Ofner Stadtrecht von MCCXLIV - MCCCCXXI [1244-1421]. Erläutert und herausgegeben von Andreas Michnay und Paul Lichner ... Pressburg : Wigand, 1845. - XVIII, 298 S.

Ofner Stadtrecht von MCCXLIV - MCCCCXXI [1244-1421]. Erläutert und herausgegeben von Andreas Michnay und Paul Lichner ... Pressburg : Wigand, 1845. - XVIII, 298 S.

Inhaltsverzeichnis

[Editorial]

Diese digitale Version des Ofener Stadtrechts beruht auf verschiedenen Quellen. Die Faksimiles und der OCR-Text stammen von der Bayerischen Staatsbibliothek [BSB-Katalogisat]. Alle nicht zum Stadtrecht gehörenden Textteile (Einleitung usw.) wurden weggelassen, da der Korrekturaufwand zu hoch gewesen wäre.

Nach längeren Überlegungen habe ich mich auch dazu entschieden, die Zugriffsmöglichkeiten auf den Text durch Register, Inhaltsverzeichnisse und Ähnliches in Zukunft nicht mehr zu transkribieren, sondern sie über Links zu den Imagedateien zu ersetzen. Für mich ist das einfach die Lösung eines nicht lösbaren Zeitproblems, aber es ist auch die logische Schlussfolgerung aus den veränderten Zugriffsmöglichkeiten der digitalen Welt. Wenn es eine Volltextsuche gibt, braucht man nicht unbedingt ein Register. Und das Inhaltsverzeichnis kann sowieso automatisch aus den Abschnittsüberschriften generiert werden.
Heino Speer, im Juli 2020, Klagenfurt / Nußloch.

PROLOGUS.

In dem gegenwurtigen püchleyn hab ich etlich stuk zu merken vnnd czu schreiben. In welcher verpringung des werchs ist an zurüeffen dy himlisch güetigkait. Hab ich ym willen zu mergken ein vnderweisung der ainfaltigen des gemain nutz ainer stat zu regierung kurtzlich. Warumb du leser des gegenwürtigen werchs behalts vleissigklich vnd trewlich auf mergken, das in geschriften vier geschlächt der tugent werdenn pezaichent: dy ersten sein gemaines nutz regierer; dy anderen sein sträfflich; dy tritten gestrafft; dy vierden rechtlich sein gesprochen des geleichs. Von welichen allen ist zu schawen entlich. Zwm erstenn von den regierern des gemain nutz. Wen dy selben entlich werden gesprochen, tugent der purger. Vnd dy werden zu geaygent disen, dy mit vernunfft gubernieren gemain nutz. Wen dy gerechtigkait macht vnderschait vnd rechüertigung. Vnd dy gerechtigkait wirt geschribenn : dy gerechtigkait ist stät vnd ein wil des gemüets, ewig gebent einem yslichen nach seinem verdienen, vnd ist einem yeden recht helffen. Vnd nach vnserem fürsatz haben wir ein gueten willen, das dy nach gesetzten partickel löblich werden fürgenomen. Doch zw einer sicherung pitten wir nach vnserem vermügen; auf das ir ein sölich recht vleissiger für fürnembt vnd peschawt. Wen warumb kainer wirt von got verlassen, der gerechtigkait [Seite 2] würcht. Das ist alsuil: ich pit euch vnd pestergk vnd rat ewer fürsichtigkait, das ir albeg ein rechts recht ausgebet, sprechende: herr von deinem antlitz get ab mein gericht, dein augen sehen dy gerechtigkait. Her darumb sendt von der heyligen wanung deines stuels dy weishait mir zu ainer peysteerin, das sy mir peystee vnd mir helff, auf das ich wais, was dir her altzeit genäm sey vor dir. Es sey den (das) dy gerechtigkait pey, dy einem yeslichen gibt sein gerechtigkait, offt vnd digk von mennigklich entsprung zwitracht, neidt vnd hass von wegen zeitlichen dingen. Darumb das wir dem söllen nachuolgen, der do ist ein stargker, geduldiger, güetiger, fridsamer vnd ein sennfftmüetiger richter, welicher einem yeslichen nach seinem verdienen wirt lonen.

II. Durch weliche sündt vnd laster richter vnd geswaren von yrem ambt sein ab zu setzen vnd zu werfen.

Ob der richter ab liess gerecht zu sein; so verlewst er das ambt vnd den nammen eines rechten vnd warhafftigen richters. Auch wirt der richter nit gehaissen ein gerechter mitler, der dy krieg oder swäre sach entschaidt, ee den dy tayl vorhört oder gerüefft werden. Wen sein ambt vnd nammen wirt nit gesprochen eines mitlers, sunder ein zu rütter des rechtens. Darumb pit ich dein lieb, das dw got den herren vor augen habst in allen rechten vnd werchen. Vnd als der weiss spricht: aines mannes redt ist ein schone halbe redt. Man soll payde tayl verhörenn. [Seite 3]

III. Von des richters regierung, so er sitzet an dem richters stuel.

Darumb dy regierer halten yn ir handt dy wag, auf das sy recht vrtaillen; vnd wen es sich gepürdt, parmmhertzigkait sollen sy nicht versagen. Wen warumb got ist nicht aufnemmen dy person, darumb seyt ir verpunden den klain als den grossen zu richten. Auch ist zu wissen: in welicher mass ir werdt messundt sein, mit der selben wirt euch widerumb gemessen. Wen von ainem schuldigen phundt sein wir pflichtig raittung zu geben. Ist sach, das der gerecht feldt, noch wirt er aufgehebt: aber der vngerecht, mit seinem samen wirt er zesträt. Das ist, dw wirst pleibenn mit Christo, ob du fürchst den fall vnd dy vngerechtigkait, vnd pegerst altzeit pey ym zu pleiben. Dy gerechtigkait wirt nit geeret, weliche von lieb, forcht oder gunst wirt von ainem zu rüdt. Darumb radt ich dir mit allem vleis, das dir nichts auf erden so lieb vnd forchtsam werdt, das dich mag von der gerechtigkait abweisenn.

IV. Von denn tugentsamen person, dy von notturft zu gehören der regierung des gemain nutz.

Es sein vier geschlächt der menschen, durch weliche ein yede stat gezirt vnd ausgericht werdt; vnd durch welichenn der gemain nutz güetigklich vnd getreulich wirt pehalten vnd ernerdt. Zwm erstenn: ein pharrer, der witzig sey, güetig vnd gelert: von wegen der vnglaubigen. Zum anderen: ein richter vnd ein regierer, der pekandt, weis und mächtig sey; von wegen der vngehorsamen. Zwm dritten: ein statschreiber, der getrew, listig vnd wissundt sey; von wegen der petrieger. Zum vierten: söllen sein dy ratherren aintrëchtig vnd aines willens vnd nicht versawmlich pey den gab geberenn. [Seite 4]

V. Von den aigenschaften vnd tugenten des richters, der rathern vnd der geswaren.

Ein yeglicher richter oder regierer, rather oder geswaren, sol haben in ym vier aygenschafft, als: weishait, güetigkait [oder] gerechtigkait, stergk vnd (weishait) mässigkait. Dy weishait; das sy nicht petrogen werden. Vnde deutronomy Io: ich hab erwelt aus ewren geschlächten weis vnd verstäntig man, vnd gesetzt richter. Dy güetigkait oder gerechtigkait; auf das er nicht werdt vernicht oder zu rüdt. Vnde deutronomy am XVI capitel wirt gesprochen: setz richter vnd maister; auf das sy richten das volk eines rechten vrtails. Dy stergk des gemüets; auf das (das) sy nicht erschregken. Vnde exodi XVIII capitulo: fürsiech dir weis, möchtig vnd gotforchtig mannen, yn dem do ist dy warhait vnd dy vermeydung der geittigkait, vnd weliche richtundt sein altzeit das volk. Vnde ecclesiastici VII capitulo: nicht nym dich an zu werden ein richter: es sey den, das du magst zestören dy schalkait oder poshait der hochfertigenn; villeucht das du förchst das antlitz aines mëchtigen, vnd setzest schandt in dein pehendigkait. Item dy mässigkait; das sy werden pewegt mit vngestummigkait. Vnde sapientiae XII capitulo: aber du her richtest mit gestilligkait. Also ist verpflicht der mensch dem götlichen rechten vnd gesetzen.

VI. Von den schalkhaftigen vnd vngetrewn, pösen menschen, dy in kainerlay weis sein zu erwellen zu dem regiment des gemain nutz.

Dy sein nicht zu erwellen zu regieren den gemain nutz, dy pöslich ir aigenschaft volbringen; vnd ob sy erwelt wurden vnwissenlich, doch sein sy ab zu werffen. Wen yn ainer yeslichen erkantnuss vnd vrtail, wo dy tayl sein vbertretund, zwischen [Seite 5] yn selbs zu rütten sy ein offenwar recht. Darumb ein yeslicher gemainer nutz, getreulich pehalten, wirt durch sy zu stort, vnd gemainklich von den vnweisen wirt es vndergedrugkt.

Sam also dy nachuoligunden sein:
Geittiger, der albeg nemmund ist.
Ein trungkner, dem nüechtrigkait nicht pey ist.
Ein klaffer, der peschriren ist.
Ein vnweiser, an vernu[n]fft.
Armm, mit durfftigkait.
Ein schalkhafftiger, voller laster.
Ein tämischer, kindlicher siten.
Einer, der nit gotfarchtig ist, als ein tyran.
Ein zuetüthler, voller petriegerey.

VII. Von der sargfeltigkait vnd fürsichtigkait eines yeden gerechten richter.

Du richter, ist das sach, das du seist ein fürgesetzter ratgeber, so gedengk vleissig zu sein von gantzem hertzenn, wen du geswaren hast dise ding zu pewaren; darumb versiech vnd pedengk dy recht er vnd fruchtperkait, dy darauss kumbt.

