erkandtnuß de rsachen vñ rechtfertigung /
welche derowegen soll mouirt werden / auß Briefflichen vrkunden so
viel erscheinet / daß solche Güeter vnd Gerechtigkeiten nicht ad collatio=
nem Regiam
, vnd demKönig: fisco, sondern auff seiner Brüder vnnd
agnaten, oder auff den Weiblichen Stammen / oder aber andere recht=
messige successores vnd volger deuoluirt vnd gefallen seyen: Alß dann
wird ein solcher Außbiter darumben in keine straff erkennet / noch mit
andern beschwärungen beladen / weilen er eines verstorbenen Men=
schen strittige vnd zweifelhafftige Güeter / vnnd der keine Männliche
Erben verlassen / erlanget / auff daß die Iurisdiction vnd Gerechtigkeit /
welche die H. Cron Hungern auff den Güetern zuersuchen hat / zeit=
lich offenbar / vnd der stritt vnd zweifel / welcher sich wegen anfals der
Güeter erreget vnd zugetragen / entschieden vnnd auffgehaben werde.
Dann auch der jenige welcher die sachen erhalten / vnnd das jhm die
Güeter zuegehören erwiesen / hat vielleicht das eigenthumb derselben
Güeter zu lebs zeiten des verstorbenen wesentlich nich jnnen gehabt / derohalben obschon das Ius Regium in der gleichen donationalibus vnd
Freybrieffen / welche per defectum seminis vnd darüber ohne gefähr vnd
vermeinter weiß auffgericht worden / inserirt vnd mit eingebracht ist / [Faksimile]
darumb dann auch solcher erlanger dem König: Rechten ferner nach=
setzen wöllen: Soll er doch deßwegen in keineGerichtliche grauamina
vnd straffen erkendt werden. Da er aber mit fernerer Rechtfertigung
vnd lengern proces muetwilliger weiß vermittels IurisRegij, vndKön:
Rechten zu handlen nicht auffhören / vnd die sachen abermal verlieren
würde: Alß dann soll er in ob erzelte straff condemnirt vñ erkendt wer=
den. Aber ein solcher erlanger kan allezeit (s oer wil) in der sachen / so
viel das Khönig: Recht belanget / legititimè vnnd rechtmessiger weiß
procedirn vnnd verfahren. Dann ob wol etliche in betrachtung der
Clausel / welche in den Freybrieffen alzeit eingefürt zu werden pflegt / alß
nemblichen: Præmissis sic vt præfertur stantibus ac se habentibus &c.
Das ist: So die sachen ob erzelter massen also beschaffen / vnnd sich
halten etc. vermeinet haben / daß auff den fall / wann der erste Theil der
donation vnd Schanckung / welche per defectum seminis, wegen abster=
ben ohne leibs Erben / geschehen / cassirt vnnd auffgehebt ist / daß auch
der anderTheil / welcher wegen König: Rechts auffgericht / auffgeho=
ben vnd vmbgestossen soll werden: Dieweil aber diß wahr gewesen /
daß der jenige / dessen Güeter außgebeten worden / ohne leibs Erben
mit todt abgangen: So wirdt nicht vermuettet daß obangezogene
Clausel / der gantzen donation, vnnd beneben den Königlichen Rechten
selbsten etwas derogire vñ benemme. Mag derohalben solcher erlan=
ger selbsten / wann er will / seine sachen wegen des gemelten Königlichen
Rechten frey prosequiren.

TIT. XXVII.
Daß die Güeter / welche in schwebenden Rechten han=
gen / per defectum seminis, alß ob einer ohne leibs Erben were
abgangen / nicht können erlangt vnnd außge=
beten werden.

