Brucker Religionspazifikation von 1578 (Brucker Libell) :: Digitale Edition Heino Speer 2012

Brucker Religionspazifikation von 1578 (Brucker Libell) :: Digitale Edition Heino Speer 2012

Vorbemerkung zur digitalen Edition.

Diese elektronische Edition wurde aus dem von ALO gescannten Werk von Joseph Loserth, Die steirische Religionspacification 1572-1578 [= Veröffentlichungen der Historischen Landes-Commission für Steiermark (1896)] mit Hilfe eines OCR-Programms (Omnipage 18) in einen Volltext umgewandelt, der durch den Herausgeber korrigiert wurde. Eventuelle Lese- und andere Fehler sind daher mir zuzurechnen; ein Hinweis auf derartige Fehler würde die Qualität weiter verbessern.
Heino Speer :: 31. Juli 2012

[Text der Erklärung vom 9. Februar 1578]

Jrer F. Dt. mündliche letzte erclärung in religionssachen gegen der lande Steyer, Kärnten und Crain sambt der J. G. Görtz alhie zu Pruck mit vollmechtigen gwalt anwesunden ausschüssen (geschehen den 9. tag Februarii 78).

den neunten tag Februarii vor der frue malzeit haben J. F. Dt. die herren der lande ausschüß sambt den stetten und märkten, so der Augsburgerischen confession zugethan, in ihr camer gefordert und auf ire jüngst und schließlich ubergebene religionsschrift die erclärung und antwort in gegenwart J. F. Dt. herren gehaimen rathe Geörgen Khevenhüllers zu Aichlberg freyherrns ... herrn Wolfen herrn von Stubenberg ... herrn Hansen Cobenzl von Proßeg und Doctor Wolfgang Schranzen canzlers mündlich gethan, wie volgt:

Wiewoll ich mich ganzlich versehen, ir wurdet mit meiner endlichen erclärung in diesen religionsarticl gehorsamblich [Seite: 90] ersettigt und zufriden sein, weil ich bei meiner seelen seligkait vermeldet und gebeten, daz ich verner nit geen kündte und solches alles also bewilligt habe, dass Ihr [Fol. 57a] verner ainich mistrauen in mein person nit setzen sollet, nichts destoweniger, weil Ihr mir noch ein schrift uberantwort, so hab ich mein meinung wie ichs verstehe, jetzt abermals anzaigen wellen.

Und zweiffelt mir nit, Ir werdet mich, wie ichs hievor auch angezaigt, vernomen haben, nemblich, dass ich alles das, was ich und meine räthe anist zuegesagt, die religionspacification, so in Steyr beschlossen, dasselbig alles aller rechten gebür nach halten will, und hab mich nit zu erinnern, dass ich darwider sollt gehandlet oder so ernstlich bevelch darwider ausgeen lassen, und will solche pacification noch redlich halten gegen Euch, die Ir alda beisamen und alle, so der Augsburgischen confession zugethan seind; doch das man sich auch gebürlich verhalte, das schmächen und lästern, wie es dann durch eure prediger beschiecht, gäntzlich abschaffen, welches ich meinestheils auch thuen will; und weil ich mich hievor erclärt hab und noch also erclären thue, dass ich in meiner alten wahren catholischen christlichen religion, darin ich geboren, getauft, erzogen und bis in main grueben drin bleiben will, das demnach ich sambt den meinigen in meinem gewissen auch unbetrüebt und unbekumert gelassen, und so wenig ich euch in eurem gewissen nit bekommern oder betrüeben will, Ir dasselbig mir und den meinigen auch nit thuet, sundern alles in gueten christlichen vertrauen und ainigkait ain thail sowol als der andere verbleibe, bis der allmechtig gott mittl und weg schickt, dass ainst diese sach, wie ich [Fol. 57b] zu der göttlichen allmacht hoffe, zu christlicher ainhelligen vergleichung und in einen rechten verstand kumen kann.