VIII. Zu vernewen dy verdächtnuss wider dy gerechtigkait.

Nicht hilff den vngerechten sachen deiner frewndt. Noch peit oder verzeug nicht; sunder piss pehendt zu helfen der sachen der armen. [Seite 6]

IX. Zu pehalten des gemain guet oder nütz.

Richter, zu ainer merung der stat, vernymb dyse ler:
Stee rechuertig zu helfen dem armen als dem reichen.
Pis stargk einem yeglichem zu geben sein recht.
Vrtail ein gerechte sach nicht zu dem vngerechten.
Übersiech nicht den pösen, sunder piss güetig den gueten.
Pehalt lieb, vnd mässig dy gestrenghait des gerichts.
Grawssam ist dy gerechtigkait:
Wirt sy nicht gefüeget mit mildigkait.
Nicht glaub redt zuhandt:
Wildu haben ein redlichen standt.
Vnderweis dich selber:
Ee du richtest einen schnelle.
[Seite 7] Wer do glaubet zu pehendt:
Der schadet ym vnd anderen zu aller frist.
Der do richtet pald pald:
Von dem gerechten feld er schnell.
Zaren, hass, lieb vnd gab:
Offt ein rechtz recht macht es tob.
Darumb schaw zu aller zeit:
Das du dich hüettest vor disem streit.

X.

Hie hebt sich an das register aller capitel des nach geschriben rechtpuech nach Ofner stat rechten, ausgesetzt nach in haltung der gulden bull vnd aus weisung vil kreftiger hantfesten vnd gueter gewonhait.

[Seite 7: Register]
[Seite 8: Register]
[Seite 9: Register]
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[Seite 21: Register]
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[Seite 23: Register]
[Seite 24: Register]
[Seite 25: Register]
[Seite 26: Register]

1. [Seite 27] Von dem anfang vnd vorred dises pueches.

[I.1]

Hye hebet sich an das rechtpuech nach Ofner stat rechten, vnd mit helet in etlichen dingen oder stugken Maidpurgerischem rechten.

2. Vnd ist geschriben nach allen ausgesprochen vrtaillen vnd nach gueter, löblicher gewonhait vnd allermaisten nach sag hantfestlicher prieff, damit dy selbe Ofenstat gestifft, gefreyet vnd pegabet wardenn ist von manigen künigen vnd fürsten des lands zu Vngeren.

3. Vnd ist genandt epilogus, das bedeutet zu deutschem: geantort oder verneute redt. Wan ich nichts kan nach wais zu schreiben, es hab sich alles vor ergangen mit geschrift oder mit rede. Vnd du magst mit ernst lesen, er vnd gefur vnd deiner sel säligkait vinden in disem puech.

4. Vnd ist dises puech getailt in drey tail, nach dreyrlay standt oder wesen der menschen: der höchsten, der mittelsten, vnd der nidersten. Zu dem erstenn sagt es von dem obristen rechten des künigs, der lantherren vnd auch der edlen des vor geschriben Vngerlands; vnd darnach von dem richter vnd gesworen purgeren oder ratman der Ofnerstat; zum letzten von gesessen vnd von geerbten leüten vnd von allen hantwerchen vnd auch von allerlay volk der ganzen gemain.

5. Vnd ist mit pestëtigung des kunigs vnd mit [Seite 28] wilkür alles statfolks zu wegen kumen.

6. Vnd du leser, wer du pist, nicht lass dich verdriessen zu lesen in disem puech mussigklich, emssigklichen vnd weislichen. Das erst macht dir es smegken, das ander macht dir es lieben, das drit gibt dir es zuuersten. Missefelt dir dan ichtz an meiner arbait, so hab gedult, vnd schuld der krangkait oder tumhait vnd vnwitz meiner synnen, vnd straff das nutzlich prüederlich vnd auch freilichen, vnd nicht morde mich in deinem neidt mit deiner zungen, vmb dy klain gab, dy ich dir gib lautter vmb gotteswillen, so sy doch pesser ist, wenn gar nichtz, vnd ye pesser, dan dy dein, wan du dar zu nichts gefüedert hast. Der neidt ist das aller freisamist vnd snodist tier, das herren Jacob seinen sun Joseph versligket; dar von geschriben stet: Fera pessima etc. Aus neidt todt Cahim seinen prueder Abel, der do opferte got das pest aus seiner herte; so gab Cahim dy leren eren vnd ausgedroschen garb: vnd vmb den neidt er mordet Chaim sein brueder Abel. Was dem darumb geschach, do frag ferrer vmb, vnd hüet dich do vor: das ist mein rat. Vindest aber ichtz nutzes dar in, so lob den, der do gelobet wil sein aus der aussprechenden iungling mund, als der psalter sagt, vnd pit got fur mich sunder, sprechende dise wart: dw solt gedächtig sein des Johes [l. Jehovas] zu ewigen zeitenn.

2. Wo man got lob vnd er zu sagen soll.

Do alle ding ir wesen haben von dem ainen ymmer vnd ewigen wesen, das ist von got; darumb wil ich von ym zu einem anfang aus meiner krancken witze [Seite 29] etwas in einer kürtz sagen. Vnd ich sprich: vor allen dingen ist not einer yetzlichen christenlichen stat, das ir statfolk noch den gepoten gottes lobe, vnd in lieb hab aus hertzen vnd aus seel. Vnd das geschiecht dan nicht, so man offenlich anders vnd vnchristenlichen lebt mit pösem, verkerten werchen, do mit man got, seiner aus erwelten mueter vnd aller [heiling?] verspot vnd verleugent. Wie wol er Christen vor iehen mit dem mund, domit ertzurnet man got wider ein gantz gemain. Vnd das geschiecht dan, so der richter vnd rat nicht straffen dy luprer vnd zaubrer, meinayder, feirprecher, spiler, eeprecher vnd all ander offenwar vbeltëter, von den ich hernach nemlich vnd lautterlich schreiben wil. Mit den poshaftigen vntugen smecht man got, vnd pricht pruederlich lieb vnd trew gegen seinen eben christenlichen menschen. Darumb solt das nyemant leiden. Dy selbig poshait, got sey es geklagt, haben dy gantz welt übergangen; darumb sol man sy mit fleis vnd mit grossem ernst aus reitteren vnd vertiligen.

3. Von dem babst vnd dem kaiser.

Von dem pabst oder dem kaiser mein ich ichtz oder gar ain klaines zu reden, vnd auch von anderen kunigen, dy all seindt in dem öbristen standt; sunder vmb vnseren gnedigen herren, den künig von Vngeren, der vnser natürlicher her ist, von dem [Seite 30] wil ich etwas kurtzlich alhie schreiben, von seinen rechten vnd von seinen zinsen oder losung vnd von anderen gaben. Doch sprich ich, man sol in paiden, dem pabst vnd dem kaiser gehorsam sein; wan sy füeren dy zway swert, dar von sand Peter sprach: nembt war zway swerter etc. Vnd als vil das pabst swert serer sneidt, dan des kaisers, wen es sneidet leib vnd sel in dy abgrundt der helle, das ist der pan, also vill sol man es fester furchten vnd meiden mit grosser gedult vnd mit rechter gehorsam; er sey vom pabst oder von seinen gelideren, das sein in einer al priesterschaft, recht oder vnrecht geslagen. Wan vmb vngehorsam viel ein mensch in den pan, der sunst in nicht hett verschuldiget.

4. Von den kaisern vnd künigenn.

Kaiser, künig vnd ander krönte diser welt, mag man ab setzen durch manicher handt geschiecht. Am ersten, ob sy sten hertigklichen in des pabst pan. Item, ob sy in einen vnglauben treten vnd in ketzerey. Item, ob sy wüetrich wurden. Item, ob sy müeselsüchtig oder aussetzig wurden. Item, ob sy gottes dinst oder gotz heuser rauber, wuster vnd der kirchen zu störer werden. Nicht mer wil ich alhie von yn schreiben, wie wol doch des vil vnd vil mer ist. [Seite 31]

5. Von kunigen des lands zu Vngerenn.

Ich rat, das man vnserem gnedigen herren, dem künig zu Vngeren, dem erwelten vnd gekrönten, dem man den gesworen hat, als er lebt, er sey gegenwurtig oder zu kunftig, stät trew zu halten, vndtz in denn tod; er wellet vns den selber frey vnd ledig sagen mit seiner freyen wil kür, ob sich das gepürdt.

6. Von des küniges vnd künigin krönung.

Zu des küniges oder kunigin krönung sol der stat richter mit etlichen herren des rats, vnd mit anderen erberen statleiten erlichen ziehen mit yrem folk gen Weissenburg, do dy kronung sol geschehen; vnd zu Weissenburg süllen sy wol vnd zirtlich geharnascht sten pey der vorderen thüer an der kirchen, do man den künig vnd dy kuniginn kron, vnd sullen der kirchtür hüetten eben so lang, vntz das dy kronung ganz vnd gar geschen ist. Do süllen sy dan dy kunig oder kunigin belaitten pis in ir herberg.

7. Zu des kuniges zuekünft aus herfarten oder aus frombden landen.

Wen das geschiecht, das der kunig in herfarten zeucht, oder anderswo raist, vnd ein mergklich zeit aus dem land ist, so er den haim kumbt zu lande, vnd der stat zue nahent: man vnd weib, iung vnd alt, mit sambt der priesterschafft von allen kirchen vnd klosteren, erberlich gezieret, in einer process mit fanen vnd mit heiltumb vnd mit prinnenden kertzen [sullen] im hingegen gen; vnd der stat richter mit sambt den richteren vnd mit anderen erwerdigen statleüten, dy das vermügen, süllen ym entgegen reyten, vnd sullen yn wirdigklichen enphahen, vnd süllenn in dan vntz in dy festen pelaitten. Do [Seite 32] sol dan der stat richter dyemüetigklich vrlaub von ym nemmen, vnd sol mitsambt dem statfolk zu haus gen; vnd all dy weil sol man in allen kirchen vnd klösteren leüten mit allen glogken.

8. Von der kunigin swangerung vnd irer gepurdt.

Wan das geschiecht, das ein kunigin swanger wirt, oder ein kindt geperdt, so man das der stat verkundet, so sol man dy poten erberlich enphahen vnd mit zymlicher gab pegaben. Auch sol man dem poten mit gantzem fleiss dangken erber vnd frölicher potschafft.

9. Von des küniges iarzins oder losung.

Des kuniges von Vngeren iarzins von Ofner stat ist vier tausent gulden in golt. Dar in pezallen dy von alten Ofen enhalb der Thuenaw das dritte. Vnd dy selbig pezallung sol altzeit peschaidenlich geschehen auf sand Jorgen tag.