ES ist aber zu mercken / daß so jemandt vnter
dem schein einer Erbforderung etlicher freyen Güeter hal=
ben eine Causam oder Rechtfertigung erweckete / vnd ehe
er dieselben zum ende vnd seiner wirckung brächte / ohne
leibs Erben von diser Welt abschiede / alß dann können in disem fall
solche Güeter vnd Freyheiten in schwebenden Rechten / darumb weil
der verstorbene ohne leibs Erben abgangen / von dem Landtsfürsten [Faksimile]
nicht außgebeten werden. Dann die fortpflanzung des geblüets / des=
senwegen der verstorbene dieselbigen Güeter zu wegen brächte vnnd
prosequirte, ist nun todt vnd ab: Ob gleich wol der Landtsfürst dessen
respectiuè, etlicher massen / vnd so viel die jenigen Güeter belanget / wel=
che er bey lebenszeiten besässe oder besitzen könte / ein Successor ist: So wird er doch nicht für einen Bluetsfreundt vñ Erben dieselben Güeter
zuerlangen / welche der verstorbene selbs jhme noch nicht eigenthumb=
lichen gemacht vnnd zu wegen gebracht / sondern noch in schwebender
zweifelhafftiger Rechtfertigung dieselb zuerlangen hofft / nicht gehal=
ten. Aber doch so er Güeter vnd Freyheiten vnter ander leüth händen
hette / welche Pfandtschillings weise / oder pro Dotalitio, das ist vmb
heyrath Guett / daß das Weib auff des Mannes Güetern / oder pro
Quartalitio
, für den vierten Theil / daß eines Edelmans Tochter auff
ihres Vatters Freyen Güetern zu suechen hat / oder sonsten auff an=
dere weiß wider zu lösen verbunden were: Solche Güeter hette Jr
Khönig: Mtt: etc. oder der jenige welcher solche Khönig: gnad geneust /
vnd deme solche Güeter conferirt worden / an sich zu lösen allezeit guete
macht. Dann solche verbündtnuß schliesset das eigenthumb / welches
der verstorbne selbs bey seinen lebs zeiten noch genossen hat / nicht auß.
Vnd diß helt sich gleichs fals in allweg also auch mit den adoptirten, an=
genommenen vnd angewünschten Brüdern / vnd sol auch also gehalten
werden / welche zwar für rechtmessige Successores vnnd folger / aber
doch nicht für warhaffte Erben des verstorbenen Brueders gehalten
werden / vnd solche wider ablößliche Güeter mit gueten Rechten jhnen
zueignen können. Dahero kompt das alte vnnd wolgeübte Sprich=
wort: Quod lites precio venundari & coemi non possint. das ist: Daß
die schwebende Rechtfertigungen nicht verkauffet noch erkauffet wer=
den können. Welches dictum zwar nicht dahin also zuuerstehen ist /
als das jrgent eine elende / arme vnd dürfftige Person / oder die sonsten
grossen mangel leidet / nicht köndte jrer Güeter / so jhr mit guetem Tittel
zuestehen / erlangung vnd widerbringung / sowol auch daruon herrü=
rende strittigkeiten vnnd spaltungen / erörtterung / justificirung vnnd
Rechtfertigung einem andern befehlen / oder auch solche strittige / vnd
bey Rechten schwebende Güeter mit gueter gelegenheit zu seinem nutz
vnd fromen verkauffen / vnd von sich schieben: Sondern das Sprich=
wort ist dahin zuuerstehen / auff daß derselbige / deme dieselben Güeter
verkauffet / vnd der Rechten prosecution vnnd vollführung befohlen
worden / in seinem eignen namen / in derselbigen sachen weder bey lebens [Faksimile]
zeiten / noch nach absterben dessen der solche Güeter verkaufft / in Rech=
ten verfahren könne / sondern im namen des verkauffers dieselbe sachen
dirigirn vnd vollführen soll. Der außgang aber vnd ende der Rech=
ten ist zweifelhafftig / vnd vnter dessen biß die sachen auff des Klagers
seiten jhren entlichen Rechtsspruch vberkombt / kan der verkauffer nit
recht sagen daß solche strittige Güeter sein seyen. Derowegen kan der
Kauffer wegen derselbigenGüeter in seinem eignen namen / weilen die
Güeter des verkauffers seindt / Gerichtlichen nicht contendirn noch
verfahren. Dahero / so zwischen der zeit schwebender Rechtsfert=
gung der sachen / vnnd ehe als vorgemelte Güeter durch den entlichen
Rechtsspruch wider erhalten worden / der verkauffer mit todt abgieng /
so verlieret der Kauffer allen kosten / mühe vnnd arbeit. Dann er kan
auß obangezogener vrsachen in solchen Rechten nicht weiter procedirn:
Vnd folgendts ist scheinbarlich daß er solches Recht / das ist / die strit=
tigen Güeter vmb gelt hab nicht erkauffen können.

TIT. XXVIII.
Daß die Güeter von König: donation herkommende /
ob einer schon denen Contradictoribus, vnd welche einen zuespruch
darzu haben vermainen / eine Summa gelts erlegte /
dennoch dem Weiblichen Geschlecht
nicht zuegehören.

DEßgleichen tregt sich auch offtmalen zu / daß
die Außbiter solcher heimgefallenen Güeter vnnd Ge=
rechtigkeiten / entweder per defectum seminis, vnd wegen
etlicher absterben ohne leibs Erben / oder durch jrgendt
in andere Notam, sowol auch durch den Tittel Khönig: Rechts mit
denen / die einen zuspruch zu den Güetern zu haben vermeinen / welche
zur zeit der Execution vnd vollziehung solcher donation erschienen sind /
vnd der Einweisung solcher Güeter / durch jhre vermeinte contradi=
ction
vnd widersprechung entgegen gewest / zu concordirn vnd vberein
zukommen / vnnd etwa eine summa Gelts solchen widersprechern be=
zahlen / auff daß sie desto ehe vnnd leichter das eigenthumb solcher er=
langter Güeter vberkämen / oder derselben Güeter von all andern meh=
rern beschwärnussen / denen sie villeicht wegen des Quartalitij Hey=
rath: vnd ausser deren des Weibs zugebrachten Güetern / vñ anderer [Faksimile]
dergleichen geschäfften vnterworffen wären / entledigten. Dahero ha=
ben etliche vermeinet / daß solche Güeter dem Weiblichen geschlecht so
wol als dem Männlichen folgen solten / welches doch mit nichten bil=
lich vnd recht erscheinet. Dann das eigenthumb der Freyen Güeter
auff die wurtzel vnnd vrsprung der erlangung allzeit sol deducirt vnnd
dahin verstanden werden: Wie auch oben dauon kürzlichen gesagt
worden. Vnd darumb wegen des Stammes vnnd anfangs solcher
donation werden solche Güeter acquisititia, das ist durch trewe dienst /
tugendt oder eigner bewegnuß erlangt / vnd nicht von dem Ast oder
zuefall der bezahlungen für Kauffrecht gehalten. Dann die donation
vnd Schanckung / welche vorher gangen / ist eine vrsach gewesen / auff
das solche erlegung des gelts darauff folgte.

Fortsetzung folgt [23.05.2019].