Doch behalt ich mir lauter bevor die disposition in meinen stetten und märkten und aigentumblichen guetern nit der mainung, wie man davon sagen wellen, dass ich die predicanten und schuelen zu Grätz, Laybach, Clagenfurdt und Judenburg will vertreiben, doch dass Ihr das schmächen und lestern auch abstellet, mich und die meinigen religionsverwandten nit so gar mit spöttlichen worten, nit allein durch die predicanten, sundern auch andere, wie man wol waiss, angreifen thuet, und wann man einen auf der gassen oder sonst sicht, ein spöttl anhengt; welches nit sein soll, sondern man soll brüederlich und christlich von einander reden.

Als will ich die burger auch nit beschwären in iren gewissen, wie ich inen dann bisheer von [Seite: 91] wegen der religion nit ein harl gekrümt; das will ich hinfüran auch nit thuen:

aber dass sie ires gefallens in die stett und märkt predicanten aufnemen sollen, das kan Ich auch nit leiden; aber sie will Ich in iren gewissen unbekumert lassen, darauf mügen sie sich wol verlassen.

Und Ich will euch nit allain hiemit ermant haben, sonder Ich bitt euch umb gottes willen, Ihr als meine lieben underthanen, wellet alles mistrauen auf ein seit stellen und was Ich maine euch zugesagt hab, das will Ich treulich halten, [Fol. 58a] dann Ich maine es mit euch genediglich und vaterlich und stell es gar auf kainen schraufen, wie man sagt.

Wellet derwegen nunmehr zu denen sachen, darumben man allhie zusammenkummen, fürderlich greiffen und gedenken, wie es den armen christen auf den gränitzen geht, das verseche ich mich gentzlichen zu euch und will auch yederzeit eur genedigster herr und landsfrüst sein und bleiben."

Nach disem mündlichen vermelden haben die herrn der landeausschüß ein undterred in die tafelstuben genomen und nach gehaltener umbfrag hat herr Hans Friedrich Hoffmann als marschalch J. F. Dt. verrer diese mündliche antwort gegeben:

Die gehorsamisten der lande ausschüss der Augspurgischen Confession zugethan, J. F. Dt. jederzeit getreue gehorsamiste landleut und underthanen, haben diese E. F. Dt. gnedigiste und milde mündliche erclärung mit höchster freud angehört und mügen noch, wie zuvor zum oftermalen gott zu ainem wahrhaftigen zeugen wol [Fol. 58b] nemben, dass sie bis daher anders nicht gesuecht, gewünscht oder begert haben, dann dass ein beständige guete rue und ainigkait zwischen diesen baiden religionen angerichtet, also dass sich die, so unser religion der Augspurgischen confession zugethan sein, von E. F. Dt. religionsverwandten kainer gefahr, widerwertigkeit oder verfolgung zu besorgen, wie sie sich dargegen bei den unsrigen nit anders als alles liebs und guets zu versehen gehabt und noch.

Dieweil sich dann E. F. Dt. jetzige gnedigiste mündliche erclärung und vertröstung anderst nicht versteen künen, dann dass es irer der lande nechst ubergebenen schriftlichen erclärung nicht durchaus zuwider, sondern ein gnedigiste ratification derselben sei, wiewol sie an E. F. Dt. gndigisten wolmainen hievor nie gezweifelt, allain wes sie sich der misgünner und unruebigen leut halben besorgen müssen, so wollte inen doch kaineswegs gebüren, in E. F. Dt. landsfürstliche wort ainichen zweiffl zu stellen. [Seite: 92]

Danken demnach zuförderst dem allmechtigen gott, der dises ihr langwieriges seufzen, bitten und flehen zu einem solchen gnädigen fridlichen endt geschickt hat, und dann auch J. F. Dt. selbst als iren gn. herrn und landsfürsten, der so väterlichen erclärung, und bitten E. F. Dt. [Fol. 59a] da neben gar underthenigist diemüthig, da sie mit vorigen ieren öfteren replicieren derselben was zuwider gehandlet hetten, sy wellen Inen solches durch gottes barmherzigkeit willen gnedigist verzeichen und anderst nit deuten dann das es ires gewissens befridung und versicherung wegen ier höchst notturft erfordert hat, da sie sonsten sich gegen J. F. Dt. mit aller underthenigkait des gehorsambs allezeit befleissigt.

Es bedanken sich auch neben den gehorsamisten landleuten die von stetten und märkten gar diemütigist diser gnedigisten und vätterlichen erleüterung, das sie und ire mitverwandten nicht weniger als andere in iren gewissen befriedet und versichert sein.