10. Von des kuniges vnd kunigin gebtag.

Man ist schuldig dem künig ein vnd zwaintzig margk ver arbaittes silber zu kandel vnd flaschen oder ander silber geschier, vnd des sullen sein zway tail weis, vnd [Seite 33] der dritte vergolt; dem kunig, vnd auch des selben gleichenn der kunigin zu gehort. Der obgeschriben einvndzwaintzig margk silbers sullen dy alten Ofner auch am dritten tail pezallen vnd ausrichten. Vnd dy selbig pezallung gewöndlich geschehen soll an dem iartag.

11. Von des kuniges vngewöndlich schätzung.

Ob sich das gepurdt, das der kunig durch notwillen ein vngewondlich schatzung oder losung wold auf slahen; das sol er mugen thuen auf dy gantz stat, vnd nymmer nit auf besundert aus der welt [lies: auserwelt.] leüt, weder auf vil, noch auf wenig. Vnd dar in sullen dy zwen richter vnd ratherren mit leidung haben vnd zymlich helfen mit pezallen, aus genomen der pharrer vnd der statschreiber.

12. Von anslahung der stat losung.

So man losung dy stat an slahen wil, so sol man erwerben vnd kysen zu den ratherren ein penente zal oder 24 frumer man aus den eltistenn; der süllen [Seite 34] sein zwaitail Deütsch vnd der trit tail Vnger. Dy selben person sullen nach der sel saligkeit vnd gueter gewissen mit sambt den herren an slahen, dem reichen vnd dem armen, yedem man nach seinem vermugen. Was man pedarff vber dy wein, oder was man von wein nemmen soll; darzu sol komen dy gantz geerbte statgemain, vnd sullen aus sprechen, wer seiner wein oder seines ingesindes wein verlaugent, do von man losung nemmen sol, der sol verliesen dy geleugenden wein gar dem gerichte, vnd ist ym hin für nicht mer zeglauben, den wes ein gans werdt ist oder in phenning.

13. Von dem selbigen.

Ein yetzlicher, der mit in wonen wil, der soll auch mit in leiden, übel vnd guet. Auch sol er mit in pezallen helfen alle steur vnd losung.

14. Aber von dem selbigen.

Wer zu Ofen erb hat, vnd anderswo gesessen ist, der sol mit yn auch pezalen alle schatzung vnd losung; als sy dan des manichen prief von den lantherren vnd edlen haben.

15. Von dem schatzmaister.

Als pald vnd dy losung nu angeschlagen ist, zw stund an sol man geben aus der gemain zwen oder drey erberig gesessen man zu einem yetzlichen viertail in der [Seite 35] stat. Den selben sol man geben dy losung pücher, das sy do mit gendt alle tag, wen sich das gepurdt; vnd mit grossem fleiss süllen sy dy losung von einem yeden man füederlich nach ausweisung der losung pücher ein nemmen. Darumb süllen dy selben losunger ein genant sumb gelts haben für ir müe vnd arbait. Vnd wan sy dan dy losung haben ein genomen gar, oder ein tail; so süllen sy das selbig gelt zaichen vnd antwurten dem richter vnd den ratherren, mit wissen vnd mit willen der stat gemain darzu gesetzt haben. Wer das statgelt dan also von den losungeren emphangen hat, der sol des ersten dy losung gen hoff ausrichten, vnd das übrig sol man in der stat nutz legen mit wissen vnnd gehaissen des richters vnd des rats; also das alzeit vor sand Jorgen tag, ee dan der richter vnd die ratherren ir ambt auf sagen, so sol der selbig schatzmaister von allem gelt, das er emphangen vnd aus geben hat, ein gantze vnd ain volkomene rechnung geben.

16. Von des tarnakmaister gericht.

Es sol ein statman nichts anders, dan erber[i]g sachen, vmb erbe vnd aigen vnd mergklich geltschuld an des tarnakmaisters gericht mugen perüeffen. Auch so sol der tarnakmaister dy selbigenn sach gar aigenlich verhoren. Vnd wen der tarnagkmaister dy sachen richten wil, so sol er darzu pesenten vnnd (Fol. 15) rüeffen den richter vnd gesworen purger der stat, vnd sein dan von merr steten richter vnd purger pey diser stat, dy sol er auch dar zu perüeffen, vnd also sol er dy sach richten, vnd sunst über kain vnredlich sach, nemlich dy das pluet antridt, sol er mügen richten.

17. Von des tarnakmaisters rechtenn.

Man ist schuldig zu geben alle iar XV rotguldein; der selbigen pezallung [pezallen oder geben] auch dy alten Ofner ein dritten tail. [Seite 36]

18. Von des kunigs hofmeister rechten.

Des kunigs hofmaister ist man pflichtig zu geben alle iar VI rot guldein; der selbigen guldein pezallen auch dy alten Ofner einen drittail: als in der freihait kunig Sigmund etc.

19. Von der lantherren herberg.

Es sol auch kain herschafft mit gewalt pey in ab sten, noch wider yren willen mit gewalt nicht von in nemmen; sunder seiner notturfft sol er ym kauffen vmb par gelt, wes er pedarff in der stat, so er wil ab sten: als den geschriben stet in der gulden bull.

20. Von den vier angel tugent der amptleüt.

Der selbig richter vnd alle ander ratherren süllen an in haben vnder allen anderen tugenten vier angel tugent. Zum erstenn: dy weishait; das sy nicht petrogen werden: als vor an geschribenn stet deutrono. am ersten: ich hab erwelt aus ewren geslächten etc. Item: dy gerechtigkait; das sy icht verrügkt werden: daruon geschriben stet deutrono. 16: pestell [Seite 37] richter vnd maister, das sydas folk richten eines rechten gerichts. Item: dy stergk (das) des gemüets; das sy icht erschrogken werdenn, vnd dy vorcht gottes, durch des rechten willen; das sy küenlich pestenn: von dem geschriben stet exodi 18: fürsiech dir weis, möchtig etc., als vor geschriben stet. Auch von demselbigen geschriben stet ecclesiastici 7: nicht nymb dich an zu werden ein richter, als vor etc. Item: dy weishait sullen sy auch habenn; das sy mit kainer yech nyemant icht laidigen oder petrüeben: do von geschriben stet sapien. 12: aber du her richtest mit stilligkait. Also sol auch der mensch thuen, vnd ein yeglicher richter.

21. Von aigenschafft der vier obristen amptleüt der stat.

Der pharrer sol sein ein gelebter, bestentiger, weiser vnd wol gelerter man; durch der vngelaubigen willen. 2. Item, der richter sol sein ein gefrewnterr, weiser vnd mëchtiger man; durch der übeltëter wegenn. 3. Item, dy ratheren sullen sein fürsichtig, fleissig, eintrëchtig vnd nicht sawmig in dem gericht; durch der vngehorsam willen. 4. Item, der statschreiber sol sein (Fol. 16) kündig, getrew, listig, weis vnd wol wissend; durch der petrieger willen.

22. Von etlichen vntüchtigen leuten.

Wer diser nach geschribner vntugent aine oder mer an ym hat, das das offenlich wissent ist, der ist mit nichte nit zu einem pharrer, richter, rather, statschreiber noch zu ainem erberen ambt der stat zu enkiesen. Item, der geittigen, wan er ist ein zugker; vnd ein trungkner, wan er ist der witze ler; vnd der gewdende, wan er ist ein offenwarer. Item, ein vnweiser, wen er ist der synne ler. Item, ein armer, wen er ist ein durfftiger. Item, der töttende, wen er ist ein kindt ernester mer. Item, der vngeleubt, wen ym ist der glaub vnmer. Item, der nicht gotfürcht, wan ym ist aller warhait swer. Item, vnd ein yetzlicher ioher, wan er ist einrechter zutütler. [Seite 38]

23. Von erwellung eines pfarrers.

Der statrichter vnd der rat haben volle macht vnd freitumb, mit wissen vnd willen der gemein, dy darzu gehören, zu erwellen vnd zu erkiesen einen pfarrer, ob got mit dem tod oder anders dy kirchen auf sagt. Vnd wen sy den selbigen pfarrer also erwelt haben, so sullen sy in dem ertzbischof zu Gran, oder seinem vicario, antwurten, das er in pestetigt, als der kirchen recht ist. Auch sol der selbig pestetigt pfarrer altzeit gegenwurtigklich pey der kirchen pleiben, vnd sol kainen vicarium an seiner stat dar mügen setzen, wider yren willen: als dan dy gulden bull das aigentlich aus setzt, dy leüt (dy leut) also: "Item, zu erwellen einen pfarrer haben sy ein freye wall, so dy kirchen an ain pfarrer ist; noch der pfarrer pedarff kain an sein stat setzen, an der herren wissen vnd willen."

24. Von ewellung eines stat richters.

Der stat gemain wol gesessen vnd geerbt, vernunftige leüt haben einen richter zu kiesenn aus in selber, wen sy wellen; also, das der selbig richter von deütscher art sey von allem seinem geschlächt. 2. Vnd wen sy den selbigen richter erwelt haben, so sol man in gen hoff dem kunig oder dem purggrauen zaigen, nach ausweisung der guldein bul, dy leut also: 3. "Item, sy sullen den grösseren des dorffs oder stat erwellen, welichen sy wellen, vnd vns antwürten: welicher alle ire sachen sol richten. 4. Vnd ob es ist, das durch yn ein rechte gerechtigkait nit mag ausgesprochen werden, so sol der selbig amptman, vnd nit das dorff, vor vns kummen, oder für den, dem es durch vns pefolhen wirt". – Aus dem priuilegio des kunig Lasla. [Seite 39]

25. Von dem selbigen.

"Den selbigen haben wir verlihen, auf das sy nicht petwungen werden zu nemmen einen richter nach vnserem willen, oder durch vns geben; sunder aus yrer erwellung mugen sy nemmen einen fürsteer, (Fol. 17) welichen sy wellenn: als vorklert ist in dem priuilegio des kunigs Bele, vnsers für forder. 2. Welicher vorsteer sein ambt sol antwurten in dy hend der purger nach dem iarr."

26. Von dem selbigenn.

Der künig sol ym [l. in] nicht setzen ein richter; sunder sy sullen haben frey wilkor, aus in selber einen richter zu erkisen vnd zu setzen, wer einer gemein dar zu wol gefelt.

27. Von erwellung der ratherrenn.

Von alter gewonhait vnd von alten rechten süllen dy Deütschen zehen man vnd dy Vngeren zwen zu dem rat erkiesen, dy dem richter süllen helfen das recht zu pesitzen vnd aus sprechenn.

