Materialien zur nicht überlieferten Hofordnung König Maximilians I. von 1498 (Fellner) :: Transkription Speer 2013 / 2016

Materialien zur nicht überlieferten Hofordnung König Maximilians I. von 1498 (Fellner) :: Transkription Speer 2013 / 2016

Materialien zu der mutmaßlich am 13. Februar 1498 ergangenen Hofordnung König Maximilians I.

Diese Numerierung der Textbestandteile stammt nicht von Fellner, der die Teile II - IV als Fußnoten abgedruckt hat.

[Editorische Vorbemerkung Th. Fellners [Seite 6]]

Im Wiener Staatsarchive erliegen drei Fassungen einer Hofordnung Maximilians I., die eine mit dem Datum vom 13. Dezember 1497, unterfertigt und mit Einschnitten für die Siegelschnur versehen, wohl auch vorübergehend in Geltung (A), eine durch belanglose Zusätze erweiterte Abschrift von A, welche später von anderer Hand nach C korrigiert wurde (B), und ein mit 1497 datierter Entwurf ohne Beglaubigung und Besiegelung (C), auf dessen Grundlage möglicherweise am Tage der Erlassung der Hof- und Schatzkammerordnung auch eine Hofordnung ergangen ist, eine Annahme, die durch den Wortlaut des in Nr. 3 mitgeteilten Intimats ("wir haben ... unsern hof, hofrat und canzlei reformirt und darzu ein schatzcamer zu Ynnsbrugg und ain kamer an unsern hof gesetzt") bekräftigt wird (Seeliger, Erzkanzler und Reichskanzleien (1889) 5, 79, A. 1, 192, 193). Die Hofordnung oder Hofratsordnung selbst ist trotz der gegenteiligen Behauptung Ulmanns (Maximilian I. 1, 825 Anm.) nicht erhalten. Dem nachfolgenden Drucke wird der Wortlaut von A zugrunde gelegt, die Abweichungen von B und C anmerkungsweise mitgeteilt. Nach C ist die Hofordnung gedruckt von Seeliger, Erzkanzler und Reichskanzleien 193 ff.

Wir Maximilian von gottes gnaden römischer kunig, zu allen zeiten merer des reichs, zu Hungern Dalmacien Croacien etc. kunig, erzherzog zu Osterreich, herzog zu Burgundi zu Brabannt zu Gheldern etc., grave zu Flanndern zu Tirol etc. bekennen öffenlich mit disem brieve und tun kunt allermeniclich : nachdem wir nach schickung got des allmechtigen zu romischer kuniclicher wirdickeit und regirung des heiligen reichs komen und zu einem haupt der cristenheit das heilig reiche und dieselb cristenheit als künftiger römischer kaiser zu beschirmen verordent, wil uns aus schuldigen pflichten, damit wir demselben reiche verbunden seien, zimen und gepiiren vor allen dingen zu bedenken, daz wir das heilig reiche auch die glider und undertan desselben bei frid recht und ainickeit behalten [Seite 7] und si vor den unglaubigen und nemlich den Turcken als Cristi und unsers heiligen glaubens veind und andern frömbden nacionen, so uns, dem heiligen reiche und gemeiner deutscher nacion teglichs obligen und widerwertickeit zu erzaigen understeen, beschirmen, daz wir auch also nach unserm höchsten vermögen mit darstreckung unsers leibs und guts bisher treulichen getan. Und damit aber solichs hinfür dest stattlicher be[s]chehen und den hendeln und sachen, so vorgeschriben steen, auch mit regirung unsere löblichen hauses Osterreich und anderer unserer fürstenthumben und landen, so an die berürten Türgken und anderer unserer und des heiligen reichs und deutscher nacion widerwertigen greniczen, desgleichen unsers und des heiligen reichs auch unsers heiligen vater pabsts punt und anderer kunig und fürsten handlungen, so iczo uns swerlichen obligen, ausgewarten und der entladen werden mögen; so haben wir uns auch dem heiligen reiche gemeiner cristenheit deutscher nacion und denselben unsern fürstenthumben und landen zu aufenthalt trost und gutem ein hofeordenung zu machen und aufzurichten fürgenomen, auch alle ander unser regiment, die wir bisher ausserhalb unsers hofs gehabt, darnach schicken und verordnen, das si hilflich und schicklich zu solicher unserer hofordenung und regiment sein und die irrsal wie oben gemeldet ist, daz den partheien, so bisher manig tausent von den regirungen hin und herwider gezogen seien und inen selbst und zuvor an uns grose cost müe spot und unlust gemacht haben, vermiten bleiben; machen fürnemen und richten auch solich unser hofordenung auf wissentlich in craft dis briefs und wellen, daz furter unser hofrete iren rate und handel, was dann zu einer jeden zeit von dem heiligen reiche und deutscher nacion desgleichen den gemelten unsern erblichen fürstenthumben und landen kunfticlichen zufallen wirdet, handeln sollen inmassen, wie hernach geschriben steet.