Erbieten sich darauf die gehorsamisten ausschüss für sich und ire principaln sament und sonderlichen, dass sie solches umb E. F. Dt. derselben geliebte erben und nachkumen zu ewig zeiten ungespart leib guetes und pluets dankbarlich zu verdienen sich nach eusseristem vermügen befleissen wellen.

Sy seind auch urbietig mit erster müglichkait E. F. Dt. gnedigsten begern nach zu der bewilligung zu greifen und sich darinnen also gehorsamist zu erzaigen, das E. F. Dt. ir guetwilligkait und gehorsamiste naigung in ausgang der handlung würklich spürn und befinden sollen.

Darauf bitten sie gar unterthänigist, E. F. Dt., die wellen inen, sie samentlichen sambt stetten und märkten auch derselben inwonern, die dieser religion zugethan sein, mit landsfürstlichen gnaden jederzeit lassen bevolhen sein.

Darauf haben J. F. Dt. verrer angezaigt:

Was Ich Euch zugesagt und wie Ich mich gegen Euch erclärt habe, dem will ich also nachkumen, versich mich gentzlich, Ir werdets auch thuen, und damit man hinfüro in gleichen vertreulichen verstand verbleiben müge, so soll man nit immerzu ein jeden Ohrenploser glauben geben, sundern dass man erstlich gueten grund und bericht einnehme und mir solches anzaigen und berichten.

Auf das hat herr Hoffmann auch zu beschluß verrer vermeldt, die gehorsamisten der landeausschuß pitten gleichfalls (des ich zu vermelden vergessen) J. F. Dt. underthenigist, sie welle denen personen, welche zwischen J. F. Dt. und derselben gehorsamisten und getreuen lande unainigkait und misverstand pflanzen, auch gnedigist kainen glauben geben oder sich wider derselben getreuen unterthanen bewegen lassen und sie wellen auch jederzeit [Seite: 93] do inen was beschwärlichs fprfellt, zu J. F. Dt. als irem gnedigisten herrn und landfürsten ire zueflucht haben. [Fol. 60r]

Und weil diese mündliche tractation aus dem mund wie zu beden thailen geredt, treulich beschrieben und aufs papier glaubwürdig gebracht werden, demnach und zu merern künftigen gedächtniß haben sie, die herren ausschüß der Augspurgischen confession zugethan, solches alles abgehört und jedem land unter irer aignen handschrift und pedtschadt gleichlautend concept zuegestellt.

Geschehen zu Pruckh an der Muer den neunten tag Februarij ao. 78ten.

Hannß Fridrich Hoffman, freyherr, landt- und erkiester marschalk, Ludwig Ungnadt, freyherr,
Geörg, freyherr zu Herberstain, Bärtlme Khevenhüller, freyherr,
Achaz, freyherrn von Thurn, Hanß Franz von Neuhauß,
Franz von Poppendorf, Wilhalbm zu Rattmanstorf zu Weyr,
Maximilian von Lamberg, Ott von Ratmanstorff,
Eraßm von Saurau,Wilhalbm von Gleispach, Fr: von Scheyr,
Melchisedech Senuß von Freidenberg, Michl Rindsmaul,
Hannibal, Freyherr zu Eckh, Lienhardt Weltzer zu Eberstain,
Ferdinand Hoffman, freyherr, Hanß von Gallenberg, Fr. von Holneckh,
Paul freyherr von Thannhausen, Wilhalbm von Gera auf Arnfels,
L. von Kholnicz, Caspar Mandorfer zu Mandorf.
Erasm Stadler ritter, Maximilian von Khuenberg,
Wolff Zwickhl, Lienhardt von Kheutschach ritter,
Wilhalbm von Rottal der elter zu Neudau Victor Weltzer,
Hanß von Pranckh, Niclaß Panhan zu Wolfspüchl,
Adam von Lenghaimb, Michael Strasperger,
Philipp Träxler von Neuhauß, Hanß Khemeter,
Gall, freyherr zu Räcknitz, Walthauser Herbstperger,
Janas von Wilferstorff, Lienhardt Schütter,
Sigmundt Weltzer zu Eberstain, Lienhardt Chren,
Hanns Fridrich von Trautmannstorff, Urbaun Thalmann,
Balthauser Pinter.