28. Von erwellung des statschreibers.

Der statrichter vnd dy ratherren, mit wissen vnd willen einer gantzen gemain, mügen einen statschreiber kiesen; vnd der selbig sol sein von deütscher art vnd gepúrdt von allen seinem geslächte. [Seite 40]

29. Von erwellung des geltrichters.

Der vor geschriben pestëtigt stat richter hat zu setzen vnd zu erkiesen nach seinem willen ainen aus den ratmannen oder aus den gesworen purgeren zu ainem geltrichter, der aus deütscher art sey. Der selbig mag vnd sol richten alle geltschuldt, vntz auf viertzig rot gulden, vnd dar über nicht; wan was ist, das gehort fur das obrist gericht.

30. Von dem freitumb des richters zu erwellen.

Auch hat der statrichter von alter gewonhait dy ere vnd macht, das er einen ratherren mag erwellen vnd setzen an des geltrichters stat, also, das dy zall der zweliff ratherren gantz vnd gar erfüllet werdt.

31. Von erwellung des richters zu alten Ofen.

Dy alten Ofner sullen einen richter aus den gesworen purgeren von Ofenstat nemmen, der in dan von dem richter vnd rat geben wirt, an alle wider redt.

32. Wer, wy vnd wen man den statrichter erkiesen vnd erwellen soll.

Zu erwellung des statrichters an sand Jorgen tag, so das hochampt in vnser obristen [kirchen] zu Vnser Lieben Frawn volbracht ist, zu stundt an vor essenzeit, ee ein yederman zu tisch get; so süllen vor dem rathaus auf dem platz zu samen komen der stat gantz gemain, arme vnd reich, ydoch dy pey der stat wol gesessen vnd geerbet sein, vnd süllen mit guetem [Seite 41] vorrate vnd wol pedachtem muet aintrëchtigklich erwellen vnd erhöhen einen richter; 2. der sol sein ein deütscher man von allen seinen vier annen, vnd sol gesessen sein in dem rat (sey) pey sechs iaren, oder hin über. 3. Ob das geschech, do got vor sey, das sy auf den selbigen tag nicht aintrëchtigkait (Fol. 18) machen wurden, also das ain tail wurd stummen auf ainen man, der ander tail auf ain anderen man; der zwair sol kainer richter werden, sunder man sol dy erwellung schieben vnd verziehen vntz auf den anderen tag, ob sy ainmüetigklich der zwair ain haben wolten, sunst sullen sy den dritten aintrëchtigklich zu einem richter kiesen vnd erhöhen, der ye von deütscher art sey. 4. Vnd welicher dan also erwelt vnd erhöcht wirt, mit willen armer vnd reicher – als vor geschriben stet – geerbter mannen, den sol man vor pringen dem kunig oder seinem anwalt, ob der künig selber in der stat nit wer. Vnd als in der bul kunig Belis: 5. "Item sy sullen erwellen den witzigisten vnd gröstenn des dorfs, vnd erwellet süllen sy vns yn antworten, welicher al ir weltliche sachen sol richten": als in der guldein bul ist des kunig Belis, vnd yn der freihait oder priuilegi kunig Lasla, vnd yn pestëtigung vil ander künig, sunderlich yn priuilegio vnd pestetigung kunig Sigmund: 6. "das kain richter oder gesworner purger vnder yn erwelt werd, ess sey den, das er sey ein gesesner zwischen, vnd ob das nicht wer, so sol er setzenn pürgen zu einer pesichrung, von welicher dy künigklich maiestat, tarnagkmaister, oder der öbrist zu Ofen mag genüegsam sein. 7. Auch kainer aus der gemain in der zeit der erwellung aines richters vnd der anderen purger daselbs sol gen mit gewer oder waffen. Thuet er über das, so ist er verfallen ainer handt. Ob aber yemandt daselbs krieg mit warten oder mit werchen wurdt an heben; der ist verfallen das hauppt. 8. Auch sol kainer nicht genomen werdenn in dy gemainschaft der purger, allain er sey ain hauswirt, gueter aigenschaft vnd güets lobs, der do habund ist erb vnd aigen. 9. Welicher aber nicht aigen güeter hat, der sol setzen sicher glúbnuss, mit den selbigen purgeren vnd das er pleib pestäntig das gantz iar, vnd treulichen der kunigklichen maiestat dienen. 10. Der richter vnnd auch dy gesworen, dy do erwelt werden durch dy purger, süllen sy geantwurt werden zu ainem [Seite 42] zaichen vnd peweisung grosser getreulichkait vnd dinstperkait dem künig, oder dem tarnagkmaister, oder dem öbristen des gslos zu Ofen. 11. Darumb wellen wir, vnd aus vnserem willen pestëtigen wir, das dy gemain zu kainer zeit in welicher lay sachen oder táten sol gesammet werden an wissen vnd willen des richters vnd der geswaren. Werden sy es darüber thuen vnd etwas anheben; so süllen sy verfallen sein hundert margk raines silbers zu geben in dy künigklich kamer vnwidersprechenlich. 12. Auch sol nyemant geben haimlich oder offenlich rat auswendig des rats, des richters vnd der gesworen, zu kainerlay sach, es sey in leütheuseren, auf der gassen, ann haimlich oder offenlich steten. [Wer dar vber thuet], der sol verfallenn sein hundert margk phenning der kunigklichen maiestat. 13. Zum letzten, so pestëtigen mir, das in der erwellung des richters vnd der gesworen dy menschen, dy nicht sein mitwoner der stat, sullen nicht mit stummen mit warten noch mit werchenn.

33. Von erwellung wegen dreyr purger, ainen [l. zwen] pey sand Peter, vnd der dritter an dem Zeisselpüchel gesessen, vnd yrer rechten.

So dan dy funfzehen alle gesworen haben, so sol man forderen drey erwirdig man vnder dem perg, zwen pey sand Peter, vnd ain pey dem Zeisselpüchel (Fol. 19) gesessen, [Seite 43] dem gerichte zw gehilff 2. Dy selbigen sullen sweren, ir ampt treulich zu volfüeren, vnd darnach zu gleicher weis, als ein hantwercher, der stat schande zu melden. 3. Sy habenn auch nicht mer rechtens, wen das sy dy leüt mügen fachen, doch mit peschaidenhait. Wen sy fachen des abent spate, den süllen sy des nachts pehalten, vnd des morgen früe auf den perg dem gericht antwurten; wen sy aber frue fahen, den sullen sy vor mittag, vnd wen sy nach mittag, den sullen sy vor abent dem gericht antwürten. 4. Vnd kain gericht süllen sy darüber noch kain puess von yn nemenn.

34. Von erwellung der gesworen man von yetwederen hantwerch.

Darnach sol mann aus yeslichem hantwerch sunderlich geantwurten zwen der eltisten, vernunftigisten vnd pestentigisten man auf das rathaus. Wen der richter der hantwercher pedorff zu der stat notturfft, das er wisse dy ze besenden. Dy sullenn auch sweren, als hernach geschriben stet. [Seite 44]

35. Von des puess, der von einer gantzen gemain zu einem ampt erwelt wirt, vnd das versagt an redlich vrsach.

Wirt ein statman erwelt von der gantzen gemain zu dem richter ampt, versagt er das an redlicher vrsach, vnd wil des ampts nicht auf nemmen, zu dem erstenmal; so sol er verfallen sein vmb funf margk statwerung. Wirt er angelangt zu dem anderen mal; so sol [er] aber verfallen sein funf margk statwerung. Ist es sach, das er zum dritten mal gepeten wirt zu dem selbigen ampt, vnd versagt das; so sol er aber verfallen sein funf margk statwerung: vnd das selbig sol man als an der stat nutz legen. Über das sol ym alles statrecht vnd gemainschafft versagt sein ein gantz iar, als einem ge echtem vnd pennigen manne. Auch sol ym kain arbaitter in sein arbait vnd notturfft nicht turren geen, vmb kainerlay mit.

36. Zu dem selbigen von den gesworen ratherren.

Wirt ein statman von der gemain er wilt zu einem ratherren ampt, versagt er das an redlich vrsach, vnd wil des ampts nicht auf nemmen, zu dem erstenmall; so sol er verfallen sein drey margk statwerung. Wirt er gepeten zu dem anderen mal, vnd versagt das; so sol er aber verfallen sein drey margk der statwerung. Wirt er gepeten zu dem drittenmall zu dem ampt, vnd versagt sein; der margk vnd dem allen sol man thuen, als oben geschriben stët. [Seite 45]

37. Wie der richter aus yetwederen hantwerich pesenden sol zwen man den ratherren zu hilff, so dy stat mergklich sach an genn.

Wan dy stat ichtz mergklichs oder gross an get, so sol der richter dy ratherren vnd gesworen zechmaister vnd ander namhafftig gesessen lewt mit zetlen vnd mit anderen zaichen besenden, mit den er der stat sachen aigenlichen mag aus richten. Auch [sol] der richter dy gloken auf dem rathaus lassen (Fol. 20) leüten, auf das, das ein yeder man dester fuederlicher auf das rathaus komen mag, vnd der stat sach vnd geschefft da ausrichten, pey der puess, dy dan darauf gesetzt wirt.

38. Von des puess, der (der) zu der stat geschäft nicht kommen will.

Hie ist zu mergken, wen der richter den rat vnd dy gemain besendet, vnd ir ainer nicht komet, ist er ein ratman, er verfellet vmb ein margk; ist er ein gesworner hantwercher, er vorfellet vmb ein halbe margk: ist er aber ainer aus der gemain, er verfellet ein vierdung. [Seite 46]

39. Von der ratherren puess, dy gerüefft [werden], vnd zu gericht nicht komen.

Wer zu der purger geschafft nicht kummet, so man dy glogken leut, der verleuset sechs phenning; wirt ym das purger ding pekundiget, vnd kummet dennoch nicht, so verleust er ein margk phenning.

40. Von der schigkung des richters, ratherren, statschreibers vnd ander gesworen amptleut zu dem ayd.

Nach erwellung vnnd pestettung des stat richters, der rat herren, geltrichters vnd statschreibers, so sol der richter auf einen zymlichen tag besenden dy ratherren, zechmaister vnd dy gantzen gemain, arme vnd reich, dy ayde zuuerhören, dy der stat richter, ratherren, geltrichter vnd statschreiber thuen süllenn.