[I. 1.]

Zum ersten so verordnen wir hiemit unser hofrete, so jczo ungeverlich bei uns seien und die wir bisher in unsern eignen gescheften gepraucht haben, zu unsern obristen regenten, also das si alle und jeglich hendel sachen und gescheften, so künfticlich von dem heiligen reiche deutscher nacion gemainer cristenheit oder unsern erblichen fürstenthumben und landen herfliessen, desgleichen auch was unsern kuniclichen hofe und desselben verwandten betreffen wirdet ganz nichts ausgenommen hören, die eigentlichen und [nach] [Seite 8] allen notdurften und fleis erwegen und ermessen und darauf dieselben hendel und sachen nach irem maisten rate durch unser gewönlich hofsinsigel titel und secret, inmassen wir bisher gepraucht haben, verfertigen mögen; doch was gros und swere hendel seien, sollen si zuvor uns anbringen, unsern besluss und willen darauf zu empfahen, des wir inen dann hiemit unser ganz volkomen gewalt und macht geben.

[I. 2.]

Zum andern sollen die oberürten unser hofrete, wann das die notdurft ervordert, alle tag, nemlich morgens umb siben ur bis auf neun ur und nach mittemtag von zwelif bis auf vier uren im rate sein und sitzen und einhelliclich über solich hendel, was dann zu einer jeden zeit zufallen wirdet als obstet, ratslagen und bei inen noch zwen secretari, einer der solich hendel liset und der ander der die ratsläg darauf schreibt, sein, die dann darüber solich brief mit wissen des canzlers und in seinem abwesen des obristen secretarien machen und verfertigen, und soll allezeit dem mererm ratslag gevolgt werden; des sol der hofmeister die hendel zu beraten fürlegen und dann darauf der marschalh umbfragen und wo einer nicht da ist, sol der ander denselben vertreten.

[I. 3.]

Item so ordnen wir auch hiemit einen canzler oder obristen secretarien mit namen ... der auch oberürtermassen im rate sitzen und alle ratsleg hören, und wann der rate vormittag zu einer halben ur und nachmittag zu einer ganzen ur volendet ist, sol er von dem secretarien, so die ratsleg aufgeschriben hat, dieselben ratsleg übernemen und die widerumb offenbaren und überlesen und selbst umbfragen, ob das der merer ratslag und opini der rete, die der marschalh oder sein verweser vor umbgefragt haben, seien; und wo die also gerecht aufgeschriben seien, soll der canzler oder obrister secretari die andern zwen secretari die brief darüber also fertigen lassen. Und so die geschriben sind, sol der canzler oder obrister secretari die widerumb in den nechsten rate, so gehalten wirdet, bringen und die lesen lassen; wo die also den ratslegen gleich gefertigt seien, sol unser oheim und churfurst herzog Friderich zu Sachsen [Seite 9] in unserm namen, desgleichen der canzler oder in seinem abwesen der obrist secretari mit seinem hantzaichen und namen zaichen und doch keinen brief verhantzaichnen, er sei dann im rate angeschaffen.

[I. 4.]

Item man sol auch allezeit sigeln im rate, wann solichs die notdurft ervordern wirdet, und der secretari so aufschreibt sol sigeler und der leser zustecher sein.

[I. 5.]

Item man sol auch den partheien, so also abgefertigt sollen werden, iren beschaid und antwurt wan des not ist, doch gewönlich im rate vormittag durch — — — geben; und nachmittag sol man ir supplicationen oder si verhören und ir abfertigung beraten und besliessen.

[I. 6.]

Item ferrer so verordnen wir unser sigel und secret, das man in den oberürten hendeln und sachen im rate geprauchen soll und damit gehalten und versehen werden, wie dann des ein artickel, so hernach geschriben stet, clerlicher ausweiset.