Einschlus.

Jrer F. D. schreiben die Calvinisten betreffendt.
Den edlen unsern lieben getreuen N. dem landeshauptman,
landverwesern und den verordenten in Steyr.

Carl von gottes genaden ertzhertzog zu Oesterreich, hertzog zu Burgundi, grave zu Tyrol etc. Edl und lieben getreuen. Nachdem uns die Röm. Kays. Mt. [Fol. 61r] unser genedigister geliebter herr vetter berichtet, wie diejenigen Calvinischen predicanten, so an itzo in der curfürstlichen pfalz ausgeschafft worden, entschlossen sein sollen, sich in Oesterreich und dise unsere lande unter unbekannten klaidungen zu begeben und alda unterschlaipf zu suechen, als ir dann aus inligunder abschrift mit mehrern zu vernemen, so haben wir auf solche Jr. Kays. Mt. beschechene nottwendige erinderung und warnung nit unterlassen sollen, Euch solches gleichfals zum wissen alsbaldt anzufüegen, gantz genedig und ernstlich bevelchend, das Jr ane verzug auf berürte Calvinische predicanten eur guete vleißige achtung bestellen und darob sein wellet, damit kainer derselben oder andere diser secten anhengig nindert aufgenuemen oder eingelassen, sondern allenthalben hinweggeschafft und an khainen ort nit gedultet oder gestattet werden. An dem beschiecht unser genediger willen und mainung. Geben in unser statt Grätz den 25 Martij anno im 77ten.
Carolus

Ad mandatum domini
archiducis princi. p.
Wolfang Schranz d. Hanß Vetter.

Rudolf etc. Durchleuchtigister, hochgeborner, freundtlicher geliebter vetter und füerst. Wir erinnern E. L. freundtlich, das uns glaubwürdig fürkumbt, wie diejenigen Calvinischen predicanten, so an itzo in der curfürstlichen pfalz ausgeschafft worden, sich nach unserm ertzherzogthumb Oesterreich und E. L. fürstenthumb Steyr unter unbekannten klaidungen zu begeben und alda im landt unterzuschlaipfen entschlossen seyen.

Wiewol wir im werk, in kurtz solcher personen namen, claidungen und gestalt zu erfaren und E. L. desselben weiter zu avisieren, damit aber hiezwischen nichts versaumbt werde, so haben wirs E. L. zum wissen und warnung freundlich anfüegen wöllen, die werden auf solche personen in iren fürstenthumben und landen achtung zu bestellen wissen, inmaßen wir dann in unseren ertzherzogthumb Oesterreich unter und ob der Ennß bei den furnembsten stett und mautstetten auch gethan und do wir ain oder [Fol. 62r] mehr zu handen bringen, ain solich exempel zu statuiren [Seite: 95] bedacht sein, daher andere dergleichen hinnach zu kommen abscheuch haben sollen. Und seint E. L. freundlich und vetterlich wolgenaigt. Geben zu Prag den 14ten Martii anno etc. im 77ten.
An ertzherzog Carl zu
Oesterreich.

Dise religionstractation und vergleichung ist aus den gefertigten originalschriften in dises buech von wort zu wort zusamen gezogen, eingeschrieben auch ordenlich vleißig und treulich transumirt und vidimirt. Des zu warem urkundt auch glaubwürdiger gezeugnuß der sachen haben wir Hannß herr zu Scharffenberg und auf Spilberg, R. Kays. Mt. und F. D. rath, landtshauptmann in Steyr und schloßhauptmann zu Grätz [Fol. 62r] und wir E. E. L. des herzogthumbs Steyr verordenten unser angeborne petschadt angehengt und mit aigner handt unterschrieben.

Geschechen zu Grätz den 20ten tag Januarij im aintaußent, fünfhundert und achtzigisten iare.

Hannß, h. von Scharffenberg, Landshauptmann zu Steyr m.p.
Erasm von Saurau m.p.
Wilhelm von Gera auf Arnfels m.p.
Wolff Zwickhl m.p.
Hector von Truebenegg m.p.
Jacob von Kainach m.p.
Michael Rindsmaull m.p.



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