41. Von der fürgebung des aydes.

Auch ist zu mergken, das der statschreiber sol dem richter allain, vnd denn ratherren zwain vnd zwain, oder drewn vnd drewn, vnd den zechmaisteren den ayd vorgebenn. [Seite 47]

42. Wie der richter sweren soll.

Ich swer ain ayd, got dem almechtigen, vnd vnserem gnedigen herren, dem kunig N. kunig zu Vngeren, vnser genedigen frawn, der kunigin N. zu Vngeren, vnd der heiligen kron zu Vngeren, vnd allen yren trewen lantherren, vnd der stat zu Ofen, Deütschen vnd Vngeren, armen vnd reich, getrew zu sein vnd ein rechtes recht zu halten; vnd wil das lassen widerfaren dem armen als dem reichen, dem kunden als dem frömbden, nach meinem [Seite 48] gueten gewissen vnd vermügen, als mir das got gibt zu erkennen; vnd der stat nütz zu erberben, vnd den schaden zu pewaren, das recht zu füederen, vnd das vnrecht zu hinderen, vnd zu krengken; vnd wil der stat vnd rats haimlichkait verswigen pehalten: vnd des nicht lassen wil, weder vmb lieb, noch vmb laidt, noch vmb neidt, noch vmb hass, noch vmb forcht, noch vmb frewntschafft, noch vmb gunst, noch vmb gab, noch vmb kainerlay sach, do mit ich disen meinen gegenwürtigen aydt möcht vermailigen. Also helf mir got vnd das heilig ewangelium.

43. Wie die ratherren sweren süllenn.

Ich swer ain aydt, dem almëchtigen got, vnd vnserem gnedigen herren, dem kunig N. kunig zu Vngeren, vnd vnser gnedigen frawn, der kunigin frawn .N. kunigin zu Vngeren, vnd der heiligen kron zu Vngeren, vnd (den) yren getrewen lantherren, vnd dem richter, vnd der gantzen gemain der stat zu Ofenn, Deütschen vnd Vngeren, armen vnd (Fol. 21) reichenn, [Seite 49] getrew zw sein, vnd ein rechts recht wil helffen halten; vnd wil das lassen widerfaren dem armen als dem reichen, dem frömden als dem kundenn, nach meinem guetenn wissen, vnd mir das got gibt zu erkennen; vnd der stat nutz zu erberben, vnd den schaden zu pewaren etc. ut supra.

44. Von des statschreiber aydt.

Ich swer ein ayd, got dem almëchtigen, vnd vnnserem gnedigen heren, dem kunig .N. künig zu Vngeren, vnd vnser gnedigen frawn, der kunigin frawn .N. kunigin zu Vngeren, vnd der heiligen kron zw Vngeren, vnd yren getrewn landtherren, vnd meinem herren dem richter, vnd dem rat, vnd der gantzen gemain der stat zu Ofenn, Deutschen vnd Vngeren, arm vnd reich, getrew wil sein; vnd das ich mein stat schreiber ampt getrewlich bewaren vnd wol füeren wil, nach meinem gueten gewissen vnd vermugen, nach dem vnd mirs got gibt zu erkennen; vnd des rates vnd der stat vnd des rats haimlichkait verswigenn halten wil: vnd des nicht lassen wil ut supra.

45. Von dem ayd der zwayr purger pey sand Peter vnd am Zeisselpüchel.

Ich swer ein ayd, got dem almechtigen, vnd meinem herren dem richter, vnd dem rat, vnd der gantzen gemain der stat al hie zu Ofenn, Deütschen vnd Vngeren, armen vnd reich, getrew zu sein; vnd das ich mein ampt getreulich pewaren vnd wol füeren wil, nach [Seite 50] meinem gueten gewissenn vnd vermügen, nach dem vnnd mirs got gibt zu erkennen; vnd des rats vnd der stat vnd des rats haimlichkait verswigen halten wil: vnd das nicht lassen (lassen) will ut supra.

46. Wye dy hantwercher sweren süllen.

Wir sweren ain ayd, got dem almechtigen, vnd vnserem herren dem richter, vnd dem rat, vnd der gantzen gemain al hie zu Ofen, Deutschen vnd Vngeren, armen vnd reichen, getrew zu sein; vnd das wir vnser hantwerch redlich pewaren vnd wol füeren, vnd der stat nutz getreulich werben, vnd den schadenn pewaren wellen, nach allem vnserem vermügen:vnd ob wir ichts erfüeren, das wider der stat eren oder freitumb gesein möcht, das wellen wir de[n] obgenanten vnseren herren, dem richter vnd dem rat, zu wissen thuen, vnd nicht versweigen: vnd des nicht lassen wellen etc. ut supra. [Seite 51]

47. Von sammung vnd auflawff wider den rat.

Es sol nyemant haimlichen rat haben, oder sunderliche sammung türren machen in der stat an des rats wissen. Al, dye sich samen, vnd sammung in geferdt wider den rat, oder an des rats wissen, durch aufleüff willen wider dy selbigen, so sol man munter sein, vnd snell mit ernst, dass man dy tilig. Wie man dar zu trëg ist, oder saumig, so pringet es grossenn iamer vnd schadenn. Als in der priuilegio kunig Sigmund): "Darvmb wellen wir, vnd aus vnserm willen (Fol. 22) pestëtigen wir, das dy gemain zu kainer zeit in welicherlay sachen oder taten soll gesamet werden, an wissen vnd willen des richters vnd der gesworen. Werden sy es darüber thúen, vnd etwas anheben; so sullen sy verfallen sein hundert margk raines silbers zu geben in dy kunigklich kamer vnwidersprechenlich. Auch sol nyemant gebenn haimlichen oder offenlichen rat, auswendig des rats des richters vnd der gesworen, zu kainer lay sach, es sey in leutheüseren, auf der gassen, in haimlichen oder offenlichen steten. [Wer dar über thuet,] der soll verfallen sein hundert margk phenning der künigklichen maiestat. Zum letzten so pestëtigen mir, das in der erwellung des richters vnd der gesworenn dy menschen, dy nicht sein mitwaner der stat, dy sullen nicht mitstümmen mit warten noch mit werchen."

48. Von des puess, der den rat melt vnd offenwart.

Wer den rat melt, oder offenwart, wie klain dy sach ymmer ist, er verleust dy zung, vnd mag dy selb mit kainem gelt nit ablosen. Ist aber das, das dy sach ichtz mergklich ist, man sol kain gelt vor sein haub nicht nemmen. [Seite 52]

49. Von des richters vnd ratherren freytumb vnd fortaill.

Dy funfzehen amptman, das sein dy zwen statrichter vnd dy ratherren vnd der statschreiber, süllen all miteinander sand Jörgen losung gantz vnd gar mit einander frey sein, vnnd sunst kainer nicht mer. Wer aber, das ainer des rats ander lewt wein vmb zins hielt, oder selbs kaufwein hiet, oder zehent wein; sol er losung daruon gebenn, als ein ander gemainer man, vnd daraus nicht mer frey haben, den sex kueffen wein.

50. Von des statschreibers schreib lonn.

Wenn hundert phenning gemaingklich iren lauf haben fur ainen guldein in golt, so sol der statschreiber von einer slechten klag auf dem rathaus den nemmen d. 2.
Item vmb ein klag vonn erb d. 4.
Item wen sölich sach aus werden mit gericht, vmb pestigung, [sol] der statschreiber nemmen d. 12.
Item vmb ein todslag aus zu schreiben sol er nemmen d. 100.
Item von ainem vrtail, das man von geltgericht pringt auf das rathaus, vmb slechte sach sol er nemmen phenning 4.
Item von erbes wegen phenning 12.
Item von einem slechten peslossen sendt prieff sol er nemmen d. 12.
Item vmb ein sendt prieff, do dy sach ym verzelt wirt, vnd mergklich sach ist, phenning 24.
Item vmb ein peslossenn sendt prieff, der des pluet oder des menschen haub perüeret d. 100.
Item vmb ein offen send prieff, dar in mergklich sach perüert werden d. 100.
Item vmb ein slechten offen procurator prieff d. 24.
[Seite 53] Item vmb ein offen procurator prieff, dar in mergklich sach pegriffen werden, sol (Fol. 23) er nemen d. 100.
Item von einem geslossen gewalt prieff, damit ainer dem anderen sein sach verpflicht, vnd in möchtig macht d. 24.
Item von einem offen gewalt prieff sol er nemen d. 100.
Item vmb gewain Christen phandt prief d. 12.
Item von Christen phandt prieff, dy da mergklich sach p[er]üren d. 100.
Item von der Juden phantprieff semper duplum.
Item von slechten erb priefen phenning 64.
Daruon mag der richter von alter gewonhait den drittentail nemmen, ob es ein statschreiber vmb in nicht verdient.
Item von priefen mit dem alphabeth von yedem prieff d. 64.
Item von einem prief von manigerlay gesprech vnd von manigerlay vnderschait sol er nemmen d. 100.
Item von ainem brieff, so sich man vnd weib, zway ee leüt, miteinander verwilkoren mit yren erben vnd ander yren güetern, phenning 100.
Item wen ainer ainem frömden macht sein gueter, das do haisset littera adoptionis, phenning 100.
Item so ainer dem anderen sein gueter auf gibt pey dem lebentigen leib, das haisset viua donatio d. 100.
Item von ainem prieff, so ainer purger recht gewingt phenning 100.
Item vmb ainen prieff, so ainer purgrecht ab lost, phenning 100.
Item von geschefft oder testament prieff d. 100.
Item von lantherren vnd ander edel lewt erb prieff, so sy erb pey stat kauffen, sol er nemen vnd haben in golt flor. 10, minner oder mer, nach der herren rat vnd gueten willenn.

Nota. Da pey ist zu wissen, das man kainen lantherren noch edelman den statprieff über das erb, das er kauft hat, nicht sol aus geben zu seinen henden, er hab [Seite 54] sich dan verschriben vnder seinem sigil, oder vnder ainem anderen pewërten sigil, das er mit der stat leiden wil, als ein ander mit sessen in der stat.

Item von vrtail priefen über erb mag er nemen ein guldein, oder etwas mer, nach der herren rat.
Item von vrtail priefen vbers pluet mag er nemmen phenning 100.
Item von vrtail priefen vber manigerlay ander sachen mag er nemmen ain gulden oder mer, nach dem, als dy sach gethan ist.
Item von fragbriefen, dy vom landt komen, sol er nemmen phenning 100.
Item auch so mag der statschreiber nemmen von ainem yeden prief, darnach das dy sach vnd der handel grösser und klainer ist.
Item der statschreiber sol vnd mag sein schreiblon ee nemmen, den er dy prief in sein register vermergkt vnd verzaichent.