[I. 7.]

Item wir seczen und ordnen auch, daz die obgemelten unser hofrete der canzler oder obrist und die andern zwen secretarien globen und sweren, das ir keiner von niemand, wer der sei oder in was gestalt solichs beschehen möchte, kein miet oder gab von gelt gold oder geltzwert nemen, desgleichen von keinem andern kunig fürsten herren oder stetten sold oder dinstgelt haben; es soll auch keiner under den reten canzler und secretarien von dem andern was derselbig dann geraten hat niemand sagen oder offenbaren, sonder solichs und all hendel bis in seinen tod, inmassen solichs des rats aid lauter inneheltet, versweigen; auch kainer dheiner partheien zu lieb noch zu neid oder laid nicht raten, sonder raten, was ine dann des sein gewissen lernet und er gegen got verantwurten wil.

[I. 8.]

Item was gros hendel not sind an uns zu bringen, sol allweg unser oheim herzog Friderich zu Sachsen unser hofmaister [Seite 10] hofmarschalh canzler oder ir verwalter oder der obrist secretari und sunst einer von den andern reten, welher dann die sach am passten verstet, an uns bringen und darnach, wie wir dieselb sachen besliessen, widerumb in rate anbringen.

[I. 9.]

Item es sollen auch alle supplicacionen an ein nodelsnur gehenkt und allweg durch den canzler oder obristen secretarien die eltisten am ersten ausgericht werden.

[I. 10.]

Item wir seczen ordnen und wellen auch, das niemand von den obgemelten unsern reten canzler secretarien canzlschreibern officieren am hof und anderm unserm hofgesind, wie die genennt oder gehaissen seien, kainen ausgenomen noch hindangesezt, kainer procurei bei uns nit mer zu üben oder zu treiben understeen, sonder sollen das alles wie oben stet in rat bringen und daselbst nach laut der vorgemelten unser ordenung darinne handeln lassen, als uns dann solichs die obgemelten unser rete canzler secretari officier und hofgesind darumb globt und gesworn haben.

[I. 11.]

Item ferrer so ordnen wir ein grosse truhen mit vil kestlin, die sol genennt werden die ratstruhen, und sol in das erst kestel gelegt werden die supplicacionen an einer snur.

[I. 12.]

Item in das ander kestel die supplicacionen, die ein zeit auf erkundung im rate müssen bleiben hangen.

[I. 13.]

Item in das dritt ledigs papir.[Seite 11]

[I. 14.]

Item in das viert mer dann ainicherlei schreibzeuch.

[I. 15.]

Item in das fünft pulver ur und rechenpfenning.

[I. 16.]

Item in das sechst das tafeltuech, darauf zal und rechenung gestickt sei.

[I. 17.]

Item in das siebend sol man legen missivenbrief.

[I. 18.]

Item in das achtend die hofgeschriben brief, die nit ubersehen sind.

[I. 19.]

Item in das neunt ein öfenle zu der gluet.

[I. 20.]

Item in das zehend wachs kapsen pressel custodes.

[I. 21.]

Item das eilft sol haben ein slössel, wol vermacht. Darein sol man legen das sigel und secret verspert, und denselben slüssel sol haben der canzler oder obrist secretari. Und der gros kasten, darinne die cleinen kestlin steen, sol haben vier gutte slösser, das eins nicht sei als das ander; zu denselben slossen sol haben der genannt herzog Friderich zu Sachsen einen slüssel an unserer statt, der hofmeister den andern und der hofmarschalh den dritten und der canzler oder obrister secretari den vierten slüssel zum sigeltrûhelin; und sol solh truhen nit geoffent werden dann in gegenwürtickeit der merer teil der rete.

[I. 22.]

Item noch soll in demselben grossen kasten zu allerandrist ein creuzkasten sein, darein man allerlei extraordinari hendel legen mag.

[I. 23.]

Item es sol sich auch kainer aus den obgeschriben unsern reten canzler oder secretarien des rats in vorberürter massen alle tag nit müssigen. oder den versaumen oder daraus bleiben, er habe dann zuvor von den obgemelten erlaubnüs oder müg den krankheit halben seines leibs nit besuchen oder er werde in sonderheit durch uns ervordert. [Seite 12]

[Nachachtungsbefehl]

Dem allem nach so gepieten wir euch obgemelten unsern hofreten canzler obristen und andern unsern secretarien und [Seite 13][Seite 13] canzlschreibern so iczo durch uns geseczt seien oder kunfticlich werden aus unserm wolbedachtem aigen gemüet und wellen, das ir bei [Seite 14] den pflichten glübden und eiden damit ir all und euer jeder besonder uns verwandt seit und vermeidung unser ungnad und strafe [Seite 15] solich obestimbt unser ordenung und saczung in allen und jeden iren worten clauseln puncten artickeln innehaltungen meinungen und [Seite 16] begreifungen stet vest und unzerprochen halten und dawider nit tun noch jemand zu tun gestatten, sondern das alles, so obgeschriben stet, des wir euch hiemit sondern gewalt und macht geben, vesticlich volziehen und hanthaben. Daran tut ir unser ernstlich mainung. Des zu warem urkund haben wir dies unser ordenung bevelh und mainung dises briefs mit unser hand bezaichent und underschriben und mit unserm anhangundem insigel versigelt, der geben ist an mittichen sant Lucien und Otilien tag nach Cristi gepurd vierzehenhundert und im sibenundneunzigisten, unser reiche des römischen im zweliften und des hungerischen im achtenden jaren.

Maximilian. Ad mandatum domini regis proprium C. Sturtzel canzler.

[II.] Ordenung der zweier ratssecretarien.

[II. 1.]

Zum ersten so verordnen wir unser zween ratssecretarien mit namen Mathisen Wurm und Niclasen Ziegler; dieselben zween ratssecretarien sollen [Seite 12] teglichen oder wann der hofmarschalh in rate ansagen last all und jeglich hendel, es seien missifen supplicacionen oder ander gescheften, in rate bringen und alleweg die eltist hendel, es seien supplicationen oder anders, die nach der nodelsnur nach laut derselben ordenung seien, handeln; und sol Niclas Ziegler secretari derselben hendel alle lesen und geverlichen darinne nichts auslassen noch verhalten; und Mathis Wurm der ander secretari die ratsleg mit getreuem fleis hören und allezeit der merer teil ratslag auf dieselben supplicacionen und hendel aufschreiben und darinne geverlichen auch nichts auslassen noch verhalten; was aber ratslag weren, darauf man dann den partheien müntlich antwurt geben muß, oder sunst hendel, so uns antreffen und darauf nit brief zu fertigen notdurftig weren oder sein würden; so sol derselb secretari solich ratsleg in ein puch eigentlich und mit fleis aufschreiben und zuvor den handel in solichem aufschreiben eigentlich anzaigen, auch den tag und die personen der rete so dabei gewesen seien benennen; was aber schriftlich antwort seien oder sunst im rate brief angeschaffen würden, dieselben sollen si beid secretarien mit einander copiren nach laut der ratsleg und stilum der canzlei, und inen die andern canzleisecretarien und schreiber des verhelfen, sunst würde inen der müe allein zuvil werden und die furter unserm canzler oder obristen secretarien zaigen, damit er die gegen dem ratslag also übersehe. Und so er die dem ratslag und stilum der canzlei gleich und gerecht findet, sol er dieselben copeien unterschreiben. Und darnach sollen er oder die zween secretarien oder ir einer dieselben copeien den canzlschreibern, die inen dann hierinne gehorsam sein sollen, zu ingrossieren und zu schreiben geben; und wann die ingrossiert und durch si collacionirt seien, sollen si dieselben brief den gemelten zweien secretarien zu stund und die copeien dem registratori, der je zu zeiten sein wirdet, uberantwurten; dieselben zween secretarien sollen solich ingrossiert brief auch genugsamlich corrigiren und überlesen und die fürter in rate mitsambt den ratslegen, so oberürtermassen auf supplicacionen oder ander hendel geschriben worden seien, bringen, die ferrer daselbst gegen dem ratslag in rate überlesen und darnach wie obenstet versigeln lassen — alles nach innehalt der ordenung darüber gemacht; wo aber einicher brief nach laut der ratslag oder sunst nit förmlich gemacht were, sol man den von stund im rate anders corrigiren und machen und widerumb wie vorstet in rate hören lassen.

[II. 2.]

Item es sollen auch dieselben zween secretarien des rats zu aller zeit wie obenstet getreulichen fleissigen und dem auszuwarten, auch die brief und hendel so teglichs fiirfallen treulichen auszurichten und zu verfertigen verpflicht sein.

[II. 3.]