51. Von des statschreiber pues, ob der mer nëm, den sein recht ist.

Der statschreiber sol vnd tar nicht mer nemmen von armen leüten, den als oben geschriben stet, vnd ym das aus zaichendt ist. Thuet er dar wider, vnd nymbt mer, türstigklich vnd frëuelich, dan sein vorgeschribne schreiblon aus weisenn; so sol er dem richter pezallen zwir als vil, als er hat genomen, vnd ain vierdung darzu. (Fol. 24).

52. Von aller erb prieff vnd tréflicher sach obschreibung.

Dy stat sol haben ein pesunder mergklich puech, das sol alle iar in anfang und in gang des gerichtes vermergkt vnd vernewt werden vnder des richter vnd der ratherren [Seite 55] namen, als das statgrundtpuech. Do sol der statschreiber dy maynung vnd inhaltung aller prief, dy über erb vnd gescheft, vnd ander namhaftige, trefliche sach geschriben vnd vnder der stat sigil gesigelt werden, gar ordenlich vnd gruntlich vermergken, vnd in schreibung mit der zall vnd des tages namen, vnd alle ausweisung, wen vnd zu welichen zeiten der statbrief geschriben vnd aus geben ist: auf das ob einem menschen sein prief verloren, oder verprandt, oder sunst vnder Christen oder Juden entpfrömbt worden; so sol man dem selbigen menschen, ob er des pegert, des rechten helfen mit anderen statbriefen nach inhaltung vnd ausweisung der ob geschriben vermergkung.

53. Wer das statsigil vber iar pehalten sol.

Es sol auch ein Deutscher des rats der stat sigil, payde, das klain vnd das gros, inne haben, ydoch gesundert: das gros, do man anders nicht mit sigilt, dan hantfesten, das [sol] verslossen sein, vnd zum minsten mit zwayr deütscher purger petschaft versigilt sein; aber das klain petschaft sol ein deütscher gesworner purger hab[en] verslossen in seiner lad, vnd dar zu sol der statschreiber den slussel haben.

54. Wer das statpuech in halten sol.

Das recht grunt statpuech sol der statschreiber in han, vnd sol dar ein nichts schreiben, dan mit des statrichters wissen vnd gehaiss. Vnd wen man dar ein schreiben wil, so sol der richter dar zu geben zwen oder drey gesworen ratherren; dy sullen pey dem einschreiben sein. Darumb sol der statschreiber ein pesunder register haben, das sol er al tag zu richt tragen; dar ein sol der statschreiber al sach schreiben vnd vermergken, wie sich al sach verlauffen vnd vollenden in dem rechten nach klag vnd antwurt, vnd auch nach ausspruch vnd vrtail des gerichts gantz vnd gar vollendet vnd ausgesprochen sein, dy sol man in das grundt puech ordenlichen schreiben zu einer gueten gedächtnüss des rechten willen, [Seite 56] dy payde tail oder ir ainer statbrieff daruber haben [wollen], dy sol man in geben nach dem ausprechen der vrtails vnd ausweisung des rechten.

55. Wer in das statpuech schreiben soll.

Kain schreiber sol in das statpuech schreiben, denn nür der statschreiber allain, der dar zu hat gesworen, als lang er in dem ampt ist. Ob den der selb statschreiber sturb, vnd nicht alle ding ordenlich geschriben het in das statpuech aus seinen zedeln, registeren vnd quateren; so sol der richter des munter sein, das der von stund an zwen man aus dem rat darzu geb, dy einen weisen, versuechten schreiber darzu nemen, vnd snel an verzihenn dy selbigen hinterstelligen (Fol. 25) vnd vngeschriben sachen in das statpuech schreiben, auf das, das dy menschen an iren rechten icht werden versawmbt: wan dem statpuech zu glauben ist, als den statpriefen, versigilt mit dem stat sigil.

56. Von des statschreibers vnd des richter rechten von gefangen leüten.

Verwurgkt ein man seinen hals, vnd kumbt darvmb in der fängknüss, vnd wirt vmb dy selbig sach mit gericht überwunden, also das dy sach in das statpuech geschriben wirt, vnd wirt darnach dy selbig sach von kunigklichen gnaden, oder von mittel erber leiten, verricht vnd hingelegt, also das das der gefangen man aus dem gefängknüss sol gelosen werden; so mag der statschreiber vmb sein ausschreiben nemmen einen gulden in golt, oder als vil gelts, vnd des richterr schreiber halb souil, so man den gefangen aus dem gefängknüss lest.

57. Von des richters erzaigung dem statfolk.

Darnach durch alter, löblicher gewonhait willenn, wan der richter vnd dy ratherren nu pestetiget, so sol man mit dem richter an einem freitag in der stat vmb gen, vnd der [Seite 57] richter sol sich dem statfolk vnd der gemain erzaigen. Vnd ein yeder man sol ym vor seinem haus wirdigklich emphahen, vnd wer do wil, der mag ym er thuen nach seinen statten, vnd soll in helffen pelaitten zu seinem hauss. Also wen der richter haim belait ist, so sol er der gemain wirdigklichen dangken der eren, dy sy ym erzaigt vnd angelegt haben.

58. Von des richters vnd ratherren irer ampt aufsagung nach iar frist.

Nach iar frist an sand Jörgen tag, als pald vnd das hochampt in der kirchen zu vnser Frawn volbracht wirt, so sullen der richter, dy ratherren des vorgangen iars, vnd der statschreiber, vnd dy gantz gemain, armen vnd reich, als dan gepurdt, vor dem rathaus auf dem platz zusammen kummen; do sol der richter vor sich selber, vnd der geltrichter, oder ein deütsch gesworen purger, auch fur sich selber vnd für dy anderen, vnd der statschreiber fur sich selber yeglicher sein ampt auf sagen nach ausweisung der gulden bull vnd brieflicher hantfestenn, vnd süllen der gemain willigklichen dangken in disen nachgeschriben wartenn:

59. Der richter sol also sprechen, des ersten in deütscher zung, vnd darnach in vngerischer zung:

Ir herren Deutschen, armen vnd reich, ich dangk euch allen dyemüetigklich ewr zucht vnd ewr gehorsam, dy ir mir habt erzaigt, vnd ewr eren, dy ir mich habt an gelegt das iar. Vnd hiet ich euch wol gedient, das war mir lieb. Hab ich dan yemantz erzurnet, oder [Seite 58] petrüebt, wider recht, den pit ich, das er mirs vergebenn wil vmb gots willen. Also gib ich euch heut ewr gericht auf nach alter löblicher gewonhait. Darmit sol er haben ein gruen zweylein oder ein weis stëblein in der handt, vnd sol das sitigklichen nyderlegen zu der erdenn. (Fol. 26)

60. Dy ratherren süllen also sprechen, der erste in deütscher zungen, darnach in vngerischer:

Ir herren ir Deutschen, wir dangken euch der eren, dy ir vns habt an gelegt, vnd der gehorsam, dy ir vns habt pezaigt das iar. Hiet wir euch wol mocht gedien, das het wir gerne getan, vnd wer vns lieb. Haben wir dan ymantz erzurnet etc. ut supra.

61. Der statschreiber spricht von erst in deütsch, darnach in vngerisch:

Ir herren ir Deütschenn, ich dangk euch der eren, dy ir mir habt angelegt, vnd des ampts, des ir mir habt vertrawt das iarr. Hiet ich euch wol mügen dienen, das wer mir lieb. Hab ich dan yemant erzurnet etc. uts.

62. Wer der stat insigil inhalten sol, vns [l. vntz.] man ein ander richter vnd rat erwelt vnd pestëtiget.

Alle zeit zu sand Jörgen tag, in der zeit, als oben geschriben stet, sol man das gemain insigel zu dem rathaus pringen verslossen in der lad. Do sol man es aus nemmen, [Seite 59] vnd sol es zaigen der gemain. Darnach sol man es wider ein legen vnd versliessen vnd versigellen mit zwayr oder dreyr deutschen herren sigil, dy des rats gewesen sein, vnd also verslossen vnd versiglt sol man es antwurten dem pfarrer zu vnser hauppharkirchen, zu Vnser Lieben Frawn zu pehalten, vntz das der richter vnd der rat pestet werden; sunder den slussel sol der statschreiber pey ym haldenn.

63. Von der stat verwesung, vntz man ein newn richter vnd rat erwelt.

Ob sich dy erwellung des richters vnd der ratherren etwe vil tag hin nach sand Jorgen tag verzuch vnd verlenget; so schullen dy obgenannten richter, ratherren vnd statschreiber dy stat vnd das gericht verwesen, vntz das ein rat gesetzt vnd pestetigt wirt.

64. Wie dy gemain dem richter vnd rat dangken soll.

So nu der richter, dy ratherren vnd der statschreiber haben aufgesagt, als oben geschriben stet, so sullen zu sam treten dy gantz gmain der stat, Deütsch vnd Vnger, vor dem rathaus, vnd süllen erwellen einen kündigen man, der sol den ob geschriben herren dangken in den warten: Lieben herren, wir dangken euch dyemüetigklich der grossen müe vnd gueten fleiss, dy ir dy vergangne zeit mit vns gehabt habet, vnd wir pitten, ir wellet euch dy stat lassen peuolhen sein, vnd wellet vns pewaren, als ir vns dy vergangen zeit piss her habt gethan, vnd wellet vns raten vnd helfen pedengken, wy wir dy stat hin für mügen pewaren, nach ausweisung alter, löblicher gewonhait. Darnach sullen sy alle miteinander zu rat gen, wye man des ersten eintrechtigklichen ainen richter vnd darnach dy ratherren von newen dingen erwellen vnd pestëtigen mug. (Fol. 27) [Seite 60]

II.Nu folget nach von der kaufleüt vnd aller hantwericher rechten, in der stat zu Ofenn gesessen, vnd nyderlag aller kaufmanschatz auf wasser vnd auff landt, nach ausweisung der guldein bull vnd inhaltung prieflicher hantfestung vnd pestëtigung maniger kunig zw Vngeren.