Item dieselben unser zwen secretarien sollen auch haben ein truhen mit viel ledlin. Darein sollen si legen alle hendel, so im rate beslossen werden; und verordnen, das dieselben hendel allweg in die laden darein die gehören gelegt und dermassen versehen werden, damit si die, so man ir notdurftig ist, allweg wissen fürzunemen; und sol sunst niemand über solich truhen oder laden geen dann der canzler oder obrist und die zween secretarien, und der obrist secretari einen und die andern zween secretari auch einen slüssel haben; und dieselb truhen sol mit einem slos wol versorgt sein.

[II. 4.]

Item die berürten zween secretari sol der, so im rate aufschreibt, sigler und der ander zustecher der brief sein, so man die also im rate versigelt. [Seite 13]

[II. 5.]

Item die gemelten zween secretari sollen uns auch globen und sweren, das ir keiner vor niemand, wer der sei oder in was gestalt solichs beschehen möcht, kein miet oder gab von gelt oder gold oder gelzwert umb procurei nit nemen; es sol auch ir keiner von den reten was ir einer geraten hat niemand aus- oder offenbaren, sonder solichs und alle hendel bis in seinen tod versweigen— als das der rats- und canzleieid lauter inneheltet.

[II. 6.]

Item es sollen auch dieselben zween secretari keiner procurei, es sei bei unser kgl. Mt. oder im rate, bei demselben irem eide nicht üben noch des zu tun understeen, sonder das alles treulich im rate anbringen und darin wie obgemelt ist raten und handeln lassen.

[II. 7.]

Item es sollen auch dieselben zween secretari ausserhalb rats des canzlers oder den obristen secretarien wissen und willen keinerlei brief von niemands wegen anschaffen, er sei inen dann zuvor im rate oder durch den obristen secretarien zu fertigen oder zu schreiben angeschaffen.

[II. 8.]

Item was hendel uns das heilig reiche oder unsere erbliche lande berüren, sollen der canzler der obrist und die zween unser secretarien vor allen andern unsern sachen und handeln getreulichen fertigen.

[II. 9.]

Item es sollen auch dieselben zween secretarien on sonder wissen und willen unsers canzlers oder obristen secretarien zu unsere kgl. Mt. nicht geen noch bei uns procuriren, sonder dem genannten canzler oder obristen secretarien in dem und allen sachen und hendeln, so uns berüret, gehorsam und gewertig seien.

[III.] Ordenung des registrator-ambts.

[III. 1.]

Item es sol sein ein registrator mit namen Hanns Renner, der sol haben die nachgeschriben puecher.

[III. 2.]

Item am ersten ein puech von den fürstenthumben und landen Osterreich Steyr Kernndten Crain Isterreich Karst und Friaul, darein sollen geregistrirt werden all und jeglich hendel, so in dieselben land ausgeen und die notdurftig sind zu registriren, es seien bekennen instructionen beslossen oder offen missifen und gescheft.

[III. 3.]

Item darnach sol er aber halten ein puech von den landen Tyrol Ellsas Sungkew Prisgew und was land weilent erzherzog Sigmund zu Osterreich der kgl. Mt. ubergeben hat, darein auch also bekennen instructionen beslossen oder offen missifen geregistrirt werden sollen.

[III. 4.]

Item ferrer sol er aber halten ein puech von dem heiligen reiche, darein alle brief so not seien, von allem bekennen, instruction, beslossen oder offen missifen registriert sollen werden.

[III. 5.]

Item weiter sol er aber halten ein puech von allen handeln gen Rom Ytalien und allen andern künigreichen fürstenthumben und communen, so ausserhalb des heiligen reichs und deutscher nacion seien, darein alle brief so not seien, von allem bekennen, instructionen, beslossen oder offen missiven registrirt sollen werden.

[III. 6.]

Item fürter sol er auch halten ein puech, darein alle gescheftbrieve, si seien offen oder beslossen, so an den obristen schazmeister, die rechencamer oder ander officiers und ambtleut ausgen, registrirt sollen werden. [Seite 14]

[III. 7.]

Item derselb registrator sol haben neben ime einen geschickten schreiber, der ime wo des not tuet helfen sol die oberürten hendel zu registriren und die puecher zu halten. Wann si aber beid oder ir einer nicht zu registriren haben, sollen si sunst in der canzlei wie ander helfen ingrossiren und schreiben.

[III. 8.]

Item wann ein secretari oder canzlschreiber einen brief, es sei bekennen, instruction oder ander missifen oder gescheftbrief, ingrossirt und geschriben und der canzler darauf registranda geschriben hat, so sol derselb secretari oder canzlschreiber, so denselben brief geschriben hat, dem registrator bei seinem eid solh copei überantwurten und übergeben, damit er die zu registriren wisse.

[III. 9.]

Item der registrator sol auch solich copeien allezeit on widerred bei seinem eid annemen und die mitsambt dem canzlschreiber, so ime zugeordent ist, von stund an registriren in das puech, darein dann solhs als obstet gehört; und wann dieselben also registrirt sind, so sol er gen zu dem secretari, der dann alle brief überlist und corrigiert; und weliche er dann registrirt hat, so sol er was beslossen brief seien inwendig, was aber pergamenen brief sind auswendig registrata darzu machen und seinen namen auf die pergamenen brief schreiben; und wann solichs beschehen ist, so sol er dieselben registratur von stund an mit seinem zugeordenten canzlschreiber gegen dem original überlesen und darnach die püecher mitsambt den copeien und brieven fur den canzler bringen und ime die registratur anzaigen; so der canzler die gesehen hat, so sol er die brief zu ime nemen und den zweien oder einem ratssecretarien die antwurten, die fürter in rate zum sigel zu bringen; wann aber ein brief im rate verendert würde, so sollen die zween ratssecretarien dem registrator solichs anzaigen, damit er das in den püechern auch wisse zu verendern; und wann er die verenderung getan hat, so sol er dem canzler dasselb abermals wie vorstet anzeigen.

[III. 10.]

Item der registrator sol auch alle daten der copeien in die püecher stellen und das nicht auslassen.

[III. 11.]

Item was copeien der registrator also geregistrirt hat, sol er von stund an aufheben und in die laden, der er zu jedem land die vorgemeldet seien eine haben sol, legen und die wol verwaren und in jedem halbem jar dieselben auf- und zusamenpinden und die dem canzler antwuerten, der die fürter in ein gewelb tuen und wo das der kgl. Mt. gefellig ist schicken sol.

[III. 12.]

Item was aber ander copeien, die nit not seien zu registriren sonder sunst zu behalten seien, die sollen die secretarien und canzlschreiber, sopald si die brief davon ingrossiert und geschriben haben, dem bemelten registrator von stund an uberantwurten; der sol die auch in ein jede laden des lands, da derselb brief gelaut hat, legen und zu jedem halben jar dieselben auf- und zusamengepunden und dem canzler geantwort werden, der die fürter auch in ein gewelb tuen und ferrer, wo das der kgl. Mt. gevellig ist, schicken sol; ob auch in denselben brieven einich verenderung im rate beschech, so sollen die zwen ratesecretarien solichs dem registrator auch anzaigen, damit er die copeien gegen derselben verenderung wisse zu corrigiren und darnach solichs bei seinem eid dem canzler anzaigen. [Seite 15]

[III. 13.]

Item der gedacht registrator sol alle jare zu sant Michaels tag anfahen und die püecher der registratur, so dasselb jar ausgegangen seien, widerumb von neuem anfahen in neu register zu schreiben, damit das dieselben allezeit auf weihennechten clar geschriben und berait seien, dardurch der kgl. Mt. die zu weihennechten überantwurt werden durch den canzler, damit sein kgl. Mt. bericht empfahen mag, was dasselb jar gehandelt sei, dann die andern püecher der registratur sol der canzler behalten, damit, ob icht not würde, davon underricht zu nemen wisse; wann aber über ein jar darnach komet, sol er allezeit mit wissen der kgl. Mt. dieselben püecher in ein gewelb, wo sein kgl. Mt. das gevellig ist, schicken.

[III. 14.]

Item so der registrator die püecher also machen wirdet, sol er darein ziffer und das alphabet machen, damit man nicht lang darinne bedürf suchen.

[III. 15.]

Item die obgemelt artickel auch die gehaim und den eide der canzlei also zu halten, sol der registrator geloben und sweren.

[III. 16.]

Item desgleichen sol sein zugeordenter canzlschreiber den eid der canzlei auch dem registrator gehorsam zu sein globen und sweren.

[IV.] Ordenung der canzlschreiber.

[IV.1.]