65. Wie ein yederman seinen handel halten vnd treiben soll.

Kain man sol dem anderen in sein hantwerch, noch in sein recht, noch in seinen handel greiffen; er sol nicht mer, den ein hantwerch treiben, oder ainen handel turren thuen, auf das das ainer [pey] dem anderen peleiben vnd sein narung dester pass gewinnen müg. Wer das übertreten wurdt, vnd wurd dar in mitt warer tat also erfunden; er verleüst alles, das er zu vnrecht gehandelt hat, gar, vnd drey margk mit dem gericht, als in der gulden bull kunig Bele: "Wir haben gesetzt, das kainer aines anderen ampt zwischen yn sol verwesen, das er nicht kann arbaitten; sunder ein yeslicher sol genuegsam sein an seinem hanndel."

66. Von purger rechten zu gewin.

Welich frömbt man sich in dy stat zu Ofen zihen vnd daselbs purger recht gewinnen wil, der sol sein eines gueten des wol geleüt ge erbter man. Hat er des erbes [Seite 61] nicht, so sol er setzen pürgen, das er das selbig iar vnd albeg fürpass losung geben vnd mit der stat leiden wil übel vnd guet. 2. Auch sol kain pruederschaft, noch kain verpintnüss, noch haimlich pöss sammung zwischen halten werden, sunder aus genomen zu gots [Seite 62] dinst; vnd das sol geschehen mit wissen vnd willenn des rats: als in der gulden Bele [lies: Sigmund] bul, als vor am sechsten plat.

67. Von der niderlagung aller kaufmanschaft.

All scheff vnd all wëgen mit kaufmanschaft, dy in der stat Ofen granitz vnd gepiet komen, sullen daselbs niderlag haben, vnd ir kaufmanschatz alle do verkauffen, vnd nicht ferrer füern. Wer do wider thuet, vnd fürzihen wolt, vnd darmit pegriffen wurt, der verleust al sein war vnd hab, dy pey ym auf dy zeit begriffen vnd erfünden wirt: nach ausweisung der guldein bull vnd meniger kunig brieflicher freitumb vnd hantfesten, als in der gulden bul kunig Bele: "Item dy scheff oben her ab von niden hin auf, oder wägen mit kaufmanschaft kümen, süllen zu Ofen nider gelegt werden, vnd sullen da hingeben, als vor alter her kumen ist." Item aus dem priuilegio vnd pestëtigung vil ander künig, vnd zum frödristen künig Sigmund: "Das alle kaufmanschaft, welicherlay des sein, sy sein gefüert oder getragen auf [Seite 63] wasser oder auf landt, aus Sibenburgen, oder aus anderen lantten, oder in vnserem reich, von wan es sey, in dy deütschen lanndt, oder gen Walhen, welichen notturft ist zu füeren durch dy selbig (Fol. 28) stat Ofen; sy süllen nicht für gefüert oder getragen werden, sunder al kaufmanschaft, dy dar gefüert werden, süllen do nider gelegt werden, vnd dy verkauffen, wechsel gemacht oder ander aintrechtigkait aller kaufmanschaft sol do geschehen. Auch süllen dy kauffer vnd verkauffer, welicherlay güeter sy pringen gen Ofen, es sey von Wien, aus anderen steten, aus deütschen landten, item aus Polan, aus Pehaim, aus Reissen, aus Preissen, item aus welischen landten, nemlich Venedig vnd des gleichen, kumendt in vnser reich; sollen nicht auswendig der stat Ofen gefüert werden, sunder do selbs nider gelegt sullen werden all kaufmanschatz zu verkauffen, zu kauffen, vnd zw wechselen. Dy darüber werden thuen, vnd desselbigen nicht pekennen mit warer pekantnuss: so pestëtigen wir mit [Seite 64] vnser macht, das dy Ofner dy selbigen mügen perauben aller yrer gueter. Auch wellen wir das lassen peschehen, das vnser kunigkliche recht, es sey in dem dreissigisten, oder in anderen aufslegen, nach der gewonhait des freitumb der selbigen stat, sullen vns volkomenlich pezalt werden. Auch wellen wir, das alle scheff von oben vnd vntten komendt sein mit yrer kaufmanschaft pey den genandten vnseren purgeren süllen daselbs sten, vnd süllen haben ir niderlegung in verkauffen vnd wechsellen irer gueter; vnd all kauflewt an dem selbigen gestat von der selbigen stat, vnd nicht weiter süllen gen. Vnd dy bestëtigung alle sol zu geaigent werdenn allen kaufleuten der gantzen welt."

68. Von der kaufleut wegenn.

Es sol kain neü komender man türren kauf slagen, oder kaufmanschaft treiben, es sey dan mit wissen vnd willen eines richters vnd ratherren, vnd mit laub der kaufleut. Auch sol der selb kaufman sein ein gewerbter vnd (vnd) wol gelewnter man, vnd sol geben vnd nider legen zu kaufmans rechten 10 margk silbers. Dy selben 10 margk silber mit sambt allerlay ander puess, dy zwischenn den kaufleüten gefallen, süllen getailt werden in drey tail: ainen tail der stat obristen richter, der ander tail den gesworen ratherren, der trit tail sol kumen zu nutz den kaufleüten, dy zu der selbigen zeit pey der stat sein gesessen. (Fol. 29). [Seite 65]

69. Von der statleüt freitumb.

Dy statleüt zu Ofen gesessenn gemainklich süllen über al maut frey sein, also weit das Vngerlandt vnd das gepiet der heiligen kron zu Vngeren pegriffen ist, aus genomen der künigklich dreissigist.

70. Von der gewelb herren rechtenn.

Dy kaufleut, dy do gewelb herren gehaissen sein, dy süllen in iren gewelben, vnd nyndert anders, auch nicht durch offne laden, ire kaufmanschatz dürren verkauffen: als in der gulden bull kunig Bele: "Item dy kaufleut mit sambt den krameren in yren gwelben oder kremen sullen sy haben markt vnd sunst nyndert. Auch sullen dy selbigen gwelb herren kainerlay gestüpp oder gewürtz vnder einem margk turren verkauffen noch auswegen. Auch süllen sy kain leinens mit der ellen verkauffen; sunder mit hundert ellen vnd daruber mugen sy es verkauffen vnd hingeben; es wer dan, das in etwas über wurd, das süllen sy miteinander verkauffen, ausgenomen seyden gewant allain, das mügen sy versneiden, ob sy wellen. Wer da wider thuet, der verleust als vil leinbat, als er mit der ellen ausgemessen hat vnd dar zu ein margk gesmeidigs silber etc." [Seite 66]

71. Von der kamerherren rechtenn.

Dy kamerherren oder gewant sneider süllen in kainer kram gewandt oder spetzerey habenn oder türren verkauffen; sunder allerlay wullen gewant mügen sy verkauffen gantz vnuersniten, oder pey der ellen aus sneiden, wie sy wellen. Wer do wider thuet, der ist verfallen dem gericht souil guets, als wider recht gehandelt hat, vnd dar zu ein gesmeidig margk silbers.

72. Von frömbder kaufleut rechten vnd irer herberg.

Der frömbdt kaufman, von wan in dy stat kumbt, sol nicht leben aigen zerung, er sol ym auch nicht selber (Fol. 30) mügen narung kauffen in sein gewelb, oder in sein kamer, oder in sein gemach; sunder er mag zeren zu seinem statman, als ist pey einem offenwaren wirt. Wer do wider thuet, der ist verfallen 10 margk statwerung; dy gepuren ein drittail dem richter, dy zway tail sol man an der stat nutz legen.

73. Von fromder kaufleut ellen vnd wag.

Der frömdt kaufman sol nit ellen noch wag haben; er sol mit seiner kaufmanschatz an dy statwag kommen, dy sich darzu gepüren, vnd ander kaufmanschatz sol er handellen nach ausweisung der stat recht. Thuet er dar über, so verfelt er dem richter ain margk stat werung, vnd darüber sol er püest werdenn nach ausweisung prieflicher hantfesten vnd der stat aus gesetztem rechtem. [Seite 67]

74. Von der gest handel.

Der frömbde kaufman sol nicht mügen kaufslahen noch türren handellen treiben mit einem anderen gast, all dy weil vnd sy in der stat pey einander sein, oder auch wan sy fertig werden, vnd von hin zihen wellen, ob sy auch payd aus ainer gegenhait in disem lande oder aus ainer stat inwendig oder auswendig des landes sein, durch kainer gab willen soll ein gast dem anderenn gast (sein) türren sein war verkauffen, sunder nur einem Ofner. Wer dar wider thuet, der verleust dy selbig verkaufte vnd gehandelt war, vnd darzu sol er gepüest wer[den] dem gerichte mit zwain margk statwerung.

75. Pey wie vil zall der gast grobe war kaufenn mag.

Der frömbd kaufman sol kain wachs vnder einem viertail eines centen, noch (noch) kain lampfel, noch hirsen, oder rechen, oder füchs pelich, oder mader palich vnd kainerlay ander leder nicht anders, dan pey ainem viertaill vnd darüber türren vnd mügen kauffen. Thuet er dar wider, er verleust dy gekaufte war alle mit einander, vnd darüber verfelt er dem gericht ein margk statwerung.

76. Pey wieuil zal der gast sein kaufmanschaft verkaufen mag.

Der frömbde kaufman sol sein kaufmanschaft nicht minner noch vnder der statmargk guet vmb werdt, sunder hin vber türren vnd mügen verkauffen. Der über diser ordnung [thuet, der] verleust dy selbigen verkauften güeter, vnd verfelt dem richter zwo margk statwerung, ausgenomen tüecher, dy gantz verkauft sullen werden. Vnd ist sach, das sy sein inwoner des lands, so mügen sy ir pfenwart (Fol. 31) verkauffen pey stugken, [Seite 68] wie es ym gefellig ist, allain ausgenomen dy tüecher, dy sy nicht türren sneiden: als perüert wirt in priuilegio Ladislai vnd vil ander künig.

77. Pey wieuil zall der gast sein gewandt verkauffen mag.

Der gast oder frömbd kaufman sol sein gewant oder tüecher mit der zal oder mass verkauffen, als hye nach geschriben stet. Ain gantz schon tuech. Zway Kölnisch tüecher, oder als vil gelts, als dy tüecher werd sein. Item kain kaufman, der ein gast ist, sol verkauffen sein gewant mit wass, sunder gantz, vnder einer gewissen zall. Wirt er über das erfünden, so ist er verfallen des selbigen geschniten tuechs vnd ain margk silber. Vnd ob er sich wolt ausreden vnd des laügnen; so sol er getriben werden mit dem ayde, oder geb ein margk. Item aus dem priuilegio künig Sigmund: "Dar in pestëtigen wir, das frömbd kaufleüt, in welicher stat es sey, [nit] mügen sneiden vnd zu ellen verkauffen ir tuecher; vnd nymmer weniger, [dan] sechs tücher süllen sy verkauffen. Auch nicht am iarmargkt gepurdt es den selbigen kaufleüten sechs tüecher verkauffen. Ist es aber, dassy weniger, wen sechs haben, mügen sy dy selbigen gantz verkaufen vnd wechselen. Werden sy anders thuen, so sullen yn all tüecher genomen werden, sy sein verkauft, gewechselt, oder wie es kumbt, desgleichen das gelt, wen sy darüber verkauft werden."

78. Wie dy gest ire war aus dem landt füeren sullen.

Dy gest oder frombde kaufleüt, dy sullen all ir war, dy sy in dem landt kauffen, aus dem land füeren, vnd nicht wider verwechselen noch verkauffen in dem landt, pey verlust der selbigen güeter.

79. Von der slagtuecher recht.

Dy slagtüecher sol nyemant heften von newn dingen, pey verlust der selbigen tüecher, vnd verfelt do mit dem gericht ein margk silbers. [Seite 69]

80. Wo man das gewant versneiden vnd verkauffen soll.

Dy purger oder ander kaufleüt all zu Ofenn süllen kainer lay gewant in iren herbergen, noch in iren heuseren auf den kauf versneiden pey der ellën, pey verlust des selbigen gewantz, oder seines werdes; vnd dar über sol er gepüest werden pey zwain margk silbers dem gerichte.

81. Wie der gast sein naig verkaufen sol. (Fol. 32)

Es sol ein gast oder frömbder kaufman dy naig seines gawantz, oder anderen kaufmanschatz der gleichen, nicht mügen noch turren verkauffen ainem gast, oder ainem anderen frömbden kaufman, so er nu wol wegfertig ist von dan zu zihen; sunder er sol dy selbig naig verkauffen einem statman. Wer do wider thuet, der hat verloren das selbig gewant, oder kaufmanschatz des selbigen geleichen; vnd vber das, das der dy naig also verkauft ainem gast, der ist verfallen dem gericht funff margk gesmeidigs silber, vnd der dy kauft, ist verfallen des gleichen.

82. Von des new koment kaufmans rechten.

Der new komend kaufman in dy stat, der kaufmans recht begert, sol des ersten purger recht vnd darnach kaufmans recht gewinnen: nach ausweisung der obgeschriben statrechten. All dy weil, vnd er nicht kaufmans recht erworben hat, sol er kainerlay kauf noch handel türren treiben: als ob geschriben stet von der kauflewt rechten. [Seite 70]

83. Das der kaufman vnd der gewant sneider ir gewant pey seinem rechten nam verkauffen süllenn.

Es sol der kaufman oder gwant sneider sein gwant pey seinem rechten namen sagen vnd nennen, so er das verkauffen oder versneiden wil, vnd nicht vnder eines anderenn gewantz namen; es wer den, das er vmb den namen des gawantz nicht gefragt wurd, vnd slecht also verkauffet. Wie er des also besagt zu dem ersten mall, so empricht er mit seinem aydt. Wirt [er] zu dem anderen mall besagt vnd erfunden, er verleust ein gantz tuech, das so guet sol sein, als versniten gewesen ist, vnd ein margk gesmeidigs silber zu puess dar zu dem richter. Wirt er zu dem dritten mall besagt vnd erfunden, er soll furpass nit mer kaufmanschatz vnd handel zwischen den kaufleiten treiben, vnd dar zu dy püess dem richter sol er geben.

84. Wer vnd wo man seiden tüecher versneiden soll.

Es sol kain gast seyden tüecher versneiden oder vndter den ellen verkauffen, sunder gantz vnuersniten soll er sy mügen verkaufen. Auch sol der gast zendel vnd taffat vnder ainem puscher vnd nicht dar vntter mügen verkauffen. Auch denn zendel von der stat soll er gantz, vnd nicht versniten, mügen verkauffen. Wer da wider thuet, er verleust ein gantz stugk, gleich dem versniten, vnd darzu ein margk silbers: als in priuilegio künig Lasla etc. ut supra. (Fol. 33)

85. Von vnrechter ellen, wag vnd gelot.

Wer do begriffen wirt mit vnrechter ellen, oder mit vnrechter wag, oder mit vnrechtem gelot, oder gewichte; zu dem ersten mall verfellet er dem gericht ein gesmeidig [Seite 71] margk silbers, vnd darzu alles, das er vnrecht hat gemessen. Wirt er dan dormit erfundenn zum anderen mall, so verleust er kaufmans recht, vnd [sol] furpass kainen handel in kaufmannes weis mugen treiben, vnd dy puess sol er darzw leiden: als in priuilegio kunig Bele etc. gleich wie es oben stet.

86. Das kain statman [einem gast] sol türren kauffenn, als ym das selber zu gehört.

Dy purger gesessen in der stat, oder ander kaufleüt, sullen einem gast kainer lay kaufmanschaft turren mugen kauffen, als in dy selber zugehort. Der übertreter der satzung, wirt er dar in erfünden, er verleust dy gekauft hab vnd dar zu ein margk silber dem gericht. Hat den der selbig übertreter dy margk silber nicht zu pezallen, so sol er kaufmans recht ein gantz iar darumb verloren haben vnd emperen: als in priuilegio künig Bele etc. ut supra.

87. Das kain inlender kaufman mit einem gast geselschaft in kaufmanschaft haben soll.

Kain inlender kaufman noch statman sol mügen oder geselschaft türren haben in kaufmanschatz mit ainem auslender, oder auswendig der stat gesessen kaufman. Der vbertreter diser ordnung sol verfallen sein leibs vnd guets.

88. Von laden vnnd pinten allerlay kaufmanschatz.

Kain kaufman, inwendig oder auswendig des landes gesessen, sol mugen türren kauffen, noch pinden, noch laden an der stat gesworen vnd dar zu gesetzt vntterkäuffel wissen, pey verlust aller der gueter, dy wider dy ob geschribne ordnung gehandelt werden. (Fol. 34) [Seite 72]

89. Wie ein yeder wirt seinem gast der stat ordnung verkunden soll.

Ain yeder wirt sol seinem gast dem kaufman der stat gesetz vnd ordnung verkunden vnd zu erkennen geben, wye sich der gast in seinem handel vnd kaufmanschatz halten sol. Welicher wirt des nicht en thuet, vnd wirt der kaufman, oder der gast, also pefellig, so sol der wirt ein margk für den gast pezallen.

90. Von der purger puess, dy das gericht pitten vmb dy übertreter des freitumb.

Welicher kaufman, gast oder statman, das gerichte pit vmb dy übel teter der stat freitumb, der sol ein gantz manet kain kaufmanschatz mügen treiben: als in der priuilegi kunig Lasla etc. ut supra.

91. Das sy gefreit sein dy guldein bull nicht für zu pringenn.

Auch sol richter vnd purger der stat zw Ofen nyemantz mügen notten noch zwingenn dy haub guldein bull in gericht, oder auswendig des gerichtz, für zu pringen: nach inhaltung vnd ausweisung der selbigen bull.

92. Von der vnterkeüffel ampt.

Dy vntterkeuffell süllen vor für all ander kaufleüt dem statfolk fleissig sein zu kauffen vnd zuuerkauffen, vnd den selbigen kaufleüten in der stat zu ersten meldenn, so [Seite 73] ichtz kaufmanschatz zu der stat kümbt, vnd darnach den gesten. Welicher da wider thuet, er verleust sein ampt vnd darzu dy puess dem gerichte.

93. Zu den selbigenn.

Auch süllen dy vntterkeuffel gerecht sein einem yeden man in kauffen vnd verkauffen, nach ausweisung ires ayd, vnd sullen fleissig sein pey dem laden vnd verpringen allerlay kaufmanschatz.

94. Von der vnderkeüffel zeugnuss.

Den selbigen vnterkeüffel ist auch zu glaubenn, das sy gezeugen vor gericht in kaufmans handel, ob ir mer dan ainer da pey gewesen ist.

95. Von der vntterkeüffel dienstlonn.

Dy vntterkeüffel süllen haben zu vnterkauf vmb ire müe vnd dinst von einem yeden auslender kaufman vnd aus der stat gesessen, als hernach geschriben vnd vermergkt ist. Aber von dem statman süllen sy nichtz nemmen.

Zum ersten, so hundert pfenning gemainklich iren lauf haben für ainen guldein an gold, so süllen sy haben von (Fol. 35) einem schonen tuech d. 4.
Item von ainem kurtzen oder langen von Thyn, oder Herrentall, oder von Trautem, oder der gleichen d. 3.
Item von ainem von Kölen, oder von Ach, oder des geleichen d. 2.
Item von ainem tuech von Pollen phenning 1. [Seite 74]
Item von ainem Newnhawser, Prünner, oder Tischner d. 2.
Item von ainem Wienner loden, oder Passawer sayt, oder des gleichen, d. 1.
Item von ainem centen wachs phenning 2.
Item von einem centen kupfer phenning 1.
Item von ainem centen tzin phenning 1.
Item von ainem centen pley phening 1.
Item von ainem centen eisen phening 1.
Item von hundert ochsen heüten, dy er slecht kauft vnd peschaut, d. 8.
Item von heüten peschaut vnd besetzet d. 16.
Item von hundert schaf fel oder lamp fel d. 3.
Item von ainem drumel, haissen, oder ander visch, oder der geleichen, d. 24.
Item von ainem schaf visch phening 6.
Item von einem centen smer, oder vnslicht d. 1.
Item von wildwerch, härmel fech, maderen, aychhoren, von pelgen d. 1.
Item von ainem Tauernitz öll phenning 3.
Item von einer tun häring phening 1.
Item von ainem legel swebel phening 1.
Item von ainem legel kochsilber d. 1.
Item von aller specerey vnd kram gewant, von der margk d. 1.
Item von hundert ellen leinbat phening 1.
Item von hundert irch phening 1.
Item von ainem ochsen phening 1.
Item von hundert castrawn d. 10.



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