So verordnen wir hiemit — — — canzlschreiber mit namen — — —; dieselben canzlschreiber sollen in der canzlei stets sein und darein, nemlich in dem sommer des morgens umb sechs und im winter ungeverlich umb siben ur komen und darinne treulichen warten; und was inen der canzler oder obrist desgleichen die zween unser ratesecretarien zu einer jeden zeit zu schreiben geben, sollen si das mit gutem fleis fertigen, dieselben ire brief nach der copei eigentlich collacioniren und überlesen, und so das beschehen ist, dieselb copeien zu stund dem registrator überantwurten und furter solich brief, so die also geschriben und collacionirt werden, es haben inen die der genannt unser canzler oder obrister oder ander zween secretarien zu schreiben bevolhen oder ir einer aus inen denselben zweien secretarien zu iren handen übergeben.

[IV. 2.]

Item der so also registrator ist, wo er nit zu registriren hat, sol dannoch wie ander canzlschreiber zu ingrossiern und zu schreiben in der canzlei schuldig sein.

[IV. 3.]

Item si sollen auch keinen brief von keiner copei ingrossiren oder schreiben noch von niemand ichts annemen zu schreiben, es werde inen dann durch den canzler oder obristen secretarien oder den zweien secretarien mit desselben canzlers oder obristen secretarien zaichen zu schreiben bevolhen.

[IV. 4.]

Item si sollen auch die copeien nit verlegen noch die jemand, wer der oder die weren, lesen lassen, sonder dieselben, so die ingrossiert werden, zu stund dem registratori überantworten, auch dieselben und alle ander unser und der canzlei hendel und heimlicheit bis in den tod versweigen und niemands offenbaren, alles bei iren eiden so si darumb tuen sollen.

[IV. 5.]

Item das auch dieselben canzlschreiber samentlich und ir jeder besonder dem canzler oder obristen secretarien in allen hendeln und sachen dieselb canzlei berürende und in ander wege getreu gehorsam und gewertig sein sollen und treulich als obstet warten und schreiben; dann welher oder weliche des nit teten, soll der canzler oder obrist secretari macht und gewalt haben den oder dieselben mit verwilligung unserer obgenannten rete abzusetzen. [Seite 16]

[IV. 6.]

Item es sollen auch dieselben canzlschreiber mit einander stets in gueter und fruentlicher gesellschaft sein und bleiben und mit einander geselliglich leben und in keinen weg mit einander kriegen oder einich aufruer machen. Dann welicher das verspreche, soll von stund durch unsen hofmarschalh, wie sich gepürt, gestraft werden.

[IV. 7.]

Item es sol auch ein jeder canzlschreiber die copei, so ime oberürtermassen zu schreiben gegeben wirdet, von stund schreiben, und damit auf keinen andern waigern noch verziehen, auch in keinen weg nichts daran oder davon tuen noch setzen.

[IV. 8.]

Item es sol auch hinfür kein canzlschreiber von niemand noch von kainem brief kein tringgelt nit vordern noch heischen; was aber ein jeder gern und williclich gibt, sol dem taxator, der je zu zeiten ist, geantwurt, der auch das bei seinem eid fleissiclich aufschreiben sol und darnach durch unser rate oder den canzler oder obristen secretarien ausgeteilt werden.

[IV. 9.]

Item si sollen auch niemand on wissen und willen unsers canzlers oder obristen secretarien oder der zweier ratssecretarien kein copei von den brieven nit geben. Wo auch einich tringgelt von solichen copeien gefiel, sol auch dem taxator gegeben und obgeschribnermassen ausgeteilt werden.

[IV. 10.]

Item si sollen auch niemand in die canzleistuben zu zeiten so si schreiben nicht einlassen, noch si zu inen hinein vordern; sonder welicher mit einem frembden zu handeln oder zu reden hette, der mag zu ime hinaus für die thür geen. Darzu sollen si, so si morgens oder nachts essen, alle ire brief und copeien eigentlich aufheben und wegtuen, damit niemand die lese.

[IV. 11.]

Item es sol auch ir keiner on wissen und willen ires canzlers oder obristen secretarien nit gen hofe noch in rate geen, noch einicherlei sonders bei uns procuriren oder sollicitiren in dheinen weg.

[IV. 12.]

Item es sol auch ir kainer kein notel oder copeien on wissen und willen oder heissen des canzlers oder obristen secretarien oder der zweier ratssecretarien nicht machen.